Deutschland: Autobrand unter Carport dehnt sich auf Wohnhausdachstuhl aus → 3 Fw-Leute verletzt

WERNE (DEUTSCHLAND): Um 6:18 Uhr des 22. Oktober 2016 wurde die Freiwillige Feuerwehr Werne zu einem Fahrzeugbrand in der Straße Abdinghof alarmiert. Unter einem Carport brannte bei Eintreffen ein Pkw, wobei die Flammen bereits auf den Dachstuhl des angrenzenden Hauses übergegriffen hatten.


Unmittelbar wurden, gespeist über den Fahrzeugtank des ersteintreffenden LF 20, zwei C-Rohre eingesetzt - ein C-Rohr als Riegelstellung zum Wohngebäude, eines zur Bekämpfung des Fahrzeugbrandes. Dr Bewohner hatte das Haus verlassen und versicherte, dass keine Person im Gebäude sei. Bereits bei der Ersterkundung wurde festgestellt, dass auf der Rückseite des Gebäudes dichter Rauch unter einer Gaube hervor drang. Man musste davon ausgehen, dass das Feuer bereits auf den Dachstuhl übergegriffen hatte. Kurze Zeit später konnten erste Flammenerscheinungen im Dachstuhl wahrgenommen werden. Beim Gebäude handelte es sich um einen aufgestockten Bungalow.

Das Dachgeschoß war in einer "belüfteten Holzkonstruktion" ausgeführt. Dabei wurde ein entsprechend großer Dachüberstand in Form einer mehrfach verschachtelten Kassette ausgeführt, was die Stabilität des Bauwerks erhöhen sollte. Die Konstruktion war mit Schiefer verkleidet und führte letztlich zu einer ungehinderten Ausbreitung des Feuers innerhalb der Dachkonstruktion. Selbst der geleichzeitige Einsatz von insgesamt fünf C-Rohren und einem, über die Drehleiter eingesetzten Monitor, konnten das Feuer nicht stoppen. Erst konzentrierte Angriffe im Innenangriff sowie unter Einsatz von Schwerschaum führten nach öffnen der Deckenverkleidungen zum Erfolg, so dass das Feuer kontrolliert werden konnte.

"Allerdings waren in Spitzenzeiten gut 65 Feuerwehrleute im Einsatz - sicher ungewöhnlich für den Brand eines Einfamilienhauses", so die Feuerwehr. Davon musste eine bislang noch nicht ermittelte Zahl an Einsatzkräften aufgrund der starken Verrauchung der Einsatzstelle unter Atemschutz arbeiten, einige Trupps gingen über den Tag verteilt dreimal unter Atemschutz! Die rund 50 Geräte der Freiwilligen Feuerwehr Werne reichten nicht aus, weshalb der AB Atemschutz des Kreises Unna nachalarmiert wurde, um die eigenen Ressourcen zu ergänzen.


Drei verletzte Feuerwehrleute
Leichte Verletzungen trugen drei Einsatzkräfte davon. Ein Kamerad erlitt durch eine herabstürzende Schieferschindel eine Schnittverletzung im Gesicht, die vom Rettungsdienst Werne vor Ort versorgt wurde. Zwei, über die Drehleiter eingesetzte Kameraden erlitten Verletzungen, als sich die Einbindung an einem B-Schlauch schlagartig löste. Dabei schlug Schaummittel-versetztes Löschwasser mit hohem Druck unter die Visiere und traf die Kameraden in Augen und Mund. Erste Hilfe erfolgte durch intensives Spülen der Augen. Die Kameraden wurden zur Untersuchung ins Krankenhaus transportiert, konnten aber nach einer Begutachtung durch die Ärztin das Krankenhaus mit einer diagnostizierten Augenreizung wieder verlassen.


Nachlöschen mit Cobra-System
Als besondere Herausforderung stellten sich die Nachlöscharbeiten in der verschachtelten Dachkonstruktion heraus. Auch nach mehreren Stunden aufwendigen Öffnens der Dachhaut flammten immer wieder Brandnester auf. Daher wurde mit unbürokratischer Unterstützung des Instituts der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen (IdF NRW) das Vorauslöschfahrzeug Cobra in den Einsatz gebracht. Das Testfahrzeug des Ehrenamtprojektes FeuerwEHRensache war bis zum letzten Sonntag (16.10.2016) in Werne stationiert und wurde aktuell am IdF NRW für die nächste Pilotfeuerwehr in Heinsberg vorbereitet. Das Projekt des Ministeriums für Inneres und Kommunales (MIK NRW) und des Verbands der Feuerwehren (VdF NRW) stellt den Pilotfeuerwehren Fahrzeuge zum Test zur Verfügung. Beim VLF Cobra handelt es sich um ein Kaltschneide-Löschsystem, das im offensiven Außenangriff ein Loch in die Außenheut eines Gebäudes schneiden kann, um dann Löschwasser unter hohem Druck einzubringen. Durch das extrem fein vernebelte Löschwasser, kann Hitze intensiv gebunden werden.

Diese Methode brachte an den kritischen Stellen in der Dachkonstruktion letztlich den Erfolg: Alle Glutnester konnten von außen erreicht und gelöscht werden. Die Einsatzstelle konnte gegen 18:40 Uhr, mehr als 12 Stunden nach der Erstalarmierung, an die Kriminalpolizei übergeben werden. Gemeinsam mit den Brandursachenermittlern wird nun die Ursache für den Fahrzeugbrand untersucht.

Im Einsatz waren alle Löschgruppen und -züge der Freiwilligen Feuerwehr Werne, der Rettungsdienst Werne, der Kreis Unna mit dem AB Atemschutz und dem Kreisbrandmeister, das IdF NRW, die Kriminalpolizei und der Rettungsdienst Werne. Zudem war eine unbekannte Anzahl an Nachbarn im Einsatz und stellten sehr früh die Einsatzverpflegung sicher, offerierten Garagen und Gartenmöbel für Pausenzeiten, stellten Toiletten zur Verfügung und motivierten die Einsatzkräfte durch ermunternde Worte. Zudem kümmerten sie sich intensiv um die Betroffenen. Für diese bemerkenswerte Unterstützung bedankt sich die Feuerwehr Werne sehr herzlich!


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