Nö: Der Horrorunfall von Heiligenkreuz mit 5 Toten: Kleinbus schleudert gegen Brückenpfeiler

HEILIGENKREUZ (NÖ): Bei einem schweren Verkehrsunfall auf der Außenringautobahn (A21) Sonntagfrüh, dem 10. September 2017, kamen fünf Personen ums Leben und drei wurden verletzt. Ein mit acht Personen besetzter Kleinbus war gegen ca. 05:35 Uhr bei der Abfahrt Heiligenkreuz (Bezirk Baden) Richtungsfahrbahn Wien von der Fahrbahn abgekommen, touchierte eine Leitschiene und wurde in Folge gegen einen Brückenpfeiler geschleudert.


Begonnen hatte eigentlich alles wie ein Einsatz, den viele Feuerwehrmitglieder schon oft erlebt haben, Sonntagfrüh, Verkehrsunfall. Die ersten Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren Alland und Heiligenkreuz begeben sich ins Gerätehaus, ziehen sich um und rücken mit dem ersten Fahrzeug aus.


Unklare Lage beim Alarm
Bei der Ausrückemeldung an die Feuerwehr-Bezirksalarmzentrale Baden kam dann die erste Information des diensthabenden Leitstellendisponenten über eine noch unklare Lage, da verschiedene Meldungen (in den Leitstellen der Feuerwehr, Rettung und Autobahnpolizei) eingegangen waren. Nur wenige Minuten später kam über Funk die nächste Meldung an die zufahrenden Feuerwehreinsatzkräfte, welche plötzlich den Puls hochschnellen ließ - die eintreffende Streife der Autobahnpolizeiinspektion Alland (die eigentlich zu einem vermeintlichen „Wildunfall" gerufen wurde) meldete, dass mindestens eine Person eingeklemmt sei. Sofort wurde die Alarmstufe erhöht und eine Nachalarmierung auf Menschenrettung veranlasst.
Der erste Eindruck sorgte dann jedoch für Verwirrung, bei einer Autobahnbrücke stand eine Streife der Autobahnpolizei, einige hundert Meter weiter erkannte man aber erst die Warnblinkanlagen von Fahrzeugen. Wo bleibt man stehen? Was ist da passiert?


Eindrücke, die bleiben und nicht in Worte zu beschreiben sind
Ein Polizist machte auf sich aufmerksam und gab den ersteintreffenden Feuerwehrmännern klar zu verstehen, dass sich das Unfallfahrzeug, ein Van oder Kleinbus unter der Brücke, hinter der Leitschiene befindet. Schon beim Näherkommen, konnte man die markerschütternden Schmerzschreie der Opfer im Dunkeln wahrnehmen. Das genaue Bild das sich bot, ist kaum mit Worten zu beschreiben.
Sofort begannen sie mit der Arbeit, erkundeten die Lage, sorgen für die notwendige Beleuchtung, nahmen das erste hydraulische Rettungsgerät in Betrieb und gaben die ersten Eindrücke an die nachrückenden Kräfte weiter. Die ebenfalls eintreffende Mannschaft des RTW Rotes Kreuz Alland forderte nach Lageerkundung sofort über ihre Leitstelle weitere Notärzte und Rettungsteams nach.
Kurze Zeit später traf auch das Kleinrüstfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Heiligenkreuz mit drei Mitgliedern an der Einsatzstelle ein. Gemeinsam wurde mit der weiteren Erkundung und den ersten Befreiungsversuchen der Opfer begonnen.

 

Großaufgebot an Helfern kommt zum Einsatz
Währenddessen lief die Verständigung und das Eintreffen eines Großaufgebotes an Rettungskräften an. Die FF Klausen-Leopoldsdorf als Unterstützung, zwei ÖAMTC Rettungshubschrauber C3 + C9, mehrere Rettungswägen (Rotes Kreuz u. Arbeiter Samariterbund) und Notarzteinsatzfahrzeuge, ja sogar ein Notarzt am Heimweg von seinem Dienst eilte zur Hilfe.
Mitarbeiter der ASFiNAG Alland unter der Leitung von Autobahnmeister Ing. Martin Kottek sorgten, mit Unterstützung verschiedener Polizeidienststellen, mit einer Blitzaktion für eine Totalsperre des Teilabschnittes der A21 zwischen der Anschlussstelle Mayerling bis Hinterbrühl und ermöglicht so den eingesetzten Rettungskräften ein gefahrloseres Arbeiten.


Unvorstellbares Szenario abgearbeitet
Rund eine Stunde nach dem Eintreffen der ersten Rettungskräfte konnte auch die letzte Person mit Lebenszeichen aus dem Wrack befreit und erstversorgt werden. Leider mussten an diesem Sonntagmorgen 5 Menschen ihr Leben lassen. Trotz des unvorstellbaren Szenarios kämpften die vier Notärzte und die zahlreichen Rettungssanitäter um das Leben der noch nicht verstorbenen Fahrzeuginsassen. Die Feuerwehr musste unter schwierigsten Bedingungen die Verletzten aus dem total deformierten Wrack befreien.
Drei weitere Personen, darunter auch ein junges Mädchen, konnten jedoch erfolgreich befreit, versorgt und abtransportiert werden. Mittlerweile ist bestätigt, dass alle drei, trotz teils schwerwiegender Verletzungen, stabil und somit außer Lebensgefahr sind. Bei dem Unfall konnten mehrere nachkommende Fahrzeuge in der Dunkelheit, den auf der Fahrbahn liegenden Wrackteilen, nicht mehr ausweichen. Eine aus dem verunfallten Kleinbus auf die Fahrbahn herausgeschleuderte Person wurde dabei ebenfalls erfasst. Vor allem bei Unfällen mit Todesfolge und unbekannter Unfallursache muss eine sehr aufwändige und zeitintensive Unfallaufnahme durch die Polizei erfolgen. Da sich die Unfallstelle auf über 200m erstreckte, kam auch ein Polizeihubschrauber zur Foto-Dokumentation aus der Luft zum Einsatz.

Bergungsarbeiten
Erst nach der Freigabe des Wracks und der Unfallstelle konnte mit der Bergung der Verstorbenen, begonnen werden. Hier waren es wieder die Feuerwehrkräfte, die die Aufgabe hatten, das anwesende Bestattungsunternehmen bei der Bergung der Opfer zu unterstützen. Zwischenzeitlich mussten auch auslaufende Betriebsmittel gebunden werden.
„Wir haben beim Eintreffen dann ein Bild vorgefunden, auf das wir nicht eingestellt waren", erläuterte Feuerwehr-Einsatzleiter Georg Baden von der Freiwilligen Feuerwehr Alland gegenüber den Medienvertretern vor Ort. Noch während der laufenden Rettungsarbeiten mussten unzählige Medienanfragen über die Presseabteilungen aller Blaulichtorganisationen abgewickelt und in Folge Interviews mit Journalisten direkt an der Einsatzstelle organisiert bzw. unterstützt werden.


Hilfe für die Helfer
Bereits in der Anfangsphase der Rettungsaktion forderten die Führungskräfte der Einsatzorganisationen psychologische Hilfe für die eingesetzten Kräfte an. Für viele der teilweise sehr jungen Einsatzkräfte eine schwierige Situation. Während die Unfallzeugen und die Lenker jener Fahrzeuge, welche einen der Fahrzeuginsassen erfasst hatten, vom Team der Krisenintervention betreut wurden, rückten auch Spezialkräfte der Rettung, Feuerwehr und Polizei aus, um die eingesetzten Kameraden zu betreuen.
Bei der Feuerwehr rückte der „Sonderdienst Stressverarbeitung nach belastenden Ereignissen (SvE)" aus. Die so genannten „PEERs" sind speziell geschulte Feuerwehrleute, die entweder in Kleingruppen oder Einzelgesprächen das Erlebte mit betroffenen Feuerwehrleuten zeitnahe aufarbeiten. Auch die Rettung entsandte speziell geschulte Mitarbeiter des „Support Team", ebenso schickte das Bezirkspolizeikommando Baden einen speziell geschulten Beamten auf die Unfallstelle, um die Kollegen zu betreuen.

 

An die psychische Leistungsgrenze
Bei dem Horror-Einsatz auf der A21 kamen selbst erfahrene Einsatzkräfte an ihre Grenzen. Zum Glück gibt es in allen Organisationen speziell geschulte Kameraden, die zum Einsatz kommen, wenn die Helfer Hilfe brauchen! Die Berge- und Aufräumarbeiten dauerten bis in die späteren Nachmittagsstunden. Dazu unterstützte auch ein privates Bergeunternehmen sowie ein privates Spezialunternehmen bei der Reinigung der Fahrbahn.

 

Opens external link in new windowBezirks-Feuerwehrkommando Baden

 

Gedanken aus Alland

Fireworld.at wurde in den sozialen Netzwerken auf einige Zeilen eines Kameraden der Freiw. Feuerwehr Alland aufmerksam, die hier im Auszug wiedergegeben sind:


Ein schwarzer Tag

Dies ist kein konventioneller Einsatzbericht, dies sind die Gedanken eines Feuerwehrmannes, der seine Kameraden Unbeschreibliches leisten hat sehen. Heldentum hat mit diesem Ereignis nichts zu tun. Es sind einfach Menschen, die im Dienst der guten Sache ihre Arbeit, so gut es ging, erledigten...

Das der 10. September 2017 ein so schwarzer Tag werden würde, hätte man nicht annähernd erahnen können. Die unfassbare Tragödie, ausgelöst durch pure mechanische Gewalt, lässt sich schwer in Worte fassen. Entstellte Körper, ein unidentifizierbares Wrack, ein Schauplatz, den man unmöglich beschreiben kann, tat sich den ersteintreffenden Kräften der Feuerwehr Alland auf, die sich der Unfallstelle an diesem Sonntagmorgen näherten.

Wo fängt man an zu helfen? In der Morgendämmerung nimmt man nur schemenhaft die Ausmaße des Szenarios wahr, welches sich einem bietet. Menschen die schmerzerfüllt um Hilfe schreien, eingeschlossen in etwas, das nur Minuten zuvor ein intakter 9-Sitzer auf dem Weg in die Heimat war.

Feuerwehrkräfte aus Alland, Heiligenkreuz und Klausen- Leopoldsdorf, Rettungskräfte aus drei Bezirken, 2 Rettungshubschrauberteams kämpfen stundenlang um das Leben von 8 Menschen. Für einige von ihnen kommt auch die schnellste Hilfe zu spät, andere kämpfen zur Stunde immer noch ums Überleben. Aber viele werden sich an diesen Tag auf ewig erinnern. Möge allen Menschen im Umfeld eines Jeden von uns nie etwas Vergleichbares widerfahren.

Der Verkehrsunfall am 10. September 2017 wird in die Geschichte der Feuerwehr Alland als der Schlimmste seit über 20 Jahren eingehen. Die eingesetzten Kräfte haben das Glück, sich professioneller Hilfe bedienen zu können, um die Erlebnisse dieses Sonntagmorgen erträglich zu machen. All unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen der Verstorbenen und unsere Kraft senden wir an jene, die dieses Unglück überlebt.

 

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