Oö: Gemeinsam helfen: Feuerwehr und Rettung teilen sich barrierefreies KDOF
Geschrieben am: 2011-06-25 20:43:23

Maria Neustift (Oö): Bei der freiwilligen Feuerwehr Maria Neustift steht seit Anfang Juni 2011 ein neues, barrierefreies, Kommandofahrzeug im Dienst.

Erstmals nutzen Feuerwehr und Rotes Kreuz ein Einsatzfahrzeug gemeinsam - die Feuerwehr als Kommandofahrzeug und das Rote Kreuz als Transporter für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer für die Tagesheimstätte in Maria Neustift. Wie diese einzigartige Kooperation funktioniert, lesen sie in den folgenden Abschnitten.



Das Fahrzeug ist ein Ford Transit Variobus, in Trend-Austattung mit 115 PS mit mittelhochem Dach und mittellangem Radstand. Der Umbau zum barriere-freiem Fahrzeug wurde von der Firma Lagermax in Straßwalchen durchgeführt - der weiter Umbau zum Feuerwehrfahrzeug von den Mitglieder der Feuerwehr Maria Neustift!

Als Einsatzfahrzeug ist das neue Kommandofahrzeug mit einem Blaulichtbalken und Bahnräumern im Frontbereich, sowie mit Martinshorn und Fahrzeugfunkgerät ausgetattet. Zur Kennzeichnung als Einsatzleitstelle bzw. Atemschutzsammelplatz verfügt es im Heck über einen kombinierten Rot-Grün-Blitzlichbalken. Um eine entsprechende Ausleuchtung im Umfeld des Fahrzeuges zu gewährleisten, wurden seitlich zwei LED-Leuchten SceneLite und im Heck ein schwenkbarer LED-Leuchte WorkLite angebracht. Im Fahrzeuginneren sorgen zwei LED-Lechten MicroLux für entsprechende Beleuchtung. Sämtliche Warneinrichtungen und die Umfeldbeleuchtung lassen sich vom Fahrersitz steuern.

Darüberhinaus verfügt das Fahrzeug durch einen Wechselrichter über eine unabhängige 220V Stromversorgung. Im Mannschaftsraum wurde für die Verwendung des Fahrzeuges als Einsatzleitstelle ein Tisch mit zweiter Sprechstelle für den Fahrzeugfunk eingebaut. Weiters lässt sich die Innenbeleuchtung auch von dort aus schalten.



Unser Fahrzeug ist barrierefrei! Das Rote Kreuz Steyr betreibt für die Gemeinde Maria Neustift eine Tagesheimstätte im Ort. Dort haben ältere Menschen die Möglichkeit sich einmal pro Woche zu treffen - bei entsprechender Betreuung und Pflege. Damit auch Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer dieses Angebot nutzen können, mietet das Rote Kreuz einmal pro Woche das neue KDOF von der Gemeinde und bietet somit den Transport zur bzw. von der Tagesheimstätte an. Diese einmalige Kooperation zwischen zwei Einsatzorganisationen funktioniert ausgezeichnet! Um den sicheren Transport von Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrern zu ermöglichen, wurde ein Systemboden mit Verzurrschienen im Fahrzeug eingebaut. Weiters wurden im Heck zwei verschiebbare und klappbare Auffahrrampen montiert. Mit Hilfe von Sicherheitsgruten kann der Rollstuhl und die Person im Fahrzeug gesichert werden - eine Variante wie sie nicht nur beim Roten Kreuz üblich ist. Die Verladeschienen sind so montiert, dass sie im Transportzustand die Entnahme der Feuerwehrausrüstung nicht behindern.

Die Sitze im Mannschaftsraum sind so ausgeführt, dass sie einfach verschoben bzw. entnommen werden können! Auf den Verzurrschienen verankert, lässt sich jeder Sitz einzeln verschieben bzw. entnehmen. Dadurch ist sichergestellt, dass beim Rollstuhltransport genügend Platz vorhanden ist (zwei Sitze müssen nach vorne geschoben werden). Für uns als Feuerwehr bringt diese Tatsache beim Transport von sperrigen Gütern auch entsprechende Vorteile.



Die Ausrüstung entspricht der Baurichtline RA-00L des österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes und wurde in bestimmten Bereichen an unsere Bedürfnisse angepasst und erweitert. Sämtliche Gerätschaften sind so gelagert, dass sie im Einsatzfall von den Mitgliedern - sofern notwendig - bereits bei der Anfahrt entnommen werden können. So befindet sich zwischen Fahrer und Beifahrersitz das Handfunkgerät für den Einsatzleiter und die entsprechenden Kennzeichnungswesten. Im Mannschaftsraum findet sich eine umfangreiche Erste Hilfe Ausrüstung, Warnwesten für die gesamte Besatzung, sowie Anhältestäbe und Triopan zur Verkehrsweg-Absicherung. Somit ist gewährleistet, dass bei einer Einsatzfahrt die wichtigsten Ausrüstungen bereits während der Anfahrt entnommen werden können.

Im Heck wurde von unseren Mitgliedern selbst, die Ausrüstung entsprechend eingebaut. Einerseits wurde dabei auf eine einfache Entnahme geachtet, andererseits auch auf die Platzbedürfnisse für den Rollstuhltransport. Die Ausrüstung wurde speziell für unsere Anforderungen erweitert, um bei Einsätzen in der Erstphase enstprechend Hilfe leisten zu können. Somit ist eine breite Abdeckung an Anwendungsfällen gewährleistet. Neben den Geräten zur Verkehrswegsicherung und einer umfassenden Erste-Hilfe Ausrüstung verfügt das Fahrzeug über einen Erstangriffskoffer-Verkehrsunfall, eine faltbare Notfallwanne, Schaum- und Pulverlöscher sowie entsprechenden Unterlagen zur Einsatzführung. Diese Ausrüstung wurde speziell für die Erstphase von Personenrettungen und Verkehrsunfällen ausgelegt.

Darüber hinaus ist eine Teleskopleiter, Feuerwehrgurt, Sicherungsset, Rettungsleine und eine Wathose an Board. Diese Ausrüstungsgegenstände ermöglichen Personenrettungen aus dem ersten Stock, dienen aber auch zur sicheren Lagererkundung bzw. garantieren, dass ein Feuerwehr-Ersthelfer zu einer verletzten Person - beispielsweise auch in Bächen - geschützt und sicher vordringen kann. Diese möglichen Anwendung leiten sich alle von ähnlichen Einsätzen bzw. Übungen in den vergangenen Jahren ab.



In Summe ist das über 50.000 Euro teure Einsatzfahrzeug ein Rundum-Sicherheitspaket - nicht nur für die Feuerwehr. Die erstmalige Kooperation von Rotem Kreuz und Feuerwehr in so einem Bereich zeigt, dass wir die Türen für innovative und kostengünstige Projekte offen halten!

Bilder: FF Maria Neustift

FF Maria Neustift
[url=http://ooe.orf.at/stories/522840]Bericht ORF Oö[/url]



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