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15. Oktober 2021 13:39
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Gebäudebrände mit Todesfolge → Rauchmelder könnten Zahlen um bis zu einem Drittel senken

Eine detaillierte Auswertung der Österreichischen Brandverhütungsstellen über die bundesweite Zahl der Brandtoten erbringt wenig erfreuliche Ergebnisse aber wichtige Ansatzpunkte für die Prävention. Die Gefahr, bei einem Brand das Leben zu verlieren, ist für ältere Menschen wesentlich höher als für jüngere Generationen. Durch die Alterung der Gesellschaft ist damit zu rechnen, dass auf den Vorbeugenden Brandschutz große Herausforderungen zukommen, wenn die im internationalen Vergleich recht niedrige Kennzahl von 5,5 Brandtoten pro Jahr und einer Million Einwohner auf tiefem Niveau gehalten werden soll. Übrigens: Jedes dritte Todesopfer im Zuge eines Gebäudebrandes könnte mittels Rauchwarnmelder verhindert werden.

Der typische Brandtote in Österreich gehört der älteren Generation an – er ist 74 Jahre alt (Medianwert), ist männlich, stirbt nicht an Hautverbrennungen, sondern an einer Rauchgasvergiftung, dies vornehmlich in den Wintermonaten, nachts und in einem Wohnhaus bzw. einer Privatwohnung. Diese stark vereinfachte Zusammenfassung erhebt zwar keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, gibt aber Auskunft über die wichtigsten Risikofaktoren. Nachfolgend die wichtigsten Ergebnisse einer Langfristauswertung, die von den österreichischen Brandverhütungsstellen vorgenommen wurde und sich auf den 15-Jahres-Zeitraum 2006 bis einschließlich 2020 bezieht.

Hohes Sicherheitsniveau im internationalen Vergleich

Im langjährigen Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2020 verlieren jährlich 47 Menschen bei Gebäudebränden ihr Leben. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl Österreichs bedeutet dies den langjährigen Durchschnitt von jährlich 5,5 Todesopfer pro 1 Mio. Einwohner und einen Wert, der sich im internationalen Vergleich relativ niedrig ausnimmt – in Finnland liegt er bei 15 Brandtoten pro einer Million Einwohner, in Schweden bei 13, in Ungarn bei 12 und in den USA bei 10 Todesopfern pro einer Million Einwohner. „Diese Vergleichszahlen untermauern das sehr hohe Brandschutz- und Sicherheitsniveau, das in Österreich vorherrscht“, erklärt dazu Bundesfeuerwehrrat Ing. Martin Mittnecker, Leiter der Brandverhütungsstelle im Burgenländischen Landesfeuerwehrverband.

Auch im Vergleich mit anderen Lebensbereichen ist das Risiko, bei einem Gebäudebrand das Leben zu verlieren, als relativ niedrig einzustufen: Im langjährigen Schnitt verlieren pro Jahr und einer Million Einwohner bei Straßenverkehrsunfällen mit PKW 30, mit einspurigen Kraftfahrzeugen 12, bei Fußgängerunfällen 10 und bei Radfahrunfällen 5 Menschen ihr Leben. Auf Arbeitsunfälle im engeren Sinn entfallen 19, auf Wandern bzw. Bergsteigen 12, auf Treppenstürze 7 sowie auf Mord und Totschlag durchschnittlich 6 Tote pro Jahr und einer Million Einwohner. Aus der Langfristauswertung lässt sich zudem ablesen, dass durchschnittlich „nur“ 1,1 Tote pro Gebäudebrand mit Todesfolge zu beklagen sind: In 94,9 Prozent der Fälle handelt es sich um ein Todesopfer, in nur 4,3 Prozent der Fälle verlieren zwei Menschen ihr Leben und in 0,8 Prozent der Fälle sterben mehr als zwei Menschen bei einem Gebäudebrand. Ereignisse mit mehreren Toten sind demnach in Österreich äußerst selten.

Höheres Todesfallrisiko für Männer

Welche Menschen sind nun also am häufigsten betroffen? „Laut unserer Langfristauswertung haben Männer ein höheres Todesfallrisiko bei Gebäudebränden als Frauen“, erläutert dazu Ing. Martin Mittnecker: „Sie haben einen Anteil von 49 Prozent an der Wohnbevölkerung und sind beim Anteil der Todesopfer bei Gebäudebränden mit 56 Prozent überrepräsentiert.“

Hinsichtlich des Alters ergibt sich folgende Typologisierung: der Medianwert aller Brandtoten infolge eines Gebäudebrandes lag im Jahr 2020 bei 74 Jahren (langjähriger Median: 65 Jahre), jener der männlichen Todesopfer bei 68,5 Jahren (langjähriger Median: 58,9 Jahre) und bei den Frauen bei 79,5 Jahren (langjähriger Median: 72,7 Jahre). Betrachtet man die Gruppe der älteren Personen (65 plus), so liegt der Median unter den männlichen Todesopfern bei 79,5 Jahren und unter den weiblichen Opfern bei 83 Jahren.

Brandtote nach Altersgruppen und Bevölkerungsvergleich in Prozent (Mittelwert 2006 bis 2020).

Diese Auswertung ist insofern interessant, als sich daraus eine signifikant höhere Gefährdung der Altersgruppe „ab 65 Jahre“ ablesen lässt: Bei einem Anteil von 18 Prozent an der Gesamtbevölkerung (Mittelwert 2006 bis 2020) nimmt sie mehr als die Hälfte (51,6 Prozent) aller Brandtoten bei Gebäudebränden ein. Zum Vergleich: Die Altersgruppe der 15- bis 64-Jährigen beträgt 67,3 Prozent der österreichischen Bevölkerung, sie stellt aber lediglich 46,4 Prozent der Todesopfer bei Gebäudebränden. Der Rest entfällt auf Kinder unter 14 Jahren (14,7 Prozent der Bevölkerung, 2 Prozent der Todesopfer bei Gebäudebränden).

Höhere Gefährdung während der Nachtstunden

Deutliche Unterschiede in der Gefährdung sind im Hinblick auf die Tageszeit festzustellen. Zwar entfallen laut Langfristauswertung der Österreichischen Brandverhütungsstellen 52 Prozent der Brandtoten auf Gebäudebrände, die tagsüber von 06.00 Uhr bis 22.00 Uhr entstehen und 39 Prozent auf nächtliche Brandgeschehen zwischen 22.00 Uhr und 06.00 Uhr (bei 9 Prozent der Brände bleibt die Ausbruchszeit des Brandes unbekannt), doch ist in dieser Betrachtung der Zeitraum mit 8 Stunden nur halb so lange wie jener der Tageszeit mit 16 Stunden definiert. Die Gefahr, bei einem Gebäudebrand das Leben zu verlieren, ist also in der Nacht noch höher als tagsüber. Im Hinblick auf die Jahreszeit zeigt sich vor allem für die Wintermonate eine besondere Gefährdung. Während auf die Monate Juni bis Oktober jeweils etwa 5 Prozent der Brandtoten entfallen, liegt der Prozentsatz im Dezember bei 14,4 Prozent, im Jänner bei 15 und im Februar bei 13 Prozent.

Verteilung der Brandtoten nach Monaten in Prozent (Mittelwert 2006 bis 2020).

Dass bei Gebäudebränden mit Todesfolge häufig Unvorsichtigkeit und Vergesslichkeit, weniger jedoch technische Probleme im Vordergrund stehen, lässt sich aus der Auswertung der wichtigsten Zündquellen schließen: 38 Prozent aller Gebäudebrände mit Todesfolge sind auf Rauchzeug zurückzuführen, 12 Prozent auf Feuerstätten und Öfen und 11 Prozent auf Herde, aber lediglich 8 Prozent auf Elektrogeräte und Elektroinstallationen. Dementsprechend hoch ist mit 71 Prozent auch der Anteil jener Todesopfer, die auf Rauchgasvergiftung als Todesursache zurückzuführen sind; lediglich 17 Prozent erliegen Hautverbrennungen bzw. der direkten Einwirkung von Flammen, bei 12 Prozent der Opfer ist die Todesursache nicht eindeutig zuzuordnen.

Demographie erhöht Herausforderungen an den Brandschutz

„Viele der in der vorliegenden Langfristanalyse enthaltenen Zahlen und Vergleiche zeigen, dass im österreichischen Brandschutzwesen sehr gute Arbeit geleistet wurde und wird“, betont der Leiter der Brandverhütungsstelle im Burgenländischen Landesfeuerwehrverband, Ing. Martin Mittnecker. Die Zahl der Brandtoten in Österreich konnte in den letzten 15 Jahren konstant niedrig gehalten werden und das Ziel lautet, sie noch weiter zu senken. Doch die Tatsache, dass das Todesfallrisiko infolge eines Gebäudebrandes für ältere Menschen ungleich höher ist als für jüngere Generationen, lässt die Herausforderungen an den Vorbeugenden Brandschutz steigen: „Die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen in Österreich steigt und auch die Gruppe der Älteren wird kontinuierlich größer. Auf die Alterung unserer Gesellschaft gilt es, auch im Bereich des Vorbeugenden Brandschutzes entsprechend zu reagieren, wenn wir die Zahl der Brandtoten auf dem aktuell niedrigen Niveau halten wollen.“ Die BVS-Brandverhütungsstelle für OÖ hat daher für die Österreichischen Brandverhütungsstellen bereits Initiativen gesetzt und beispielsweise die gemeinsame Informationsarbeit mit dem Seniorenbund intensiviert.

Rauchwarnmelder können Leben retten

Eine weitere Maßnahme zur Steigerung des Sicherheitsniveaus besteht auch in der Bewusstseinsbildung, dass sogenannte „Rauchwarnmelder“ nicht nur sehr effektive, sondern auch sehr kostengünstige Lebensretter sein können. Dies lässt sich ebenfalls aus der Langfristanalyse ableiten. Vergleicht man etwa die Zahl der Brandtoten mit jener der „verhinderbaren Brandtoten“, so wird klar, dass mehr als ein Drittel aller Menschen, die im Zuge eines Gebäudebrandes ihr Leben verlieren, durch die Anbringung eines funktionierenden Rauchwarnmelders gerettet werden könnten. Für Ing. Martin Mittnecker steht daher fest, dass jeder Haushalt – und insbesondere jeder Seniorenhaushalt – mit dieser schon um wenige Euro erhältlichen „Lebensversicherung“ ausgestattet sein sollte: „Ein Rauchwarnmelder kann zwar die Brandentstehung nicht verhindern, er sorgt aber mit einem lauten Warnton dafür, dass die Gefahr rechtzeitig erkannt wird – lange bevor ein Raum in Vollbrand steht. Die frühzeitige Alarmierung durch den Rauchwarnmelder verschafft jenen Zeitvorsprung, den man benötigt, um sich selbst und andere Mitbewohner aus dem Gefahrenbereich zu retten!“

Brandtote pro Million Einwohner in Österreich.

Wissenswertes über Rauchwarnmelder

  • Rauchwarnmelder funktionieren foto-optisch. Sobald genügend Rauchpartikel in das Innere des Melders geraten, wird ein Signalton ausgelöst. Mit rund 85 Dezibel ist er laut genug, um jeden Schlafenden zu wecken und vor der drohenden Gefahr zu warnen. Zigarettenrauch und brennende Kerzen lösen bei üblichem Gebrauch keinen Alarm aus.
  • Idealerweise sind in allen Aufenthaltsräumen von Wohnungen, sowie Gängen über die Fluchtwege führen, unvernetzte Rauchwarnmelder zu installieren. (Dies ist bei Neubauten ab Juli 2008 u.a. im Burgenland verpflichtend).
  • Rauchwarnmelder benötigen keine Verkabelung. Sie sollten immer in Deckennähe angebracht werden; dabei ist die Montageanleitung des Herstellers zu beachten. Im Badezimmer und unmittelbar über einer Kochstelle sollten Sie nicht montiert werden, die Dampfentwicklung könnte Täuschungsalarme auslösen.
  • Der Rauchwarnmelder muss ein CE-Zeichen (geprüft nach EN 14604) und idealerweise auch das neue Qualitätszeichen „Q“ für erhöhte Anforderungen aufweisen.
  • Der Prüfknopf sollte regelmäßig (etwa einmal pro Quartal) gedrückt werden. Die Batterien, mit denen sie betrieben werden, sollten bei herkömmlichen Rauchwarnmeldern alle ein bis zwei Jahre gewechselt werden. Hochwertige moderne Rauchmelder haben eine Batterielebensdauer von bis zu zehn Jahren. Akustische Signale melden eine Batterieschwäche.

Brandverhütungsstelle im Burgenländischen Landesfeuerwehrverband, 15. Oktober 2021