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Nepal und die vergessene Feuerwehr


Ein Bericht von Alois Eder

Ing. Alois Eder – vormals Mitglied der Freiw. Feuerwehr St. Leonhard bei Freistadt – lebt aufgrund einer beruflichen Herausforderung seit mehr als zwei Jahren am Dach der Welt. Ein Brand in einer wichtigen Kulturstätte in Kathmandu veranlasste ihn, das Feuerwehrwesen vor Ort unter die Lupe zu nehmen. Nun berichtet er darüber – über Nepal und die vergessene Feuerwehr!


Ein Teil der Fahrzeuge steht im ausrangierten Zustand vor der Wache, während das eine oder andere Fahrzeug noch betriebsbereit ist. Mehr oder weniger.


[color=red]Dieser Artikel erschien 2010 im Feuewehrmagazin BRENNPUNKT. Da es immer wieder Anfragen zum Projekt von Herrn Eder gibt (siehe am Ende des Artikels), stellt Fireworld.at den Beitrag mit freundlicher Genehmigung vom Brennpunkt nun per Dezember 2012 hier auch zur Verfügung.[/color]

Mitte März 2009 konnte man in den heimischen Zeitungen lesen, dass es in einem der ältesten und berühmtesten buddhistischen Tempel (14. Jhdt.) von Kathmandu gebrannt hat und dabei viele unersetzliche Kulturgüter zerstört wurden. Die Feuerwehr konnte den Brand aber innerhalb kurzer Zeit unter Kontrolle bringen und das Bauwerk vor der Zerstörung bewahren.


Im Bild links der oberste Feuerwehr-Chef mit einem diensthabenden Feuerwehrmann. Nicht fehlen darf auch eine Ausgabe des Brennpunkt.

Alarmläuten durch Wächter
In diesem Fall hat sich der Brauch bewährt, dass solche Bauten auch bei Nacht von einem Wächter besetzt sind. Als dieser gegen Mitternacht den Brand bemerkte, läutete er wie ein Wilder die Tempelglocke, sodass die Nachbarn wach wurden und die Feuerwehr alarmierten. Diese Meldung erinnerte mich ein wenig an Erzählungen, dass man in früherer Zeit auch in Österreich im Falle eines Feuers den Mesner aus dem Bett holte, damit er mit Gehilfen die Kirchenglocken zum Zwecke der Alarmierung läutete.
Die einleitend erwähnte Zeitungsmeldung veranlasste mich jedenfalls, das hiesige Feuerwehrwesen einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Eigentlich wollte ich mich schon früher damit befassen, weil ich in unmittelbarer Nähe der Feuerwache von Lalitpur (dem südlichen Stadtteil von Kathmandu) wohne und oftmals mit Staunen die musealen Geraetschaften beäugte.

Zwei Wachen für 2,5 Mio. Einwohner
Man kann immer wieder lesen, dass ein österreichischer Feuerwehrausstatter seine Produkte in alle Welt exportiert. Da sollte man meinen, dass das Feuerwehrwesen auf dem gesamten Planeten von einiger Qualität sein müsse. Solche Irrtümer können aber auch nur im Kopf eines Europäers gedeihen ...


Ein Blick auf die Feuerwache.

In Kathmandu (ist eigentlich ein Doppelstadt wie Linz und Urfahr, nur heißen sie da Kantipur und Lalitpur) gibt es bei ca. 2,5 Millionen Einwohnern gerade einmal zwei Feuerwachen. Aber nicht deswegen, weil ein Rechnungshof so wie in Oberösterreich festgestellt hätte, dass es zu viele Kleinwehren gäbe und daher zentralisiert werden müsse. Es wird der Sache einfach keine Bedeutung beigemessen und dafür auch kein Geld ausgegeben.

Winzige Bude für obersten Brandwächter
Das Geld für die Feuerwehr Luxus ist, wird bereits augenscheinlich, wenn man den obersten Brandwächter der Stadt in seinem Büro aufsucht. Dieser sehr gebildete und umgängliche Mann „residiert“ in einem baufälligen Haus in einer winzig kleinen Bude, deren Möblierung wahrscheinlich nur durch Zufall der letzten Sperrmüllsammlung entgangen ist. Dieser Kommandant befehligt also zwei Löschgruppen in den vorgenannten Stadtteilen. In Laliptur sind von der 14 Mann starken Truppe tagsüber bis zu sechs Mann einsatzbereit. In Kantipur ist es ähnlich, wie mir erzählt wurde.


Ausstattung in der Mannschaftskabine.

2-Mann-Nachtschicht alarmiert per Dennis-Löschwagen
Bei Nacht sind es zwei Mann. Wenn ein Feueralarm hereinkommt, dann werden zusätzliche Männer alarmiert. Das geschieht in der Form, dass an einem vorhandenen Dennis – Löschwagen aus den frühen 1950er Jahren die Glocke ausgiebig geläutet wird. Die festen Mitglieder der Feuerwache wohnen ohnehin im gleichen Gebäude und zahlreiche Nachbarn arbeiten ebenfalls mit, wenn es notwendig ist. So wird also in kurzer Zeit eine Mannschaft aufgestellt, die dann ausrückt. Und das ist sehenswert.


Ein Dennis aus den frühen 1950er Jahren. Die Glocke vorne wird zum Alarmieren der Kräfte während der 2-Mann-Nachtschicht verwendet. Unten die Einbaupumpe des Fahrzeuges.

Barfuß mit Blechtopf als Helm im Einsatz
Eine Einsatzbekleidung in unserem Sinne gibt es nicht. Die Leute sind in ihren Zivilklamotten unterwegs. Nachdem es hier so gut wie nie kalt ist, sind sie meist barfuß in Sandalen auf Tour. Die Helme sind Blechtöpfe wie sie bei uns in früherer Zeit in den Industriebetrieben zu sehen waren. Es gibt auch so etwas wie eine Sicherungsleine. Damit würde ein verantwortungsvoller Landwirt aber nicht einmal mehr eine Ziege anbinden.

Museumsreifer Fuhrpark
Der vorhandene Fuhrpark ist ebenso sehenswert: Im Hof stehen drei ausrangierte Fahrzeuge. Da sind einmal ein Jeep und ein Dodge. Dann noch ein russischer Tankwagen. In den Garagen stehen zwei Magirus Deutz, die in den Sechzigern von den Deutschen gespendet wurden. Davon ist einer seit drei Jahren wegen Motorschadens außer Betrieb. Diese beiden Magirus verfügen jeweils über einen 2.500 Liter Tank.


Geräteschulungen in unserem Stil sind nicht unbedingt erforderlich. Dafür befinden sich auf den Fahrzeugen einfach zu wenig Geräte bis kaum eine Ausrüstung.

Brüchiger Schlauch auf HD-Haspel: Auf der HD-Haspel ist ein brüchiger Gummischlauch zu finden. Das macht aber nichts, weil er sowieso keinem besonderen Druck mehr standhalten muss. Das Strahlrohr ist nämlich irgendwann einmal abhanden gekommen, sodass nur mehr mit dem offenen Ende des Schlauches gespritzt werden kann. Wahrscheinlich wird man im Einsatzfalle mit dem Daumen so wie bei einem Gartenschlauch einen Wasserstrahl produzieren.
Dennis mit Blutdruckstarter: Weiters gibt es noch den bereits erwähnten Dennis. Das ist noch ein richtiges Cabrio wie man es aus alten amerikanischen Filmen kennt. Dieses Museumsstück hat sogar einen Elektrostarter, der allerdings auch nicht funktioniert, sodass man ihn mit dem Blutdruckstarter (Kurbel) anwerfen muss. Das Gefährt verfügt allerdings am Heck über eine sehr gute Pumpe, wie mir versichert wurde. Aufgrund der dicken Staubschicht ist anzunehmen, dass das gute Stück jedoch schon lange nicht mehr gelaufen ist.


Es gibt gar auch eine Pumpe samt Hochdruckschlauch. Recht viel scheint der Schlauch zwar nicht mehr auszuhalten, muss er aber gar nicht: Das Strahlrohr ist abhanden gekommen. Nun arbeitet man wie mit dem Finger am Gartenschlauch.

Tankwagen mit „Studentenwaschanlage“: Bei der zweiten Feuerwache (in Kantipur) haben sie zwei einsatzbereite Magirus und einen chinesischen Tankwagen mit 10.000 Liter samt großkalibrigem Wasserwerfer am Dach. Dieser Tanker hat steinschlagsichere, vergitterte Fenster. Der Grund: Er wird häufig von der Polizei bei Demonstrationen als „Studentenwaschmaschine“ beansprucht wird.


Busfahrt am Dach der Welt.

Gähnende Leere in den Geräteräumen: Wenn in Österreich ein Kamerad in einem Technik-Kurs lernen muss, wo welche Ausrüstungsgegenstände in einem Fahrzeug verstaut sind, dann wäre eine derartige Ausbildung bei diesen Fahrzeugen hier entbehrlich. In den Stauräumen hier herrscht nämlich gähnende Leere! Es gibt lediglich fünf Strahlrohre, ein Schaumrohr und zwei Kanister mit Schaummittel. Das vorhandene Schlauchmaterial reicht vielleicht für 200 Meter und wäre bei uns schon vor 20 Jahren weggeschmissen worden. Die Saugschläuche sind ebenfalls in einem erbarmenswürdigen Zustand. Einen Pulverlöscher oder Ähnliches habe ich überhaupt nicht gesehen. Genauso wenig wie eine einfache Atemschutzausrüstung.
Kraftakt bei der TS: Die Tragkraftspritze ist ein Modell unbestimmbaren Alters und ebensolcher Herkunft. Es war erstaunlich, dass sie beim ersten Startversuch (mit Kurbel) sofort angesprungen ist. Dieses gute Stück verdient die Bezeichnung Trag“kraft“Spritze wirklich: Für deren Transport sind tatsächlich vier kräftige Männer notwendig. Da ist unsere FOX ja geradezu ein richtiges Leichtgewicht.
Für einen Europäer ist es absolut erstaunlich, dass man mit solchem Material überhaupt noch effizient arbeiten kann.


Der Blick in das Heck einer der Tanklöschfahrzeuge offenbart eine Magirus-Pumpe.

Türen zu und warten, bis das Feuer ausgeht
Die Einsatzhäufigkeit hält sich allerdings in Grenzen, weil die Bauweise der Häuser für ein Feuer sowieso wenig Angriffsflächen bietet. Nur die wenigsten Bauten verfügen über einen Kamin, weil es keine Raumheizungen gibt und normalerweise mit Kerosin oder Gas gekocht wird. Wer auf offenem Feuer kochen muss, weil er kein Geld für Brennstoffe hat, tut das ohnehin im Freien. Die meisten Häuser haben nur ein Flachdach und die wenigen Giebeldächer sind Stahlrohrkonstruktionen mit Wellblechdeckung. Holzdachstühle sind eigentlich unbekannt. Bei Zimmerbränden, die relativ häufig sein dürften, verfährt man mit einer einfachen Technik: Alle Türen zumachen und warten, ob das Feuer von selbst wieder ausgeht. Wenn allerdings die Fenster platzen, kann man den Löschangriff durch die Selbigen vornehmen.


Ein Blick auf die wunderschönen Seiten des Landes.

Kein Innenangriff: Das funktioniert aber nur bis zum zweiten Stock, weil es keine längeren Leitern gibt und ein Innenangriff mangels Atemschutz und tauglicher Einsatzmittel nicht möglich ist. In höheren Gebäuden ist ein Brand ganz einfach ein Schicksal, mit welchem man sich abfinden muss.

Zusammenfassung
Wenn man als Österreicher sieht, mit welchen Mitteln und unter welchen Bedingungen diese Kameraden (und ich sehe sie absolut als solche) arbeiten müssen, dann bekommt man unwillkürlich ein schlechtes Gewissen, wenn man daran denkt, was bei uns fortgeschmissen wird, weil es nicht mehr dem letzten Stand der Technik entspricht. Ob es nun Einsatzkleidung, Stiefel, Helme, Schlauchmaterial oder Sonstwas ist, alles könnte hier gebraucht werden. Wären da nicht die hohen Transportkosten, ich würde meine österreichischen Kameraden ersuchen, das viele ausgemusterte Material zu sammeln, auf Paletten oder in einen Container zu verpacken und hierher zu schicken. Ich bin sicher, unsere Kameraden in Nepal würden denken, Dasain und Tihar (das sind die Feste, wo man sich Geschenke macht) sei ob solcher Geschenkflut zusammengefallen.

Autor Alois Eder bei Sonnenenergie-Entwicklungsprojekt
Der Autor lebt und arbeitet nunmehr seit zwei Jahren (Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im Brennpunkt 2010) in Nepal an einem langfristig angelegten Entwicklungsprojekt zur Nutzung der reichlich vorhandenen Sonnenenergie. Schließlich liegt Nepal auf der selben geografischen Breite wie die Halbinsel Sinai. Es werden hauptsächlich Solarkocher produziert, die der Bevölkerung in den baumlosen Hochtälern der Himalayas zur Verfügung gestellt werden, die sich damit pro Jahr bis zu 4.000 kg mühsam gesammeltes Holz ersparen. Auch Rindermist wandert in die Feuerstätten. Die Leute können sich diese er aber nicht kaufen, weil der Preis in etwa einem Jahreseinkommen (300 Euro) entspricht.


Der Autor des Artikels: Ing. Alois Eder aus Oberösterreich

Der Trägerverein „Solar Power Nepal“ ist daher auf Spenden angewiesen. Den Sponsoren kann allerdings ein verlockendes Angebot gemacht werden: Wer mindestens einen Solarkocher finanziert, kann bei der Montage derselben dabei sein und damit Land und Leute wirklich kennen lernen (natürlich sind wir für jede noch so kleine Spende auch dankbar). Bei derartigen „Solartrekks“ muss man sich allerdings von der Vorstellung verabschieden, jeden Abend eine warme Dusche oder ein Restaurant vorzufinden. Diese Solartrekks verursachen für den Teilnehmer aber auch nur minimale Kosten (max. 15 Euro pro Tag). Wenn der Nepal-Besucher aber vielleicht auch noch das Everest-Base-Camp besuchen, einen Fünf- oder Sechstausender besteigen oder eine Raftingtour machen möchte, dann gibt es hier eine Trekkingagentur, die von einem gebürtigen Niederbayern aus Simbach geleitet wird und der mit Vorliebe bayerische und österreichische Gäste auf ihren Wegen in den Himalayas betreut.
Kontakt: Über jede Nachricht und Anfragen aus der Heimat freut sich Euer Ing. Alois Eder, vormals HLM bei der FF St. Leonhard bei Freistadt in Oberösterreich. E-Mail: solarpower.nepal@yahoo.de

Feuerwehrmagazin Brennpunkt
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Aufmacher-Seite im Feuerwehrmagazin Brennpunkt, Heft 3/2010

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