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Leser unterwegs - Tansania

Fireworld - Leser unterwegs
Feuerbekämpfung auf afrikanische Weise

Staatliche und Private Feuerwehren in Tansania, Ost Afrika am Beispiel der Stadt Dar-es-Salaam. Autor: Timothy Papke

Der nachfolgende Beitrag bringt Ihnen das Feuerwehrwesen in Tansania etwas näher und zeigt Ihnen, wie fernab unseres Systems die Arbeit der Feuerwehr aussieht. Bemerkenswert ist auch, dass die Berufsfeuerwehr zunehmend von einem privaten Dienst "abgelöst" wird - die Bezahlung von Einsätzen ist jedoch eine andere Sache...


Vorstellung des Feuerwehrwesens in Tansania

Tansania:
Tansania ist vielen als Urlaubsland in Ost Afrika bekannt. Gelegen am Indischen Ozean mit Grenzen zu Kenia, Uganda, Ruanda, Burundi, der Demokratischen Rebublik Kongo, Zambia, Malawi und Mocambique. Die Attraktionen sind der Victoria See, Kilimanjaro, die Insel Sansibar und diverse Nationalparks (Serengeti),um nur einige zu nennen. Tansania hat eine faszinierende Vergangenheit: Das exotische Sansibar, die frühen Entdecker und die Kolonialzeit unter Deutschen und Engländern. Tansania erlangte seine Unabhängigkeit 1961 mit Julius Nyerere als ersten Präsidenten. Das Land hat eine Fläche von 945.087 km², mit Dodoma als offizieller Hauptstadt und Dar-es-Salaam als Sitz der Regierung. Tansania ist ein sogenanntes "Dritte Welt Land".

Dar-es-Salaam:
Der Name Dar-es-Salaam kommt aus dem Arabischen und kann sehr frei als "Zuflucht des Friedens"übersetzt werden. Die Hafenstadt liegt am Indischen Ozean. Viele Gebäude stammen noch aus der Deutschen und Englischen Kolonialzeit.
Fakten der Stadt: 90 km², 4 Millionen Einwohner, Hochseehafen, Nationaler und Internationaler Flugplatz.

Viele Stadtviertel haben keine zentrale Wasserversorgung. Im gesamten Stadtgebiet gibt es 14 funktionierende Hydranten, von denen jedoch nur zwei (!) einen Druck von mehr als vier Bar abgeben. Somit ist verständlich, dass eines der größten Probleme bei der Brandbekämpfung die Löschwasserversorgung ist.


Ein nahezu alltägliches Szenario

Es gibt 3 staatliche Feuerwehren:
(1) Flughafenfeuerwehr (untersteht der Flughafen Behörde)
(2) Hafenfeuerwehr (untersteht der Hafen Behörde)
(3) Berufsfeuerwehr der Stadt (untersteht dem Innenministerium).

Erschreckend desolater Zustand
Es wurde hier eine strikte Trennung durchgeführt. Die Wehren verlassen nur selten Ihr Einsatzgebiet, um Ihren Kollegen zu helfen. Angemerkt sei, dass sich alle Feuerwehren - an internationalen Standard gemessen - in einem erschreckend desolaten Zustand befinden. Den Wehren für Flugplatz und Hafen stehen mehr finanzielle Mittel zur Verfügung, deshalb können sie mit etwas besseren Fahrzeugen und Ausrüstung arbeiten. Im Gegensatz hierzu steht die Berufsfeuerwehr der Stadt, die trotz jahrelanger Klagen nur geringe finanzielle Mittel, Unterstützung der Regierung und Training erhalten hat. Eine Modernisierung der Feuerwehr wird seit Jahren diskutiert, aber aus verschiedensten Gründen passiert seitens der Verantwortlichen nichts.
Selbst ein in Europa nicht wegzudenkendes zentrales Notrufsystem (112) ist fast nicht existent. Des weiteren gibt es keine zentrale Leitstelle für Großeinsätze, die die wenigen vorhandenen Ressourcen koordiniert. Hier wurde nicht aus Fehlern in der Vergangenheit gelernt (z.B. Bombenattentat auf die amerikanische Botschaft hier in Dar-es-Salaam im August 1998).


Die Feuerwehr im Training

Polizeischutz für Feuerwehr
Der Berufsfeuerwehr (Stadt) unterstehen zwei (!) TLF-6000 auf Scania Fahrgestellen (Baujahr 1992 und 1993) von ehemals sechs, wobei vier als Ersatzteilträger ausgeschlachtet worden sind und eine hydraulische Plattform auf Bedford. Alle Fahrzeuge befinden sich aufgrund der häufigen Einsätze und fehlender Reparaturen in einem katastrophalen Zustand. Fehlende Windschutzscheiben, defekte Scheinwerfer und Signaleinrichtungen, Achsbrüche und weitere Pannen sind keine Seltenheit.
Den Feuerwehrkameraden stehen fast keine Schutzbekleidung und keine Kommunikationsmittel (VHF-Funk) zur Verfügung. Vorhandene Ausrüstung verschwindet oder wird gestohlen. Atemschutzgeräte, hydraulische Rettungsscheren, modernes Beleuchtungsmaterial und anderes in Europa selbst bei einer kleinen Wehr zu findendes Gerät sind hier Fremdworte.
Ein eher trauriges als belustigendes Phänomen ist, dass jeder Brandeinsatz von der Polizei unter Bewaffnung (AK 47) begleitet wird, um Plünderungen, Diebstähle und Übergriffe auf die Einsatzkräfte zu verhindern (ein afrikanisches Problem?!).

Knight Support Fire & Rescue -Die private Initiative
Im April 1999 wurde die Firma Knight Support (T) Ltd. gegründet und hat sich zu einem der führenden Sicherheitsunternehmen in Tansania entwickelt. Durch die maroden Zustände im Rettungs- und Feuerbekämpfungswesen wurde seitens der Regierung ein Gesetz erlassen, welches privaten Unternehmen ermöglicht, diese Dienste anzubieten. Um die Marktposition des Unternehmens weiter auszubauen, wurde bei der Firma Knight Support die Idee geboren, für bestehende Sicherheitskunden einen Notarztdienst mit Rettungswagen und eine professionelle Berufsfeuerwehr zu etablieren.


Szenario eines Feuerwehreinsatzes in der Stadt.

Neue Fahrzeuge erhalten
Daraufhin wurde Ende 1999 zunächst der erste Notarztwagen in Dienst gestellt. Das Fahrzeug beinhaltet alle in Europa gängigen Ausrüstungsgegenstände zur Rettung und Wiederbelebung (Anm.: auch einen von vier Defibrillatoren in ganz Tansania). Die Besatzung besteht aus einem Arzt, zwei Rettungsassistenten und dem Fahrer.
Am 01. Mai 2001 wurden vier TLF-1800-200 in Dienst gestellt (je 5 Mann Besatzung). Es handelt sich hierbei um Mercedes Benz 1222F mit Polyma Aufbauten. Diese Fahrzeuge wurden gebraucht in England gekauft, nach Tansania verschifft und hier technisch aufgearbeitet und neu lackiert. Die Fahrzeuge verfügen über eine gesunde Grundausstattung an Gerätschaften und Ausrüstung.
Im September 2001 bereicherte ein Mercedes Benz 300GD (4x4) die Flotte. Dieses Fahrzeug ist als Kommandofahrzeug und Minirüstfahrzeug ausgestattet.
Im Dezember 2001 wurde die ebenfalls aus England stammende DL-30 (Dennis Fahrgestell) seiner Bestimmung übergeben (3 Mann Besatzung). Des weiteren stehen der Firma mehrere Wassertankfahrzeuge (9000l - 15000l), ein Bergefahrzeug und diverse Lastfahrzeuge zur Verfügung, die dem Rettungs- oder Brandeinsatzes entsprechend zur Unterstützung gerufen werden.
Zur Vervollständigung der Flotte wird momentan ein MAN KAT1 (wie SLKW vom ÖBH) aus ehemaligen Bundeswehrbeständen zu einem UTLFA-6000-400-200 umgebaut. Inzwischen arbeiten über 100 Personen im Bereich Feuer und Rettung.


Feuerwehrkräfte retten eine Person.

Funkkontakt
Sämtliche Fahrzeuge verfügen über VHF (Duplex) Kommunikation und stehen im ständigen Funkkontakt mit der Knight Support Leitzentrale. Diese Leitzentrale ist 24 Stunden besetzt und mit modernen Funkanlagen und Computern ausgerüstet. Sämtliche Einsätze werden von hier koordiniert. Für Firmenkunden wurden Notrufnummern (Festnetz und Mobiltelefonnetz) eingerichtet. Automatische und manuelle Brandmelder, die im Brandfall Funksignale an die Leitzentrale weitergeben, wurden in Privathäuser, Fabriken bis hin zu Mineralöldepots installiert.

Unvorhersehbare Entwicklung
In den letzten Monaten sind die Einsatzzahlen für diese private Berufswehr dramatisch angestiegen, wobei nur wenige von registrierten Kunden kamen. Bei fast 80 Prozent der Notrufe handelte es sich um Hilfeleistungen für Regierung, Polizei und Privatpersonen. Diese Einsätze variierten von Hilfeleistungen bei Verkehrsunfällen über Leichenbergungen bis hin zu Großbränden. Diese Entwicklung konnte nicht hervorgesehen werden und stellte den privaten Service vor neue Herausforderungen. Bei der Bezahlung der Einsätze für Nichtkunden kommt es häufig zu Schwierigkeiten. Kaum jemand kann oder will sich eine Brandschutzversicherung leisten (selbst Regierungsfahrzeuge bzw.Gebäude verfügen über keinerlei Versicherungen).


Auch nachts werden Übungen abgehalten
.

Das Durchschnittseinkommen eines Angestellten liegt ja auch nur bei etwa 110 Euro pro Monat! Wieviel kann da bei einem komplizierten Rettungseinsatz berechnet werden? Aus menschlichen Gründen muss hier häufig auf eine Bezahlung der Einsätze, die eigentlich in die Zuständigkeit der völlig maroden Feuerwehr der Stadt gehören, verzichtet werden. Regierung und Bevölkerung bedanken sich mit einem Händedruck. Bezahlung wegen finanzieller Misere nicht möglich.
Die Anschaffung von Fahrzeugen und Ausrüstung, deren Unterhalt sowie Ausbildung und Training der Feuerwehrmänner sind auch oder gerade hier in Ostafrika sehr kostenintensiv. Kann man es aber mit seinem Gewissen vereinbaren eine Hilfeleistung abzulehnen, weil eine Bezahlung nicht zu erwarten ist? Wie aber soll ein privates Unternehmen, das von der Regierung keine Unterstützung erhält, ohne Bezahlung eines Großteils seiner Einsätze überleben?


Knight Support Fire & Rescue - Übersicht Fahrzeuge und Technik
4 x TLF-1800-200, MB1222F
1 x DL30, Dennis, V8, Merryweather
1 x UTFLA-6000-400-200, MAN KAT1
1 x KDO, Mazda 2500, 4x4
1 x KDO (Spezial), MB300GD, 4x4
1 x GTF-9000, MB1112
2 x GTF-15000, Leyland 6x4
2 x Lastfahrzeuge, (4x4), 3to. und 5to.
1 x Bergefahrzeug, Renault
1 x NRW (Notarzt Rettungswagen), Toyota
2 x TS 8/8 (mit Zubehör)

Knight Support Fire & Rescue - Einsätze
Wie bereits zuvor erwähnt, sind wir ein privates Unternehmen, das den Feuer- und Rettungsservice gegen Bezahlung einer monatlichen Gebühr leistet. Für "Nichtkunden" wird normalerweise eine dem Aufwand entsprechende Rechnung geschrieben. Viele Einsätze werden von uns durchgeführt um staatliche Feuerwehren zu unterstützen.
Es ist unglaublich, aber oft kommen ihre Fahrzeuge mit leeren Tanks zu Feuereinsätzen und nach Erkunden der Sachlage ziehen sie wieder ab, um Löschwasser zu laden. Dies ist kein Witz sondern bittere Wahrheit. Da es aber nur so wenige Hydranten gibt, heißt das Verzögerungen von bis zu einer Stunde (innerhalb des Stadtgebietes)! Inzwischen rückt unsere Wehr fast jeden Tag zu Einsätzen aus (etwa 20 Prozent Fehlalarme eingerechnet). Unsere TLF sind über das Stadtgebiet so verteilt, dass vernünftige Reaktionszeiten in den verschiedenen Stadtviertel erreicht werden, im Gegensatz zur Staatlichen Feuerwehr, die von einer Feuerwache aus operiert. Die verbleibenden Knight Support Fahrzeuge stehen in der Zentrale und werden je nach Bedarf eingesetzt.

Die folgenden Einsätze haben uns auf eine harte Bewährungsprobe gestellt:

(1) Brand im Ministerium für Wasser und Energie - 5. November 2001 (welche Ironie!)
Brand in einem 10 stöckigen Gebäude. 8 Personen auf dem Dach ohne Fluchtmöglichkeit. 33 Mann im 3 ? stündigen Einsatz mit 4 x TLF, 3 x GTF, 1 x NRW, 1 x KDO (Mercedes 300GD) und 1 x Last.


Gefährliches Feuer in einem 10-stöckigen Gebäude - 8 Personen befanden sich ohne eine Fluchtmöglichkeit am Dach!

(2) Brand bei Rentokil Initial - 4. Dezember 2001
(Unternehmen zur Pestizidbekämpfung)
Brand einer Lagerhalle mit angrenzenden Büroräumen. Extreme Einsatzbedingungen durch Brand von diversen Chemikalien und explodierenden Gasflaschen. 27 Mann im 5-stündigen Einsatz mit 3 x TLF, 2 x GTF, 1 x NRW und 2 x KDO.


Hohe Anforderungen beim Brand in einem Betrieb, der Pestizide herstellt und verarbeitet.

(3) Brand in Kraftwerksanlage Ubungo - 19. Dezember 2001
(7 Stunden Stromausfall für die ganze Stadt)
Transformerbrand. 17 Mann im 2 ? stündigen Einsatz mit 2 x TLF und 2 x KDO. Die Reparatur dauerte 3 Tage. Nach 7 Stunden konnte auf andere Kraftwerke umgeschaltet werden, da die Haupteinspeiseeinheit beschädigt wurde.

(4) Brand bei der National Armee - 20. Dezember 2001
(Bürogebäude mit angrenzendem Munitionsdepot)
32 Mann im 6 stündigen Einsatz mit 4 x TLF, 3 x GTF, 1 x NRW, 2 x KDO, 1 x Last und TS 8/8. Die grösste Gefahr bei diesem Einsatz stellte die explodierende Munition dar.

Resümee des Authors
Dieser Bericht soll in keinster Weise aggressive Kritik üben, sondern nur die alltäglichen Zustände und Arbeitsbedingungen zeigen. Der Bericht soll aber auch zeigen, dass mit koordiniertem Einsatz von finanziellen Mitteln, Professionellem Training der Feuerwehrleute und Unterstützung von ausländischen (Europäischen) Feuerwehren auch in Afrika eine professionelle Berufswehr aufgebaut werden kann. Viel muss noch verbessert werden, aber wir arbeiten daran. Nicht selten wird 16 Stunden am Tag gearbeitet, Wochenenden sind ein Fremdwort, und Improvisation ist unumgänglich, da auch uns nur begrenzte Mittel zur Verfügung stehen und viele Ausrüstungsgegenstände noch fehlen. Wir werden auch weiterhin die Regierung mit allen verfügbaren Mitteln unterstützen und Menschen die in Not geraten sind helfen!
Über Anregungen und Fragen würde ich mich sehr freuen und bin auch gerne bereit weitere Informationen und Bilder abzugeben!
E-mail an: Leider nicht mehr bekannt (Anm. der Redaktion).
Jede Feuerwehr, die sich von Ausrüstungsgegenständen trennt (am besten günstig bzw. sehr günstig...!) oder uns anderweitig unterstützen kann, möchte ich bitten, sich mit uns in Verbindung zu setzen.
Ich hoffe, reges Interesse geweckt zu haben, und bedanke mich sehr bei Herrn Hermann Kollinger der es uns ermöglicht hat, diesen Beitrag in Fireworld aufzunehmen und verbleibe mit kameradschaftlichen Gruß:

Timothy Papke
DCFO
Knight Support (T) LTD
Fire&Rescue
For the People of Dar-es-Salaam


In eigener Sache

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