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Flutwelle Südasien: Opferzahlen werden zur traurigen Gewissheit

Südasien: Nach sechs Tagen, in denen die Opferbilanz der Flut in Südasien in immer Schwindel erregendere Höhen stieg, wird die schreckliche Vermutung nun langsam zur Gewissheit: Mindestens 125.930 Menschen kamen durch die Flutwelle nach dem Seebeben im Indischen Ozean ums Leben. Zwar ist in Schätzungen von bis zu 200.000 Toten die Rede – doch wird es immer unwahrscheinlicher, dass es über diese Opfer je Gewissheit geben wird:

Sie werden etwa in den entlegenen Gegenden Indonesiens vermutet, wo keine verlässlichen Personendaten existieren.
Gerade, dass sich die Angaben über die Opfer stabilisieren, bedeutet jedoch auch, dass die Hoffnung für die Angehörigen von Vermissten immer geringer wird. Mit jedem Tag sinkt vor allem in Touristengegenden die Chance, dass Vermisste noch am Leben sein könnten. Allein Indonesien rechnet inzwischen mit 100.000 Toten, offiziell bestätigt waren zunächst knapp 80.000. In Sri Lanka wurden 28.475 Opfer bestätigt.

Die beiden Länder sind am schwersten von der Katastrophe betroffen. Am meisten Touristen kamen in Thailand ums Leben.
Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden fünf Millionen Menschen obdachlos. Für die Überlebenden wird die Hilfe nun zum Wettlauf mit der Zeit: Seuchen, Wassermangel und eine Hungersnot bedrohen die Menschen in den Krisengebieten am Indischen Ozean. Auf Sri Lanka werden Wasser und Nahrung knapp. In Indonesien, wo Helfer vor zahlreichen Problemen stehen, sind möglicherweise bereits Hunderte Menschen an Cholera erkrankt. Die WHO warnte, dass 50.000 Überlebende der Flut ohne baldige Hilfe sterben werden.

‚Transport, Kommunikation, alles ist zusammengebrochen‘, berichtete eine Sprecherin der Hilfsorganisation Oxfam am Samstag aus dem besonders schwer getroffenen Norden der Insel Sumatra. Gleichzeitig wächst die Gefahr für die Überlebenden geradezu stündlich. Das Eindringen von Meerwasser in das Trinkwassersystem, das feucht-schwüle Klima der Regenzeit und somit die begünstigte Verbreitung von Keimen und Viren sowie die unzähligen ungeborgenen Leichen machen den Ausbruch von Seuchen beinahe unausweichlich.

Laut der Hilfsorganisation Care trinken die Menschen in den Flutgebieten Indonesiens derzeit Wasser, das bis zu 50 verschiedene Krankheitserreger enthält. ‚Viele Kinder leiden bereits an extremen Durchfallerkrankungen und brauchen dringend Hilfe‘, warnte Care. Ein schweres Nachbeben unter dem Meeresboden vor Sumatra löste am Samstag indessen weitere Angst, jedoch zumindest keine neue Flutwelle aus. Der Erdstoß hatte eine Stärke von bis zu 7,0 auf der Richterskala. Das Beben, das die Flut auslöste, hatte eine Stärke von 9,0.

Die internationalen Spenden für die von der Flutkatastrophe betroffenen Länder sind nach Angaben der Vereinten Nationen unterdessen auf 1,2 Milliarden Dollar (rund 880 Millionen Euro) angewachsen. Weiterhin sorgt die Hilfe jedoch für Unstimmigkeiten in der Staatengemeinschaft. US-Außenminister Colin Powell bekräftigte am Wochenende die führende Rolle der UNO bei der Koordinierung der internationalen Hilfe. US-Präsident George W. Bush hatte zuvor erklärt, die USA würden die Hilfsaktionen in Südasien anführen.

Powell garantierte jedoch nunmehr in einer Pressekonferenz mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan in New York, die von den USA mit Japan, Australien und Indien geschaffene so genannte Kerngruppe für die Fluthilfe werde ihre Aktivitäten mit der UNO abstimmen. Gerade im Hinblick auf derlei Unstimmigkeiten hatte Annan die Spendenbereitschaft von Menschen auf der ganzen Welt als Vorbild genannt.

Auch bei der Aktion ‚Nachbar in Not wurden allein rund um den Jahreswechsel dringend benötigte fünf Mio. Euro gespendet.

ORF

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