USA: 9/11 Gespräche im World Trade Center nun veröffentlicht
New York (USA): Mehr als 12.000 Seiten Gesprächsprotokolle vom 11. September 2001 lagen fast vier Jahre lang unter Verschluss. Nun sollen die Aufzeichnungen – Abschriften von Notrufen und Funksprüchen sowie persönliche Erinnerungen – doch veröffentlicht werden.
Das Recht dazu erstritt sich die „New York Times“. Die Dokumente zeigten nicht nur den vollen Umfang der dramatischen Ereignisse von 9/11, ist sich die „NYT“ sicher, sondern sie belegten auch, dass das eine oder andere Opfer unter den Rettungskräften vielleicht hätte vermieden werden können. Nach monatelangem Tauziehen vor Gericht muss die Stadt New York nun doch Aufzeichnungen über Gespräche aus dem World Trade Center nach den 9/11-Terroranschlägen und Gedächtnisprotokolle von Betroffenen zur Veröffentlichung freigeben.
Auf mehr als 12.000 Seiten hatte die New Yorker Feuerwehr seit Oktober 2001 Notrufe, Telefonate und Funksprüche vom 11. September dokumentiert. Die Protokolle sollten die dramatischen Szenen von damals festhalten, bevor sie durch das kollektive Gedächtnis „gesiebt“ würden, hatte dazu der damalige Feuerwehrchef Thomas Van Essen, von dem die Initiative ausging, gemeint.
Die aufgezeichneten Hilferufe von Menschen, die im World Trade Center in der Falle saßen und später in den Trümmern der einstürzenden Zwillingstürme umkamen, wurden seinerzeit als „Hilferufe aus der Hölle“ bekannt. Bisher lagen die Aufzeichnungen auf Anweisung des New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg unter Verschluss. Nun sollen auch sie, zusammen mit Erinnerungen von Betroffenen, veröffentlicht werden. Das Recht dazu setzte die Tageszeitung „The New York Times“ gegen die Stadt New York durch. Die „NYT“ berief sich auf die rechtlich verbriefte Informationsfreiheit – und bekam vor einem Berufungsgericht in New York Anfang des Jahres Recht. Die Protokolle waren der Zeitung im Lauf der letzten drei Jahre zugespielt worden.
Pannen bei Rettungskräften
Die Aufzeichnungen seien nicht nur bewegend und schilderten die ganze Dramatik von 9/11, so die „NYT“ am Freitag. Sie würden auch das Chaos dokumentieren, das unter den Rettungskräften nach den Anschlägen geherrscht habe. Und sie werfen die Frage auf, so die „NYT“, ob nicht das eine oder andere Opfer unter ihnen zu vermeiden gewesen wäre. Mit den Dokumenten, die nun von Historikern ausgewertet werden sollen, sei es möglich, Mängel bei der „größten Rettungsaktion in der amerikanischen Geschichte“ aufzudecken, kommentierte auch der US-Nachrichtensender CNN.
Keine Informationen von draußen
Die Berichte belegten nämlich, so die „NYT“, dass Feuerwehrmänner in den Gebäuden zeitweise ohne Kontakt zueinander waren bzw. keinerlei Informationen von außen mehr erhielten. Sie konnten derart auch nicht mehr gewarnt werden, als sich der Einsturz der Türme des Gebäudes immer deutlicher abzeichnete.
Aber auch Angehörige jener zahlreichen Retter, die bei ihrem Einsatz ums Leben kamen, hoffen nun auf Antworten. „Es ist jetzt fast vier Jahre her und ich weiß immer noch nichts über das Schicksal meines Sohnes“, zitiert die Zeitung die Mutter eines Feuerwehrmanns, der seit dem 11. September 2001 als vermisst gilt. „Er verschwand an diesem Tag ganz einfach (…) Und niemand kann mir sagen, was mit ihm passiert ist – nicht einmal das kleinste Detail.“
