Österreich: Unzählige Schneedruckeinsätze – Die Tücken des schweren Schnees
Österreich: Neue Schneefälle und daraufhin steigende Temperaturen machen in Salzburg und Oberösterreich große Probleme. Flachdächer knicken unter der Schneelast bzw. drohen einzubrechen.
Experten messen im Augenblick die Dichte des Schnees. Ein Kubikmeter Schnee bringt es mittlerweile auf das vierfache Gewicht von einem Kubikmeter Pulverschnee.
Auf vielen Gebäuden türmen sich nach weiteren heftigen Niederschlägen viele Tonnen Schnee. In Oberösterreich ist am Mittwoch, dem 8. Februar 2006, unter dieser Last das Dach einer Volksschule eingebrochen – mehr dazu in oesterreich.ORF.at. Die Lehrer hatten die Kinder zuvor rechtzeitig aus dem Gefahrenbereich gebracht.
In Salzburg wurde ein Werkschulheim vorsorglich geschlossen. Auch in anderen Landesteilen waren Dächer in Gefahr. In vielen Teilen Oberösterreichs verursachten die Neuschneemassen Probleme. In Bad Ischl (Bezirk Gmunden) drohte das Dach der Volksschule einzustürzen, 300 Kinder mussten in Sicherheit gebracht werden. In der Stadt hatte es von Dienstag auf Mittwoch 50 Zentimeter geschneit. Den ganzen Tag waren 130 Feuerwehrleute mit Schneeschaufeln unterwegs.
Auch 306 Schüler des Salzburger Werkschulheims Felbertal in Ebenau (Flachgau) haben „schneefrei“. Wegen der Last auf den Dächern des Schul-, Internats- und Werkstättengebäudes wurde die Schule aus Sicherheitsgründen geschlossen. Bereits gestern Nacht wurden Schüler des Internats in Sicherheit gebracht. Rund 30 Soldaten des Bundesheers standen im „Schaufel-Einsatz“.
Katastrophenalarm in Ostbayern: In Teilen Ostbayerns wurde nach starken Schneefällen sogar Katastrophenalarm ausgerufen. In Niederbayern brachen mehrere Dächer ein. Gebäude mussten evakuiert werden, auch Schulen und Kindergärten. Besonders angespannt war die Lage in den Kreisen Deggendorf und Passau, die beide den Katastrophenfall erklärten.
Gefahr für Flachdächer: Wenn es heftig geschneit hat und anschließend Plusgrade einsetzen, beginnen allerorts Flachdächer unter teilweise enormem Gewicht zu ächzen. Denn je wärmer es wird, desto schwerer wird die weiße Pracht.
Muss man bei Neuschnee noch mit „nur“ 100 Kilo pro Kubikmeter rechnen, sind es bei „gesetztem“ Schnee bereits bis zu 450 Kilo, bei Nassschnee sogar bis zu 600 Kilo pro Kubikmeter.
Mit allerlei Messgeräten „bewaffnet“ war am Mittwoch Karl Gabl, Leiter der ZAMG-Wetterdienststelle Innsbruck, im Stadtgebiet und auf dem Flughafen unterwegs, um die unterschiedlichen Schneedichten zu eruieren. „Wir halten derzeit am Flugfeld bei rund 100 Kilo pro Kubikmeter, in der Stadt bei 170 Kilo“, so Gabl. Allen „Dachbesitzern“ riet der Experte: „Es wäre sinnvoll, wenn sich die Leute heute vergewissern, wie viel auf ihren Dächern liegt. Sie sollten grundsätzlich wissen, was das jeweilige Dach aushält.“ Außerdem empfahl Gabl, Niederschläge und Temperatur regelmäßig zu beobachten.
Schnee kann vier Mal so schwer werden
Die Unterschiede der Schneebeschaffenheit können enorm sein: Während für Pulverschnee eine Dichte von 30 bis 60 Kilo pro Kubikmeter und für Neuschnee von 50 bis 100 Kilo angegeben werden, kann ein Kubikmeter feuchter Pappschnee bereits 200 Kilo wiegen. Abgelagerter Lawinenschnee in derselben Größe bringt bis zu 800 Kilo auf die Waage. Zum Vergleich: Ein Kubikmeter porenfreies Eis wiegt 917 Kilo.
