Brand

Nö: 13 Tonnen Stickstoffeinsatz bei Silobrand in Gr. Weikersdorf (Tagebuch)

Großweikersdorf (Nö): Am Freitag 13.10.2006, wurden die Feuerwehren Gr. Weikersdorf, Ameisthal und Baumgrten am Wagram zu einem Silobrand in die Tischlerei Walzer alarmiert. Fachleute der BTF Landesfeuerwehrschule wurden nachalarmiert.

Im unteren Abschnitt im Bereich der Auslaufschnecke des Sägespänesilos war ein Brand ausgebrochen. Durch eine kleine Öffnung bei der Auslaufschnecke wurde versucht soweit wie möglich, den Brand zu löschen. Es konnte nicht ausgeschlossen werden, dass sich der Brand im Inneren des Silos ausgebreitet hat. Ein Öffnen des Silos und ein Ausräumen des Silos wurde wegen Explosionsgefahr vom Einsatzleiter ausgeschlossen.

Folgen Vorgangsweise wurde festgelegt:
* Abdichten des Silos
* Aufbauen einer Schlauchleitung vom Hydranten
* Laufende Temperaturmessungen
* Anfordern von Stickstoff zum Inertisieren in den Silo
* Ausborgen einer Kernbohrmaschine
Die Firma Messer-Austria konnte erst Sonntag, 15. Oktober 2006, um 9.00 Uhr einen Lkw mit Stickstoff stellen.

Für 5 Stunden standen im Einsatz:
– Feuerwehr Grossweikersdorf mit 15 Mann und 5 Fahrzeugen (RLFA-2000,
Rüst, Löschfahrzeug, Kommando und Kran)
– Feuerwehr Baumgarten mit 9 Mann und 2 Fahrzeugen (KLF und MTF)
– Feuerwehr Ameisthal mit 6 Mann und 1 Fahrzeug (KLF)
– BTF Landesfeuerwehrschule mit 3 Mann und 2 Fahrzeugen

Neuer Alarm: Sonntag 15. Oktober, um 8:06 Uhr Alamierung der Feuerwehr Grossweikwersdorf durch Florian Niederösterreich.

8.20: Ausrücken zum Einsatzort – Fahrzeuge: Kommandofahrzeug, RLF 2000, LF mit Atemschutzanhänger, Rüst, Kran – Sondergeräte: Kernbohrmaschine, Atemschutzkompressor, Kran mit Arbeitskorb, Mannschaftsstärke: 22 Mann.
8.25: Eintreffen der BTF LFS mit 2 Mann

Maßnahmen:
• Aufbau eines 2-fachen Brandschutzes: Zusätzlich zur bestehende C-Löschleitung eine HD – Leitung., Schaumrohr, Wasserentnahme vom RLF 2000
• Ausrüsten eines Atemschutztrupps – in Bereitschaft
• Einrichten eines Atemschutzsammelplatzes mit Atemluftkompressor
• Kran mit Arbeitskorb bei Silo in Stellung bringen
• Sicherstellung der Versorgung, da mit einem längeren Einsatz gerechnet werden muss.
• Zur Dokumentation wird ein Einsatztagebuch geführt, laufend werden Fotos angefertigt, ein Videofilm wird teilweise mitgedreht.

9.05: Eintreffen der Firma MESSER Austria GmbH vertreten durch Projektleiter Ing. Anton PASTEINER und einem Lkw-Zug beladen mit flüssigen Stickstoff mit Fahrer.
9.06: Lagebesprechung
9.15: Auf der Nordseite des Silos wird das Kernbohrgerät angesetzt und eine Öffnung mit einem Durchmesser von 72 mm gebohrt.
9.20: Verschließen der Öffnung mit einem Holzkeil
9.24: Einbringen des Stickstoffes in den Silo mittels Lanze durch die gebohrte Öffnung mit ca 2,5 bar.
9.32: Ausströmen von Rauch durch undichte Stellen am Siloboden
10.10: Kernbohrgerät wird auf der Ostseite angesetzt
10.12: Stickstoff strömt aus dem Siloboden
10.17: Verkeilen der gebohrten Öffnung
10.24: Stundenleistung ca 2m³ flüssiger Stickstoff – Stickstofflanze wird im Standort verändert.
10.39: Einbringen der Lanze in die ostseitige Öffnung, Einbringen von Stickstoff
10.50: Versorgung der Mannschaft – Frühstückspause
11.05: Abbau der Schlauchleitungen
11.15: Abbau des Atemschutzsammelplatzes
11.28: Versetzen der Lanze
12.30: BTF LFS wechselt Mannschaft aus
12.52: Versetzen der Lanze
13.06: ab sofort Stickstoff einbringen durch Pumpenunterstützung mit ca. 13 bar
13.25: Bohren einer zusätzlichen Öffnung südseitig
13.40: Umsetzen der Lanze in die südseitige Öffnung und Einbringen von Stickstoff
14.30: Umsetzen der Lanze in die nordseitige Öffnung und Einbringen von Stickstoff
14.50: Bohren einer südseitigen Bohrung
15.12: Umsetzen der Lanze in die 2. südseitige Bohrung
15.45: Nachdem nach wie vor warme Luft aus der südseitigen Revisionstüre strömt, wird die Lanze in die 1. südseitige Öffnung eingesetzt und Stickstoff eingebracht
16.00: Eine 3. südseitige Öffnung wird notwendig
16.15: Inertisierung von Stickstoff durch die 3. südseitige Öffnung
16.35: Einstellung der Stickstoffeinbringung
16.38: Abbau des Krans mit Arbeitskorb, Abbau der Stickstoffleitung

11,40m³ = 13338 kg flüssiger Stickstoff wurden inertisiert.
Dies entspricht etwa 7980 m³ gasförmiger Stickstoff (1:700)

16.58: Abschlussbesprechung: Einsatzleiter J. Schragner, Geschäftsführer Manfred Walzer, Kontaktperson zur Versicherung Gerald Wilhelm, Ing. Pasteiner von der Firma Messer, 2 Mann der BTF LFS, Einsatzmannschaft der FF Gr. Weikersdorf

Weitere Vorgangsweise:
• Montag, 15. Oktober 2006, sind weitere CO- und Temperaturmessungen durch die BTF LFS vorzunehmen. Ein Termin für den Nachmittag wird noch festgelegt. Kran mit Korb ist erforderlich.
• Herr Ing. Pasteiner teilt mit, dass ein Ausbringen des Füllguts mit einem Saugrüssel als sehr riskant eingeschätzt wird. Glut könnte in den Tank des Saugwagens gesogen werden. Eine Staubexplosion wäre die Folge. Ein offener Wagen stellt kein Risiko dar.
• Wegen der tiefen Temperaturen soll einige Tage gewartet werden, bis die Motore im Bereich des Silos in Betrieb genommen werden.
• Die nächsten Tage muss weiter auf Rauchaustritt kontrolliert werden.
• Das Entleeren des Silos wird diskutiert: Günstig wäre eine offene Schnecke die knapp oberhalb der Decke in den Silo eingebracht wird. Die innen rotierende Schnecke soll nicht behindert werden.
• Größe Öffnungen in den Silo dürfen nur nach Rücksprache mit einem Statiker gemacht werden.
17.20: Abrücken der Einsatzkräfte
18.00: Vorläufiges Einsatzende

Für 10 Std. standen im Einsatz:
– Feuerwehr Grossweikersdorf mit 22 Mann und 5 Fahrzeugen (RLFA-2000,
Rüst, Löschfahrzeug, Kommando und Kran)
– BTF Landesfeuerwehrschule mit 2 Mann und 1 Fahrzeug
– Firma MESSER Austria mit 2 Mann und einem Lkw-Zug beladen mit flüssigem Stickstoff

FF Großweikersdorf

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