Sbg: Explosionsgefahr bei Garagenbrand in Hallein
Hallein (Sbg): 14. April 2010 – Aus bisher unbekannter Ursache brach in einer Garage in der Salzburgerstrasse ein Brand aus, dieser breitete sich rasch aus.
Ein neben der Garage wohnender Mann konnte sich über die brennende Garage (!) ins Frei retten. Dabei erlitt er Verbrennungen im Kopfbereich und an beiden Händen.
Alarmierung:
Telefonisch wurde die ständig besetzte FF Hallein/BAWZ „Florian Tennengau“ vom Ereignis in Kenntnis gesetzt, um 13.51 Uhr wurde durch den Bediensteten Gesamtalarm für die Hauptwache ausgelöst. Gleichzeitig wurde auch über Notruf 122 die Feuerwehr verständigt, durch die LAWZ Salzburg wurde um 13.52 nochmals ein Sammelruf für die FF Hallein ausgelöst.
Bereits um 13.53 Uhr rückte das Kommandofahrzeug mit Einsatzleiter BR Otto Miller und „Tank 1 Hallein“ aus. Bereits auf der Anfahrt konnte eine starke Rauchentwicklung beobachtet werden. Aufgrund der kurzen Anfahrt traf KDO Hallein um 13.55 Uhr am Einsatzort ein, eine Garage stand zu diesem Zeitpunkt im hinteren Bereich in Vollbrand.

Einsatzmaßnahmen:
Durch die Besatzung des TLFA-3000 wurde sofort ein Innenangriff mit schwerem Atemschutz und einem HD-Rohr durchgeführt, durch die Besatzung des SLF-A 1500 wurde eine Zubringerleitung von einem Hydranten aufgebaut. Durch die starke Rauchentwicklung kam es in den beiden oberhalb der Garage liegenden Stockwerken/Wohnungen zu einer starken Rauchbeaufschlagung. Ein zweiter AS-Trupp kontrollierte das angrenzende Stiegenhaus und stand für eine eventuelle Menschenrettung bereit. Wie sich erst später herausstellte, konnten die verbliebenen Wohnungsinhaber das Gebäude rechtzeitig verlassen.
Da durch eine anwesende Person mitgeteilt wurde, dass sich eine unbestimmte Menge an Gasflaschen im Werkstattbereich befinden, wurde nach dem teilweise Ablöschen des Brandes eine kurze Erkundung durch den Einsatzleiter durchgeführt, dabei konnte ein Schweisgerät aufgefunden werden, durch die noch herrschende Rauchentwicklung bzw. Beaufschlagung durch Russ konnte keine klare Erkennung gemacht werden. Ebenso wurde weitere Flaschen – Herkunft ungewisse – gesichtet.
Darauf hin wurde durch den Einsatzleiter die Kühlung aus der Deckung befohlen, zwei weitere C-Rohre wurden unter schwerem Atemschutz vorgenommen.
Gleichzeitig wurde mittels Wärmebildkamera und Fernthermometer die Temperatur der vorerst gesichtete Flasche ständig geprüft, eine Erwärmung konnte dabei festgestellt werden. Nach einer Kühlphase von 30 Minuten und dem völligen Ablöschen des Brandes wurde abermals durch den Einsatzleiter eine Erkundung durchgeführt.
Dabei wurde eine Acetylengasflasche sowie eine Propangasflasche im hintersten Bereich der Garage/Werkstatt entdeckt. Diese beiden Flaschen wurden ebenso durch Hitze beaufschlagt und waren somit dem Brandgeschehen ausgeliefert, darauf hin wurden die zwei C-Rohre weiter nach vorne vorgenommen um aus der Deckung heraus auch diese – vor allem die Acetylengasflasche – entsprechend zu kühlen.
Mittlerweile trafen noch die DLK 23-12 und LF-A an der Einsatzstelle ein, das Rote Kreuz Hallein stand – in sicherer Entfernung – mit zwei Fahrzeugen in Bereitschaft.
Die PI Hallein kümmerte sich in der Zwischenzeit um die Regelung des Verkehrs an der naheliegenden B159. Die ständige Kontrolle mittels Wärmebildkamera und Fernthermometer wurde – soweit möglich – durchgeführt. Dabei konnte eine entsprechende Erwärmung an der Acetylengasflasche festgestellt werden!

Durch den Einsatzleiter wurde über den Wirtschaftshof der Stadt ein Radlader angefordert, durch bereits im letzten Jahr selbst gemachte Propfen – diese dienen zum Abdichten der vorhanden Löcher in der Schaufel – wurde die Schaufel mit Wasser gefüllt. Zwar wurde durch Experten der Fa. Air-Liquid eine Kühlung von mindestens 24 Stunden gefordert, durch den Einsatzleiter wurde jedoch die Bergung der Acetylengasflasche befohlen. Nach einer weiteren halben Stunden Kühlung wurde die Acetylengasflasche geborgen und in den bereitgestellten Radlader gelegt.
Anschliessend fuhr der Radlader in Begleitung von zwei Einsatzfahrzeugen die Acetylengasflasche über eine Baustellenzufahrt beim Kraftwerk Hallein zur Salzach, dort wurde diese ins Wasser gelegt und für weitere 24 Stunden gekühlt. Der Bereich wurde entsprechend abgesperrt und die Bergung bzw. Abholung erfolgte am nächsten Tag durch Kräfte der FF Hallein und durch die Fa. Air-Liquid.
Mittels Drucklüfter wurde die Garage bzw. die angrenzende Wohnung rauchfrei gemacht und teilweise der Brandschutt ausgeräumt. Um 16.00 Uhr konnten die letzten Kräfte der FF Hallein wieder einrücken.

Eingesetzte Kräfte:
KDO, TLFA-3000, SLF-A 1500, DLK 23-12, LF-A
Mannschaft: 30 Mann
Einsatzleiter: BR Otto MILLER, Ortsfeuerwehrkommandant (AFK 3 Tennengau)
Erkenntnisse:
* Zu Beginn konnte man sich nur auf die Aussage der Anwohner verlassen, dass sich im Gebäude Gasflaschen befinden; ersichtlich waren diese zu Einsatzbeginn aufgrund der Brand- und Rauchentwicklung nicht.
* Grundsätzlich muss man aber immer mit dem Vorhandensein von entsprechenden Gasflaschen in einem Werkstättenbereich rechnen.
* Aus der Deckung zu kühlen ist vor allem im eng verbauten Gebiet schwieriger als im freien Gelände. Im besagten Fall wurde vorerst die „falsche“ Flasche gekühlt – eben darum, weil die Erkennbarkeit nicht gegeben war.
* Ein Erreichen durch C-Strahlrohre zur Acetylengasflasche war aufgrund des Standortes – in der hintersten Ecke der Garage – nicht gegeben. Erst durch ein weiteres Vorgehen in die Garage hinein konnte dann aus gesicherter Deckung heraus die Kühlung durchgeführt werden.
* Eine Kühlung über 24 Stunden (lt. Taktikschema) ist nur sehr schwierig aufrecht zu erhalten, ein Sperre der gesamten Bundesstrasse (B159) sowie ein Betretungsverbot des Mehrparteienhauses wären die Folge gewesen. Im eng verbauten Stadtgebiet eine schier undurchführbare Taktik! Aufgrund der Tatsache, dass sich die Flasche nicht weiter erwärmte (Wärmebildkamera, Fernthermometer) entschloss sich der Einsatzleiter, die Flasche zu bergen! Doch wer führt diese Bergung durch??
* Im gegebenem Fall wurde die Acetylengasflasche durch den Einsatzleiter und einen erfahrenen Einsatzoffizier der Halleiner Feuerwehr durchgeführt.
Abschließend betrachtet kann man von Glück reden, dass nichts passiert ist. Das Taktikschema „Acetylengasflaschen“ wurde durchgeführt. Ein Restrisiko bleibt aber immer, alle eingesetzten Kräfte der FF Hallein verhielten sich dabei mustergültig und meisterten diesen – wohl gefährlichen – Einsatz zur vollsten Zufriedenheit und mit viel Engagement! Auch machen sich natürlich entsprechende Schulungen in diesem – für die Feuerwehren wohl gefährlichsten Einsatzbereich – positiv bemerkbar.

