Deutschland: Wer zahlt, wenns nicht brennt?
Westallgäu (Deutschland): Fehlalarme – 85-mal sind die Feuerwehren im Landkreis 2010 bereits grundlos ausgerückt
Bereits 85 Mal ist die Feuerwehr im Landkreis in diesem Jahr bisher zu einem Brand ausgerückt – obwohl gar kein Feuer ausgebrochen war. Erst kürzlich hat die Brandmeldeanlage in der Schule in Röthenbach Alarm geschlagen. Der Grund dafür war kein Feuer, sondern Reinigungsarbeiten.
So etwas kommt immer wieder vor, sagt Kreisbrandrat Friedhold Schneider. «An den 85 Fehlalarmen in diesem Jahr waren zu 70 Prozent Menschen schuld und nicht die Brandmeldeanlage», weiß Schneider. Zwischen 130 und 140 solcher Anlagen sind in größeren Firmen, Altenheimen oder Schulen im Landkreis verbaut. «Sie sind mit empfindlichen Sensoren ausgestattet. Sie schlagen bei dichter Rauchentwicklung Alarm», erklärt Schneider. Ob allerdings die Ursache dafür ein Feuer, Wasserdampf, Säge- oder anderen Arbeiten sind, könne der Melder nicht erkennen. «Unter diesen Sensoren sollten solche Arbeiten nicht durchgeführt werden oder die Anlage in diesem Bereich für diesen Zeitraum ausgeschaltet werden», empfiehlt Schneider.
Oft werde allerdings gerade das nicht gemacht. Das hat zur Folge, dass der Melder Alarm schlägt und die integrierte Leitstelle in Kempten die örtliche Feuerwehr zum jeweiligen Einsatzort schickt. «Weder die Kollegen in Kempten noch wir wissen, ob dort tatsächlich ein Brand ausgebrochen ist», sagt Schneider. Erst vor Ort stellen die Feuerwehrler dann fest, ob die Löschschläuche ausgerollt werden müssen oder es ein Fehlalarm war.
Stellt die Feuerwehr ihren Einsatz bei einem Fehlalarm in Rechnung, kostet das den Betrieb 450 Euro. Während es in der Stadt Lindau üblich ist, die Betriebe zur Kasse zu bitten, wird im Westallgäu in der Regel ein Auge zugedrückt. «Es sei denn, es häuft sich. Es gibt die Faustregel, dass es nicht mehr als drei Fehlalarme sein dürfen», sagt Schneider.
Das heißt, die Kosten bei einem Fehlalarm tragen meistens die Gemeinden. Doch warum geben die Kommunen die Kosten nicht weiter? «In der Regel handelt es sich um große Gewerbebetriebe mit vielen Arbeitsplätzen. Da sind wir sehr großzügig», erklärt Schneider.
Wird ein Einsatz allerdings doch in Rechnung gestellt, übernimmt die Kosten das Unternehmen oder die Einrichtung, auch wenn etwa eine einzelne Küchenhilfe den Alarm verursacht hat. «Es gab ein Gerichtsurteil, das dem Betreiber die Kosten auferlegt hat», berichtet Schneider.
Ob die Kosten nun in Rechnung gestellt werden oder nicht, besser wäre in jedem Fall, wenn ein Fehlalarm erst gar nicht ausgelöst würde. «Es ist wichtig, dass die Mitarbeiter in den Betrieben gut geschult sind und wissen, wie sie sich richtg verhalten», sagt Schneider. Etwa, dass die Arbeiter den Melder im Zweifelsfall für einen bestimmten Zeitraum ausschalten.
Löst eine Brandmeldeanlage aus, muss die Feuerwehr allerdings auf jeden Fall anrücken. «Auch wenn kein Feuer ausgebrochen ist, müssen wir die Melder wieder einstellen», sagt Schneider. Denn nur so funktioniert er beim nächsten Mal wieder, wenn dann vielleicht wirklich ein Feuer ausgebrochen ist.
