Deutschland: Feuerwehr bekommt eine Million Euro für 6.000 Überstunden
Bonn (Deutschland): Die Stadt Bonn kauft den Feuerwehrleuten ihre Überstunden ab. Wie Wolfgang Fuchs, der als Personal- und Ordnungsdezernent auch für die Feuerwehr zuständig ist, dem General-Anzeiger auf Anfrage mitteilte, handelt es sich um 6.000 Stunden Mehrarbeit.
„Die Auszahlung der aufgelaufenen Arbeitsstunden findet statt, darüber haben wir Einigkeit erzielt“, berichtet Fuchs. Demnach bekommt jeder Feuerwehrmann pro Überstunde 17 Euro. Das wird die Stadt auf die gesamte Belegschaft gesehen insgesamt eine Million Euro kosten, sagte der Dezernent. Die Feuerwehrleute sind zufrieden.
„Jetzt ist wenigstens etwas Ruhe hineingebracht worden“, sagte ein Beamter. Allerdings sprich er von einer weitaus höheren Überstundenzahl – nämlich 27 000 allein für den Einsatzdienst. Nach Angaben Fuchs‘ wird bei der Feuerwehr die alte Dienstplanregelung wieder eingeführt. Dies hatten die Mitarbeiter gefordert (der GA berichtete), weil mit der neuen nicht zu planen gewesen sei. „Wir haben dafür 15 neue Stellen geschaffen.“
Allerdings seien durch eine Reduzierung von Aufgaben in gleichem Maße auch fünf Stellen abgebaut worden. Dagegen wehren sich die Beschäftigten. „Es fällt immer mehr Arbeit an, und die sollen wir mit immer weniger Leute bewältigen“, heißt es in der Feuerwache am Lievelingsweg. Ein Beamter fügt hinzu: „Irgendwann geht das einfach nicht mehr. Wir brauchen mehr, nicht weniger Feuerwehrleute.“
Von einem Mehr von 15 Kollegen ist die Rede. Für eine Arbeitszeitreform hatten die Feuerwehrleute eine Unterschriftenaktion gestartet. Von 248 Beschäftigten hatten 229 unterschrieben. Seit langem klagen sie auch über den Führungsstil ihres Chefs Jochen Stein. In zwei Brandbriefen hatten sie ihrem Unmut Luft gemacht.
Das Schreiben war anonym, als Angst vor Repressalien. Es waren schon Sanktionen angedroht worden. Dezernent Fuchs steht auf dem Standpunkt, dass das Klima zwischen Stein und den Kollegen schon besser geworden sei. „Wir verstärken den Dialog, um eine andere Kommunikationskultur einzuführen“, sagte Fuchs diplomatisch. Man versuche Situationen zu „deeskalieren, und wir sind optimistisch, dass wir das schaffen“.
Über Stein sagte Fuchs, der Feuerwehrchef habe die Feuerwehr technisch exzellent aufgestellt. In dem Dialog mit Stein habe der Dezernent keinen Zweifel daran gelassen, dass er auch von den Feuerwehrleuten ein Mitmachen bei diesem Prozess erwarte.
Die allerdings sehen das Verhältnis zu ihrem Chef weiter angespannt. „Es ist nichts besser geworden“, wird von vielen betont. Nach GA-Informationen soll jetzt eine Psychologin eingesetzt werden, die in Gesprächen vermitteln soll. Im Beisein des Dezernenten. Das wiederum stößt bei den Mitarbeitern nicht auf Zustimmung.
