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Österreich: Integrationsstaatssekretär will Migranten für Freiwilligenarbeit

Österreich: Der Integrationsstaatssekretär will Zuwanderer zu Feuerwehr, Rotem Kreuz oder Caritas locken. Das soll die Integration erleichtern.

Mehr als zehn Prozent der Mitarbeiter des Arbeitersameriterbundes (ASB) haben Migrationshintergrund. Selbst in Führungspositionen sitzen Menschen mit ausländischen Wurzeln. „Unsere Buchhalterin ist aus Bulgarien, unsere Controllerin kommt aus der Türkei. Bei uns arbeiten Menschen aus 25 Nationen“, schildert ASB-Geschäftsführer Reinhard Hundsmüller.

Turen Gencyigitoglu ist Löschmeister bei der Feuerwehr Hainburg (NÖ). Der gebürtige Türke mit österreichischem Pass rückt seit 22 Jahren zu Löscheinsätzen aus. „Erst durch die Feuerwehr habe ich Kontakte zu Einheimischen bekommen. Ich kann das nur jedem empfehlen“, sagt der 35-jährige Lagerarbeiter.

Stefan Sachim ist seit zwei Jahren bei den Wiener Pfadfindern aktiv. Der 14-jährige Rumäne ist durch Freunde zu der Gruppe gekommen – und hat neue Freunde gewonnen. „Ich bin von Anfang an voll akzeptiert worden. Es macht sehr viel Spaß.“

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz wünscht sich, dass derlei Beispiele Schule machen. „In Österreich gibt es mehr als 100.000 Vereine, Migranten sind unterrepräsentiert.“ Wie viele es genau sind, wird nicht erhoben.

„Wir wollen Menschen mit Migrationshintergrund Lust auf ehrenamtliches Engagement machen. In Vereinen wird Zusammenhalt gelebt, es entstehen Freundschaften. Integration funktioniert dort von ganz allein – und nebenbei“, meint Kurz.

Mit dem Roten Kreuz, der Feuerwehr, der Caritas, Sportvereinen usw. will der Staatssekretär junge Migranten dazu motivieren, bei Vereinen mitzumachen.

Wie soll das gelingen? Kurz will mit Feuerwehr- oder Rettungsauto samt dazugehöriger Mannschaft in Schulen ausrücken – „oder in einer Fußgängerzone ein Fußball-Tor aufbauen“.

Apropos Fußball. Als Werbeträger für die Kampagne „Zusammen:Österreich. Jetzt Du! Dein Land braucht Dich“ fungiert unter anderem David Alaba. Der 20-jährige Bayern-Spieler ist wohl das beste Beispiel für gelungene Integration. Sein Vater stammt aus Nigeria, die Mutter von den Philippinen. David ist in Wien aufgewachsen und wird mittlerweile seiner tollen Karriere wegen angehimmelt.

Auch der einstige Profi-Basketballer Renaldo O’Neal (50), der seit fast 30 Jahren in Österreich lebt, hat erlebt, dass man durch den Sport gut Anschluss in der neuen Heimat findet.

Der gebürtige US-Amerikaner hat in Innsbruck, Graz und Wien erfolgreich Bälle in Basketball-Körben versenkt. Heute werkt er als Trainer. Er findet es wichtig, dass die Integrationskampagne auch in kleinen Orten ankommt. „Dort haben noch nicht alle Leute einen Schwarzen getroffen.“

Gibt es auch Vorbehalte oder negative Erlebnisse? „Ja, die hat es auch schon gegeben, aber die positiven überwiegen bei Weitem“, sagt Rettungssanitäter Ismet Özdek (33) aus Gerasdorf bei Wien. „Ältere Menschen sind manchmal anfangs zurückhaltend, aber das ändert sich meist rasch, wenn man gut Deutsch spricht. Und in Notsituationen fragt sowieso niemand, woher man kommt.“

Warum engagiert sich der gebürtige Türke beim Roten Kreuz? „Ich bin seit 1990 in Österreich – und fühle mich hier zu Hause. Ich bin dankbar, dass ich hier sein kann – und weil ich ein sozialer Typ bin, freue ich mich, wenn ich helfen kann.“

Fakten: Vereine und Zuwanderer

Organisationen: In Österreich sind rund drei Millionen Menschen ehrenamtlich in mehr als 100.000 Vereinen engagiert. Sie leisten dort pro Woche rund 15 Millionen Arbeitsstunden. Das entspricht in etwa einer Arbeitsleistung von 420.000 Vollbeschäftigten.

Migranten: Laut Statistik Austria leben in Österreich 1,54 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund (18,6 % der Bevölkerung; 2010).1,14 Millionen davon wurden im Ausland geboren, die übrigen in Österreich. Wie viele Migranten sich in Vereinen engagieren, ist nicht bekannt. In Kärnten und der Steiermark durften Zuwanderer (ausgenommen EU-Bürger) bis vor Kurzem nicht bei der Feuerwehr tätig sein. Das Gesetz wurde mittlerweile geändert.

Kurier

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