Medien / Fotografen

Südeuropa: Massive Waldbrände – Löschflugzeuge im Dauereinsatz

Südeuropa: Temperaturen um die 40 Grad und ausbleibender Niederschlag haben in den vergangenen Tagen zu einer starken Zunahme an Waldbränden in Südeuropa geführt. Nach dem Feuersturm im Norden Sardiniens sind nun auch auf mehreren Kanareninseln Feuer außer Kontrolle geraten. In Portugal kämpfen Feuerwehren bei 41 Grad gegen 130 Waldbrände.

In Sardinien brachen die Feuer bereits am Sonntag im Nordosten aus und bedrohten, angefacht vom Mistralwind, auch den Touristenort San Teodoro. 800 Touristen und Einwohner mussten fliehen. Einige Straßen und Strände wurden zeitweise gesperrt, fünf Einsatzkräfte wurden verletzt.

In Mittelsardinien gingen zwischen Ottana und Bolotona in der Provinz Nuoro bereits etwa 1.000 Hektar mediterrane Macchia in Flammen auf. Löschflugzeuge und Feuerwehren sind im pausenlosen Einsatz, drei Canadair-Flugzeuge allein in der Gegend um San Teodoro.

Wieder Feuer im Naturschutzgebiet
Mittlerweile wüten auch Busch- und Waldbrände im Pollino-Nationalpark im Süden Italiens. Die Brände gingen von fünf Stellen aus und äscherten in kürzester Zeit mehr als 600 Hektar Wald und Buschland ein. Wie die Nachrichtenagentur ANSA am Dienstag berichtete, näherte sich ein Feuer dem Berg Serra Dolcedorme mit seinen ebenso seltenen wie monumentalen Panzerföhren.
Die Front der Flammen erstreckte sich über einen Kilometer. Die Feuerwehrmannschaften vermuteten Brandstiftung wie im Jahr 2007, als ein beträchtlicher Teil des Parks von den Flammen zerstört wurde. Auch in Apulien wüteten die Brände. In Vieste wurden in der Nacht auf Dienstag, 17. Juli 2012, etwa 50 Hektar Wald zerstört. Seit Anfang 2012 wurden in Italien 2.500 Brände gemeldet, das sind 76 Prozent mehr als im Vorjahr.
Begünstigt werden die Brände durch die Wasserknappheit und die hohen Temperaturen. In der ersten Juli-Hälfte seien in Italien 83 Prozent weniger Regenfälle als im Durchschnitt der Jahre 1971 bis 2000 gemeldet worden, berichtete der Landwirtschaftsverband Coldiretti. Die Temperaturen seien um 2,6 Grad höher.

Hotel von Flammen bedroht
In Montenegro mussten in der Nacht auf Dienstag, 17. Juli, gleich mehrere Touristen wegen näherrückender Waldbrände aus einem Hotelkomplex in Sicherheit gebracht worden. Die Urlauber wurden zum Strand der kleinen Adria-Küstenstadt Sutomore geführt, wie die Nachrichtenagentur Beta berichtete. Die Feuerwehr konnte die Flammen, die auch mehrere Häuser bedrohten, aber rechtzeitig eindämmen. Die Ursache des Brandes stand zunächst nicht fest. Starker Wind hatte in der Gegend zuvor einen Strommasten umgeworfen.
Auch vor den Toren der Hauptstadt Podgorica brach in einem Pinienwald ein Brand aus. Wie die Zeitung „Vijesti“ online berichtete, mussten mehrere ausländische Botschaften und diplomatische Residenzen in der Gegend vorsorglich evakuiert werden. Das Feuer sei inzwischen unter Kontrolle, sagte ein Sprecher der Rettungsdienste am Dienstag. Wegen der extremen Hitze sind in Montenegro derzeit gleich mehrere Waldbrände aktiv.

130 Brände in Portugal
Waldbrände halten auch in Portugal die Feuerwehr in Atem. Die drei schlimmsten Brände im Norden und in der Gemeinde Povoa de Santa Iria 30 Kilometer nördlich der Hauptstadt seien inzwischen weitgehend unter Kontrolle, teilte der nationale Zivilschutz (ANPC) mit. Insgesamt meldete der Zivilschutz am Montag mehr als 130 Brände, die von mehr als 3.500 Feuerwehrmännern bekämpft wurden. Touristen sind bisher von den Bränden nicht betroffen.

Waldbrände auf den Kanaren
Auf der kanarischen Insel Teneriffa bleibt die Lage dafür weiter angespannt. Nachdem am Sonntag im Süden der Insel gleich an zwei Stellen Feuer ausgebrochen sind, mussten mehrere Menschen in Sicherheit gebracht werden. Starke Winde ließen die Brände immer wieder außer Kontrolle geraten. Am Dienstag kämpften Feuerwehren gegen das Übergreifen des Brandes auf den Naturpark um den Vulkan Teide. Der seit 2007 zum UNESCO-Welterbe erklärte Park wurde für Besucher geschlossen. Nach offiziellen Angaben wurden bereits 1.800 Hektar Wald vernichtet. Acht Hubschrauber seien an den Löscharbeiten beteiligt.
Auch auf den übrigen Kanaren kommt es immer wieder zu Waldbränden. Auf La Palma standen 500 Hektar Wald in Brand, rund 160 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Ein Feuer auf La Gomera konnte hingegen nach einigen Stunden unter Kontrolle gebracht werden. Auf Mallorca zerstörten zwei Großfeuer rund 70 Hektar Wald, wovon einer auch am Dienstag noch nicht unter Kontrolle war, wie das Naturinstitut der Balearen (Ibanat) mitteilte.

Nach dem trockensten Winter seit 70 Jahren leidet auch Spaniens Festland unter besonders vielen Waldbränden. Das bisher schlimmste Feuer hatte Anfang Juli fast 50.000 Hektar in der ostspanischen Region Valencia zerstört. Am Dienstag kämpften die Bewohner des Dorfes Molinaseca in der nordspanischen Provinz Leon gegen Feuer an.

Gluthitze hält weiter an
Ein Ende der Hitzewelle in Südeuropa ist vorerst nicht in Sicht. Ein großer Hochdruckkomplex erstrecke sich aktuell vom Atlantik über die Biskaya, Südfrankreich und das Mittelmeer. Gluthitze rund ums Mittelmeer sei die Folge, so eine Meteorologin vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Das Hoch blockiert die Regenwolken aus Nordwesten, damit ist vorerst mit einem erlösenden Regen nicht zu rechnen. Die feucht-kühle Luft wird stattdessen abgelenkt und trifft auf Zentraleuropa und damit auch auf Österreich, wo aber ab Mittwoch, 18. Juli 2012, der Sommer erneut mit entsprechenden Temperaturen aufwarten soll – bis am Donnerstag von Westen her die nächste Kaltfront eintrifft.

ORF News

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert