Deutschland: Wenn die Politik mitmischt -> Und die Feuerwehr dann Urlaub macht
Sehma (Deutschland): Der Gemeinderat hat einen Kameraden hinausgeworfen – Seine Mitstreiter reagieren mit einem spektakulären Schritt. Im Sehmatal ist mächtig Feuer unter dem Dach. Die Glutnester sind weit verstreut.
Auf einen Schlag haben sich am Donnerstagabend 11 Kameraden plus Wehrleiter selbst beurlaubt. Am Freitag sind drei weitere hinzugekommen. Damit ist die Einsatzbereitschaft der Truppe nicht mehr gegeben. Im Klartext: Die Sehmaer Wehr kann nicht mehr ausrücken.
„Diese Entscheidung hat sich jeder Einzelne nicht leicht gemacht. Doch jetzt ist die Friedenszeit vorbei. Wir haben sechs Wochen stillgehalten“, sagt Gerd Kreisel, amtierender Wehrleiter. Noch am Donnerstagabend hat er mit mehreren Mitgliedern der Wehr Sehmatals Bürgermeister Udo Ott von der Entscheidung in Kenntnis gesetzt.
Auslöser: In einer nicht öffentlichen Gemeinderatssitzung am Mittwochabend wurde per Beschluss ein Kamerad aus der Wehr Sehma geworfen. Zwei weitere erhielten eine Abmahnung. Die offizielle Begründung dafür lautet „unkameradschaftliches Verhalten“.
Was ist passiert? Jene drei Kameraden hatten sich am 4. September an den Landrat des Erzgebirgskreises, Frank Vogel, gewandt, um über das mehrfache Fehlverhalten des stellvertretenden Kreisbrandmeisters, der gleichzeitig auch Gemeindewehrleiter ist, zu informieren. Wegen gesundheitlicher Probleme, sei er nicht in der Lage, diese Funktionen weiter zu erfüllen, lautete der Vorwurf auf den Punkt gebracht. „Die Kameraden, die sich beurlaubt haben, sehen das zu hundert Prozent ebenso und stehen damit hinter den drei vom Rat Bestraften“, betont Wehrleiter Kreisel.
Der Beschuldigte seinerseits wollte sich dazu am Samstag nicht weiter äußern. Nur so viel: „Solange noch eine Untersuchung läuft, möchte ich nichts sagen.“
Er beruft sich dabei auf eine Prüfung der Vorwürfe durch den Kreis. Wie weit diese Untersuchung vorangeschritten ist, vermochte Landrat Vogel aber nicht zu sagen. Er wisse nur, dass „der Abschlussbericht noch nicht raus ist“.
In der Gemeinde hat es eine tiefgründige Untersuchung der Vorwürfe nicht gegeben, dafür mehrere Anhörungen der Protagonisten unter anderem im Gemeindefeuerwehrausschuss und zuletzt am Mittwochabend, 17. Oktober 2012, nichtöffentlich im Gemeinderat. „Dabei fehlte jedoch unentschuldigt einer der Kameraden, die die Vorwürfe gegen den Gemeindewehrleiter erhoben haben. Die beiden anderen Kameraden haben vor dem Rat den Eindruck vermittelt, dass die Vorwürfe nicht zu halten sind. Wohl deshalb hat der Rat anschließend entschieden, die zwei Mitglieder der Wehr nur abzumahnen und den der Anhörung fern gebliebenen Kameraden auszuschließen – bis April 2013. Danach kann er sich wieder für die Wehr bewerben“, erklärte Sehmatals Bürgermeister Udo Ott. Der Gemeindewehrleiter seinerseits habe eingestanden, „dass er auch nicht ohne Fehler ist“. Er sei deshalb vom Rat mit einer Ermahnung belegt worden.
Weil die Gemeinde Sehmatal noch über drei weitere Wehren verfügt, sei trotz der Abmeldung der Sehmaer Truppe, die Einsatzbereitschaft weiterhin gegeben, so Ott.
