D: Fürs Homeoffice zur Feuerwehr → Einsatzkräfte können bei der Feuerwehr in Lemgo arbeiten
LEMGO (DEUTSCHLAND): Wenn bei der Feuerwehr ein Alarm reinkommt, dann ist für die Einsatzkräfte vielfach höchste Eile angesagt. Für eine freiwillige Feuerwehr bedeutet das tagsüber die Schwierigkeit, dass die Ehrenamtlichen möglicherweise wegen eines zu weit entfernten Arbeitsorts nicht zum Einsatz kommen können. Um diese Herausforderung zu umgehen, bietet die Freiwillige Feuerwehr Lemgo seit Sommer 2025 ein besonderes Modell an: Die Kameradinnen und Kameraden können ihr Homeoffice zur Feuerwache verlegen.
Ein höhenverstellbarer Schreibtisch, zwei Bildschirme, Internetzugang, Dockingstation, Maus und Tastatur – fertig ist der Arbeitsplatz. So sehen die Büros im „Fire Office“ der Freiwilligen Feuerwehr Lemgo aus. Die Infrastruktur stellt die Stadt, den Rest bringen die Arbeitnehmer mit. Genau so wie es auch beim Homeoffice im eigenen Zuhause laufen würde. Nur wenige Schritte sind es für die Feuerwehrleute von den drei Einzelbüros bis zur Feuerwache in der Orpingstraße.
„Wir denken immer wieder darüber nach, wie wir das Ehrenamt Feuerwehr besser mit der beruflichen und privaten Welt unserer Einsatzkräfte vereinbaren können. Mit unserem ‚Fire Office‘ wollen wir genau dafür ein weiteres Angebot machen. Das muss gut durchdacht sein, damit es am Ende für alle Beteiligten stimmt. Feuerwehr, Einsatzkräfte und Arbeitgeber ziehen gemeinsam an einem Strang. Und die Rückmeldungen zeigen, dass das Angebot gut ankommt“, zeigt sich Lars Uwe-Brede, Leiter der Lemgoer Wehr, zufrieden.
Über ein Buchungssystem können sich die Kameradinnen und Kameraden eines der drei Einzelbüros reservieren. Das geht bewusst nur tageweise und nicht als Dauerbuchung. „Einerseits ist das für uns als Feuerwehr eine tolle Sache, weil tagsüber zu den üblichen Arbeitszeiten nur ein Teil der Kameradinnen und Kameraden zum Einsatz kommen kann. Andererseits setzen wir weiterhin auf ein gutes und vertrauensvolles Miteinander mit den Arbeitgebern. Nicht jeder Job kann in einem Büro erledigt werden und es soll auch nicht immer dieselbe Person aufgrund von Einsätzen ihre Arbeit unterbrechen müssen“, so Lars-Uwe Brede.
Deshalb nutzen die Feuerwehr-Mitglieder das „Fire Office“ nach Rücksprache mit ihren Arbeitgebern. 8 Arbeitgeber haben nach der Einführung umgehend ihre Unterstützung zugesagt. Mittlerweile ist die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer der Arbeitsplätze auf 11 angestiegen.
„Für mich ist das ‚Fire Office‘ eine gute Sache. Einerseits kann ich mir an manchen Tagen den deutlich längeren Weg ins Büro sparen, andererseits habe ich aber trotzdem eine Trennung von meinem Zuhause und meinem Arbeitsplatz“, erklärt Yannik Mallmann, der bei Müller Umwelttechnik in Schieder-Schwalenberg arbeitet.
Auch Benjamin Jeep, einer von mehreren Kollegen von Phoenix Contact, sieht das Angebot positiv. „Die andere Umgebung bringt einen immer wieder auf neue Gedanken. Und auch, wenn man sich in der Küche einen Kaffee holt, sieht man andere Gesichter als auf der Arbeit oder zu Hause. Das gibt eine gute Abwechslung“, so Benjamin Jeep.
Nach den ersten Monaten des „Fire Office“ ist Lars-Uwe Brede mit dem Projekt sehr zufrieden. „Der Start ist gut gelaufen und es gab tatsächlich einige Einsätze, bei denen wir schneller ausrücken konnten. Das ist großartig. Deswegen freuen wir uns auch über die Rückmeldungen der Kameraden und setzen Verbesserungsvorschläge um, demnächst beispielsweise für eine verbesserte Akustik in den Büros. Wir hoffen, dass sich das ‚Fire Office‘ bei noch mehr Arbeitgebern herumspricht und wir weitere interessierte Kameradinnen und Kameraden hier begrüßen dürfen“, zieht der Feuerwehr-Chef eine erste positive Bilanz.
Lemgo ist eine Hochschulstadt mit ca. 40.000 Einwohnern. Sie ist die älteste und drittgrößte Stadt des Kreises Lippe und liegt 25 Kilometer östlich von Bielefeld mitten in der Region Ostwestfalen-Lippe. Die Stadt gehört zum Regierungsbezirk Detmold im Nordosten von Nordrhein-Westfalen.



Werden die Arbeitgeber auch merken, sobald mal mehrere Einsätze tagsüber sind, dass das nur Kosten verursacht und nix mehr weitergeht. Mein Dienstgeber (öffentlicher Dienst) schließt eine ehrenamtliche Tätigkeit während der Arbeitszeit generell aus. Mittels Betriebsvereinbarung sind nur amtlich anerkannte Katastrophen ausgenommen. Würde mich interessieren, ob die Leute die Stunden einarbeiten müssen – bei über 400 Einsätzen pro Jahr sind die ja dann recht selten in der Arbeit.
Nun, nicht wenige Jobs lassen sich aber durchaus überprüfen. Bringe ich im Büro vor Ort beispielsweise – um irgendwas zu sagen – 50 Formulare fertig und zuhause nur 10 am Tag, dann werden’s dir das Homeoffice generell wieder abdrehen, egal wo du sitzt. Und jeden Tag wird die Feuerwehr auch nicht volles Programm haben.
Und wenn du Projekte im Homeoffice zu erledigen hast, sind sie am Tag X fertig zu werden, ob du sie nun um 22 Uhr oder um 9 Uhr machst. Fertig muss es sein. Also ich denke schon, dass das klappen kann, man hat dann eben möglicherweise auch einen Kaffee-Gesprächspartner zwischendurch.