Bayern: 72 Nachwuchskräfte aus dem Inspektionsbereich „Florian Traunstein Land 3“ erreichen einen Meilenstein
LANDKREIS TRAUNSTEIN (BAYERN): Das Feuerwehrwesen wird in Bayern nahezu vollständig durch Ehrenamtliche getragen – so auch im Landkreis Traunstein, in dem es keine einzige Berufsfeuerwehr gibt. Damit für die vielfältigen Aufgaben genügend gut ausgebildete Einsatzkräfte zur Verfügung stehen, betreibt der Kreisfeuerwehrverband seit vielen Jahren ein umfangreiches Lehrgangswesen. Dieses beginnt bei der Grundausbildung und reicht bis hin zu speziellen Fachlehrgängen.
In den vergangenen Wochen wurden mit Stand von 12. April 2026 im Inspektionsbereich „Florian Traunstein Land 3“, also bei den Feuerwehren im östlichen Landkreis, mehrere Lehrgänge und Prüfungen abgehalten. Insgesamt 72 Nachwuchskräfte konnten dabei wichtige Meilensteine in ihrer Grundausbildung erreichen.
Nur sieben Berufsfeuerwehren in Bayern
In Bayern liegen die Organisation und Aufstellung der Feuerwehren primär bei den Städten und Gemeinden. Der abwehrende Brandschutz sowie der technische Hilfsdienst sind Pflichtaufgaben jeder Kommune. Rund 320.000 ehrenamtliche Einsatzkräfte engagieren sich in mehr als 7.400 Freiwilligen Feuerwehren in den bayerischen Städten und Gemeinden. Berufsfeuerwehren gibt es lediglich in den Städten Augsburg, Fürth, Ingolstadt, München, Nürnberg, Regensburg und Würzburg.
„Um für diese Aufgaben gewappnet zu sein, ist die Ausbildung der ehrenamtlichen Feuerwehrleute – neben der technischen Ausstattung – das sprichwörtliche ‚A und O‘ und unverzichtbar“, betont Kreisbrandinspektor Günter Wambach im Gespräch mit Thomas Pfeffer von der Pressestelle des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein.
Günter Wambach ist in seiner Funktion als „Florian Traunstein Land 3“ für den Rupertiwinkel rund um den Waginger See zuständig und weiß, wovon er spricht: „In den derzeit stattfindenden Jahreshauptversammlungen der heimischen Feuerwehren höre ich als Vertreter des Kreisfeuerwehrverbandes immer wieder, dass großer Wert auf die Ausbildung gelegt wird.“

Der Kreisfeuerwehrverband Traunstein organisiert das Ausbildungswesen
Das Fundament der Ausbildung wird im gesamten Freistaat auf Landkreisebene beziehungsweise in den kreisfreien Städten gelegt. Dort werden in der Regel sämtliche Basiskompetenzen vermittelt – von der Grundausbildung bis hin zu verschiedenen Aufbaulehrgängen, etwa zum Atemschutzgeräteträger oder zum Maschinisten für Löschfahrzeuge. Weiterführende Lehrgänge finden häufig an den Staatlichen Feuerwehrschulen in Geretsried, Regensburg oder Würzburg statt.
„Gerade die Grundausbildung spielt eine zentrale Rolle, da hier alle notwendigen Kompetenzen vermittelt werden, um als Feuerwehrfrau oder Feuerwehrmann tätig werden zu können“, betont der Kreisbrandinspektor. Hierbei kommt die sogenannte Modulare Truppausbildung zum Einsatz. Grundlage ist die Feuerwehr-Dienstvorschrift 2 (FwDV 2), die die Aus- und Fortbildung der Freiwilligen Feuerwehren regelt.
Sie definiert Ausbildungsinhalte und Voraussetzungen, um Einsatzkräfte zu befähigen, Brände zu bekämpfen und technische Hilfe zu leisten. Die Modulare Truppausbildung orientiert sich dabei an der tatsächlichen Ausstattung der Feuerwehren und endet für alle Teilnehmer mit der Truppführer- und Sprechfunkerqualifikation. Diese vermittelt das notwendige Fachwissen für den Einsatzdienst und ermöglicht die Teilnahme an Einsätzen.
Damit die Ausbildung durchgeführt werden kann, stellen die Gemeinden und Feuerwehren regelmäßig ihre Räumlichkeiten und Gerätschaften zur Verfügung und leisten damit einen wichtigen Beitrag. Ehrenamtliche Ausbilder aus den Reihen der Feuerwehren im Landkreis Traunstein unterrichten und trainieren die Nachwuchskräfte.

Prüfungen in Fridolfing, Kay, Petting und Waging
In Waging wurde kürzlich ein sogenanntes Basismodul dieser Truppausbildung durchgeführt. 23 Teilnehmer aus den Feuerwehren Kirchanschöring, Kirchheim, Palling, Waging und Wonneberg wurden dort ausgebildet und erfolgreich auf die Prüfung vorbereitet. Neben den grundlegenden Tätigkeiten eines Trupps innerhalb einer taktischen Einheit für den Lösch- und Hilfeleistungseinsatz standen auch das situationsgerechte Verhalten im Einsatz und in der Öffentlichkeit, die Grundsätze der Hygiene sowie das Erkennen von Gefahren im Fokus.
Bei einer weiteren Zwischenprüfung in Petting konnten fünf Teilnehmer ihr erworbenes Wissen unter Beweis stellen und sich für den weiteren Kompetenzerwerb qualifizieren. Die örtliche Feuerwehr verzichtete dabei auf einen Lehrgang des Kreisfeuerwehrverbandes und bereitete ihre Nachwuchskräfte eigenständig auf die Prüfung vor – „mit sehr gutem Erfolg“, freut sich Günter Wambach.
Abschlussmodule und damit das Finale der Grundausbildung fanden schließlich bei den Feuerwehren in Fridolfing (17 Teilnehmer) und Kay (27 Teilnehmer) statt. Beteiligt waren Einsatzkräfte aus Fridolfing, Heiligkreuz, Kay, Kirchheim, Nirnharting, Lampoding, Palling, Petting, Pietling, Traunstein, Waging und Wonneberg. Die Prüflinge wurden in ihren jeweiligen Feuerwehren ausgebildet und während der Lehrgänge gezielt auf die Prüfungen vorbereitet.

72 Prüflinge erreichen einen persönlichen Meilenstein
Alle Teilnehmer haben die Prüfungen bestanden und können nun die nächsten Schritte in ihrer Feuerwehrlaufbahn gehen. „Ein großes Dankeschön geht einmal mehr an die Ausbilder, die uns hierbei unterstützen, sowie an die Prüfer, die sich immer wieder zur Verfügung stellen“, zeigt sich der Kreisbrandinspektor im Nachgang zufrieden. Lobende Worte richtet er auch an die beiden Kreisbrandmeister Georg Fleischer und Hans Heinrich, die sich maßgeblich in der Organisation und Durchführung der Lehrgänge engagiert haben. Unterm Strich können sich die Feuerwehren im östlichen Landkreis Traunstein über 34 fertig ausgebildete Einsatzkräfte freuen. Weitere 38 haben wichtige Meilensteine in der Grundausbildung erreicht und werden in den kommenden Monaten die noch fehlenden Module absolvieren. Insgesamt haben somit 72 Nachwuchskräfte in den vergangenen Wochen erfolgreich Prüfungen abgelegt, um ihr ehrenamtliches Engagement bestmöglich zum Schutz von Menschenleben und Sachwerten in der Region einzubringen.
