Personenrettungen aus Pkws werden schwieriger
Oberösterreich: Die moderne Fahrzeug-Technologie macht Autos sicherer, sie erschwert aber auch nach Unfällen die Personenbergung. Das müssen Feuerwehrleute bei Einsätzen immer wieder feststellen. Der Oberösterreichische Landes-Feuerwehrverband versucht, in Kursen, in denen auch die ‚Rettungsleitfäden‘ der Automobilhersteller einfließen, die Florianijünger immer auf dem neuesten Stand zu halten.
Moderne Karosserien bestehen immer häufiger aus einer Kombination von verschiedenen Werkstoffen, die für Feuerwehrleute bei Personenbergungen eine Herausforderung darstellen können, schildert der Ausbildner bei technischen Lehrgängen des Oö. Landes-Feuerwehrverbandes, Andreas Marik. So werden beispielsweise Mehrlagenbleche eingesetzt, die fünf Mal fester als frühere Bleche sind.
Aluminium wiederum lässt sich schlecht quetschen und reißt sofort ein. Kunststoff-Kotflügel lassen sich mit einem hydraulischen Spreizer quetschen, nehmen aber nach dessen Entfernen wieder die ursprüngliche Form an. Kunststoffteile geben ein schlechtes Widerlager für Rettungsgeräte ab und können im schlechtesten Fall zersplittern.
Dazu kommen noch Airbags, die bei einem Unfall nicht ausgelöst wurden, aber durch unsachgemäßes Arbeiten am Auto losgehen und verletzte Personen zusätzlich gefährden oder zumindest deren Bergung erschweren können. Das Gleiche gilt für elektrisch verstellbare Lenkersitze, die beim Abziehen des Zündschlüssels in eine neutrale Position fahren und einen Verletzten zusätzlich einklemmen oder ungewollt befreien können.
Marik tritt dafür ein, dass die Feuerwehren mit den jeweils neuesten und stärksten angebotenen Rettungsmitteln wie hydraulische Spreizer oder Schneidgeräte ausgestattet werden sollten. Entscheidend sei aber das Know-how der Geräteführer. Wer das hydraulische Rettungsgerät nicht kenne, nicht wisse, wie es funktioniere oder wie er es ansetzen müsse, wer nicht verschiedene Lösungsmöglichkeiten für eine Aufgabe parat habe oder einfache Kniffe nicht kenne, scheitere entweder bei der Rettung eines Unfallopfers oder verliere dabei wertvolle Zeit, warnt Marik.
Der Landes-Feuerwehrverband führt deshalb in seiner Landesfeuerwehrschule in Linz regelmäßig technische Lehrgänge für die oberösterreichischen Florianjünger durch, in denen das neueste Know-how vermittelt wird. Das beziehen die Ausbildner durch Erfahrungsaustausch mit anderen Feuerwehren, von den Herstellern der Bergegeräte aber auch aus der Autoindustrie.
