Stmk: Hochwasser-Katastrophenalarm in Graz – Schlimmstes Hochwasser seit Jahren!
Graz (Stmk): Hunderte Keller überflutet, die Südbahnstrecke und zig Straßen gesperrt, 1.500 Feuerwehrleute im Einsatz und zum Teil sogar obere Stockwerke von Häusern überflutet: Die Steiermark erlebt das schlimmste Hochwasser seit Jahren.
In Graz wurde am 21. August 2005 Katastrophenalarm ausgelöst; die Feuerwehren aus den Bezirken Bruck, Weiz und Hartberg wurden zur Unterstützung angefordert, da alle sechs Bäche der Stadt über die Ufer traten.
„Alle Bezirke sind von Wassermassen umgeben, Graz versinkt sozusagen im Wasser. Im Osten und im Westen der Stadt sind einige hundert Keller überflutet; wir sind zurzeit massiv unterwegs, um umgestürzte Bäume, die auf Leitungen hängen, und auch Straßen zu sichern, wie auch Hangrutschungen, die die Bevölkerung massiv bedrohen“, sagt der Einsatzdirektor der Grazer Feuerwehr, Heimo Krainz. Die Murpromenaden wurden gesperrt. Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) bittet die Bediensteten des Grazer Wirtschaftshofes und die dienstfreie Mannschaft der Feuerwehr, zur Feuerwehrzentrale auf dem Lendplatz zu kommen, um bei den Einsätzen mitzuhelfen.
Die Bevölkerung wird ersucht, Ruhe zu bewahren und Geduld zu haben: „Wir sind derzeit nicht in der Lage, Einsätze zwischen zwei und drei Stunden zu bewältigen; die Wartezeit beträgt also mindestens drei Stunden“, sagt Josef Miller von der Grazer Feuerwehr.
Ebenso stark wie Graz ist auch der Bezirk Deutschlandsberg betroffen: Hier haben die Pegelstände der schwarzen und der weißen Sulm sowie des Saggaubachs die rote Hochwassermarke weit überschritten. Hunderte Keller und auch einzelne Häuser sind bis in die oberen Stockwerke überflutet.
Landeshauptfrau und Katastrophenschutzreferentin Waltraud Klasnic (ÖVP) ist in der Weststeiermark unterwegs: „Es sind nicht nur Keller, es sind zum Teil leider auch Häuser oder auch der Friedhof in Wies überflutet. Momentan ist es so, dass man den Menschen stützt und dass man vor allem Tiere und Sachgüter rettet“, so Klasnic.
Im Bereich Wies muss sogar das Bundesheer ausrücken, sagt Kurt Kalcher, Leiter der Katastrophenschutzabteilung des Landes: „Es hat eine Wehranlage in Gasselsdorf stark in Mitleidenschaft gezogen, dort ist eine sehr starke Verklausung. Wir werden hier voraussichtlich auch das Bundesheer im Rahmen einer Assistenzleistung zum Einsatz bringen“.
In der ganzen Steiermark gibt es immer wieder Stromausfälle. Das Ortsgebiet von Gamlitz stand zeitweise komplett unter Wasser; auch im Ortsgebiet von Dietmannsdorf kam es durch eine blockierte Wehranlage zu Überflutungen.
Bei Mixnitz verschüttete eine Mure die Südbahnstrecke; die Polizei konnte gerade noch rechtzeitig einen Fahrdienstleiter alamieren, der einen Eilzug noch vor der Gefahrenstelle stoppen konnte. Die B78, die Obdacher Bundesstraße, wurde im Bereich Eppstein (Bezirk Judenburg) vom Wildbach vermurt; ebenfalls erschwert passierbar sind die B76, die Radlpaß-Straße und die B335, die Brucker Ersatzstraße. Die B70, die Packer Straße, ist nach einem Murenabgang nur einspurig befahrbar.
Schwarze und weiße Sulm sowie der Saggaubach münden in die Mur; man geht davon aus, dass in weiterer Folge die Mur im Raum Leibnitz über die Ufer tritt. „Das ist zu befürchten, weil es noch einmal zu regnen beginnen soll, die Mur selbst einiges mitbringt und vor allem diese Seitenbäche zusätzliche Wassermassen in die Mur bringen“, sagt der Leiter der Landeswarnzentrale, Gerald Pizzera.
Es regnete bisher bis zu 57 Liter pro Quadratmeter. Die Zentralanstalt für Meteorologie erwartet, dass die Regenfälle auch in den Nachtstunden anhalten. Laut der Landeswarnzentrale wären von dem Hochwasser Industriebetriebe, aber auch Wohnhäuser betroffen. Wer in der Nähe der Flüsse wohnt, wird aufgefordert, die Keller auszuräumen und gefährdete Gegenstände in die oberen Stockwerke der Häuser zu bringen.
