Mindestens 11 Tote bei Brand in Gefängnistrakt am Amsterdamer Flughafen
Amsterdam: Bei einem Brand in einem Zellenkomplex auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol sind in der Nacht auf Donnerstag, den 27. Oktober 2005, mindestens elf Schubhäftlinge ums Leben gekommen.
Außerdem seien 15 Menschen verletzt und in Krankenhäuser gebracht worden, darunter Feuerwehrmänner. Die Zahl der Opfer könne sich noch erhöhen. Das Feuer brach kurz nach Mitternacht aus. Die Ursache war zunächst unbekannt. Erst nach drei Stunden konnte die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle bringen. In dem Zellenkomplex auf dem östlichen Teil des Flughafens sitzen etwa 350 Gefangene. Bei ihnen handelt es sich einerseits um mutmaßliche Rauschgiftschmuggler, andererseits um Menschen, denen die Einreise in die Niederlande verweigert wurde sowie um Schubhäftlinge. In dem Teil des Komplexes, in dem das Feuer ausbrach, hielten sich zu dem Zeitpunkt 43 Häftlinge und ihre Bewacher auf. Ein Teil der Gefangenen wurde in unbeschädigte Zellen gebracht, andere in ein benachbartes Gefängnis. Mit Hubschrauber suchte die Polizei nach möglichen Ausbrechern, ging jedoch davon aus, dass niemand das Feuer zur Flucht genutzt hatte. Amsterdam Schiphol ist der viertgrößte Flughafen Europas. Rund 40 Millionen Passagiere werden jährlich gezählt. Schon in den vergangenen Jahren wurden immer wieder Diskussionen über die Sicherheit auf dem Gelände geführt – etwa nach einer Serie von Bränden 2001. Zudem kämpft die Polizei gegen den Drogenschmuggel. Immer wieder wurden Rekordmengen von Kokain und Heroin auf dem Flughafen beschlagnahmt.
Bericht der Züricher Zeitung:
Ein Brand auf dem internationalen Flughafen von Amsterdam hat am Donnerstag mindestens elf Abschiebehäftlinge das Leben gekostet. 15 weitere Personen wurden verletzt, vier von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Bei den Todesopfern handelte es sich um illegal eingewanderte Flüchtlinge, die in einem Gefängnistrakt am östlichen Rand des Flughafens Schiphol untergebracht waren, wie die Einwanderungsbehörden mitteilten. Mehreren Häftlingen gelang die Flucht. Die Brandursache war zunächst unklar. Berichten zufolge wurde das Feuer möglicherweise von einem Häftling gelegt, die Behörden wollten sich dazu zunächst nicht äussern.
Einer der Gefangenen sagte dem niederländischen Fernsehsender NOS, die Aufseher hätten die Hilferufe der Häftlinge im ersten Moment nicht ernst genommen. «Sie machten die Tür nicht auf, sie liessen uns eingeschlossen. Unsere Kehlen fingen an zu schmerzen. Wir haben geschrien und getreten», sagte der nicht näher identifizierte Gefangene. Über die Nationalität der Todesopfer ist zunächst nichts bekannt.
Das Feuer brach gegen Mitternacht aus und konnte erst drei Stunden später unter Kontrolle gebracht werden, wie niederländische Medien berichteten. Unter den Verletzten waren demnach mehrere Feuerwehrleute und Polizisten. Die überlebenden Häftlinge wurden in andere Zellen auf Schiphol oder in Städte in der Umgebung verlegt. Insgesamt waren in dem Gefängnistrakt 350 Personen inhaftiert, darunter auch Drogenkuriere. In dem Flügel, in dem das Feuer ausbrach, waren 43 Menschen untergebracht. Die Kapazität der Haftanstalt war erst 2002 erweitert worden. Der Gefängnistrakt auf dem viertgrössten Flughafen Europas ist mit einem drei Meter hohen Zaun und Stacheldraht umgeben.
