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Die Giftkatastrophe in China: Ganze Landstriche evakuiert

China: Die Lage am Giftfluss Songhua in China spitzt sich zu: Die Behörden haben nun Dörfer nahe der Stadt Harbin evakuiert. Die Millionenstadt ist seit Tagen ohne Wasser, nachdem die Wasserversorgung gestoppt wurde, weil man Vergiftungen befürchtet.

Man will nun den Giftteppich mit Aktivkohle aufhalten, um die Umweltkatastrophe einzudämmen, hieß es von offizieller Seite. Doch viel Zeit bleibt den Behörden nicht mehr.

Die Umweltkatastrophe im Nordosten Chinas wird immer dramatischer: Nun haben die staatlichen Behörden Hunderte Bewohner des Gebiets am Fluss Songhua in Sicherheit gebracht. Von der Evakuierungsaktion seien mehr als 300 Dorfbewohner in der Nähe der Millionenstadt Harbin betroffen, berichteten Regionalzeitungen am Freitag, dem 25. November 2005. Nach und nach kommt nun auch das wahre Ausmaß des Giftunfalls in Jilin ans Tageslicht. Demnach gelangten nach der Explosionsserie in einem Chemiewerk vor zwei Wochen 100 Tonnen hochgiftiges, Krebs erregendes Benzol in den Fluss.

Benzolteppich bedroht Millionen: Die Behörden hatten aus Angst vor Vergiftungen am Mittwoch einen Stopp der Wasserversorgung in Harbin angeordnet. Die Millionenstadt bezieht ihr Trinkwasser aus dem Fluss. Der Giftteppich erstreckt sich über eine Länge von 80 Kilometern und wird vom Songhua durch den Nordosten Chinas in Richtung Russland getragen. Der Benzolwert im Songhua war am Freitag immer noch 30 Mal höher als erlaubt, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Es wird erwartet, dass der Teppich die Stadt am Samstag passiert haben dürfte.

Reinigungsversuch mit Aktivkohle: Die chinesischen Behörden versuchen nun, das Wasser mit Aktivkohle zu reinigen. Mehr als 1.000 Tonnen werden am Freitagabend mit Lastwagen aus zwei Nachbarprovinzen in die Großstadt Harbin transportiert. Die künstlich hergestellten, porösen Kohlenstoffe eignen sich mit ihrer schwammartigen Struktur und großen spezifischen Oberfläche besonders gut zur Aufnahme von Schadstoffen. Die Vorräte der Stadt reichen aber nicht aus, um das Benzol und Nitrobenzol aus dem Wasser zu filtern.

Folgen derzeit nicht absehbar: Die Behörden räumten am Donnerstag ein, dass die Auswirkungen der Chemiekatastrophe derzeit noch völlig unklar seien. Die Stadt Harbin habe eine Telefon-Hotline eingerichtet, an die sich besorgte Bürger wenden könnten. „Nitrobenzol ist sehr gefährlich für die Umwelt“, so Zhang Lijun, Leiter der staatlichen Umweltschutzbehörde, ohne nähere Angaben zu machen. Es werde zumindest 40 Stunden dauern, bis der auf dem Songhua treibende Benzolteppich die Stadt hinter sich gelassen habe.

Unternehmen entschuldigt sich: Die für die Verseuchung des Flusses verantwortliche Ölfirma hat sich am Freitag bei den fast vier Millionen betroffenen Menschen in Harbin entschuldigt. Es tue ihm sehr Leid und seine Firma bedauere den Unfall zutiefst, sagte der Vizechef von China National Petroleum (CNPC), Zeng Yukang. Am 13. November war es in der Fabrik einer CNPC-Tochtergesellschaft zu einer Explosion gekommen, danach lief tonnenweise Benzol in den Fluss.

Weitere Chemiefabrik explodiert: In der südwestlich gelegenen Stadt Chongqing wurden Medienberichten zufolge 6.000 Menschen nach einer weiteren Explosion in einer Chemieanlage in Sicherheit gebracht. Bei der Detonation seien ein Mensch getötet und drei weitere verletzt worden. Beamte der Umweltbehörde gingen von Haus zu Haus, um die Bewohner vor dem Trinken von Flusswasser zu warnen.

Österreichischer Rundfunk

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