Bayern: Eishalle durch Schneedruck eingestürzt – Probleme bei Vermisstensuche
Bad Reichenhall (D): Nach dem Einsturz des Daches der Eishalle in Bad Reichenhall (Bayern) sind bisher neun Tote geborgen. Sechs Personen sind noch vermisst. Der Schnee behindert weiter die Suche – die Wände der Halle neigen sich durch den Druck.
Mindestens neun Todesopfer sind bisher nach dem Einsturz des Daches der Eishalle in Bad Reichenhall zu beklagen. Eine Erwachsene, zwei Jugendliche und sechs Kinder konnten nur noch tot aus den Trümmern geborgen werden. Alle Toten stammen aus dem Raum Berchtesgaden, Reichenhall bis Traunstein, meldet die Polizei. Sechs Personen werden noch vermisst.
Der Suche nach ihnen droht aber der Abbruch – die Wände der Eishalle neigen sich unter dem großen Druck nach außen: „Es hat sich die Außenwand um etwa 2,5 Zentimeter nach außen gedrückt. Wenn das noch einige Zentimeter weitergeht, müssen wir die Bergungeinstellen „, sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Rudi Zeif, „Wir sind dabei, mit Statikern eine Möglichkeit zu finden, dass das nicht eintritt. Momentan ist es aber zu befürchten.“
Bis zu 15 Tote erwartet: Am späten Montagabend – 2. Jänner 2006 – wurde noch eine Frau aus den Trümmern geborgen. Sie war zwar verletzt, sie war aber nur leicht unterkühlt, was den Einsatzkräften natürlich Hoffnung auf weitere Überlebende gab. Mittlerweile stellen sich die Rettungskräfte auf bis zu 15 Tote ein, sagt Hubertus Andrä von der Polizei: „Wir haben den Verbleib von sechs Personen zu klären. Wir haben einen Hinweis auf drei weitere Personen, den wir aber als sehr vage einschätzen, weil es sich um allgemeine Anrufe handelt, dass Presonen Urlaub in Bad Reichenhall macht und möglicherweise Eislaufen gehen wollte.“
Mittlerweile sind Angehörige der Toten bei der Halle eingetroffen. Sie werden psychologisch betreut und in kleinen Gruppen an den Unglücksort vorgelassen, sagt Landrat Georg Grabner (CSU). Unter den bereits geborgenen Todesopfern befand sich auch ein zehnjähriges Mädchen. Dieses verstarb kurz nach der Einlieferung im Schockraum der Kinderklinik der Salzburger Landeskliniken, schildert Sprecherin Mick Weinberger. Das Mädchen sei gemeinsam mit der sechsjährigen Schwester und den Eltern Eislaufen gewesen. „Heute müssen sie kommen, und sich von der toten Tochter verabschieden“, so Weinberger. Die Zehnjährige habe durch das stürzende Hallendach eine Wirbelsäulenfraktur und Brustkorbquetschungen und dadurch schwere innere Verletzungen erlitten.
Mehr als 20 Menschen sind bei dem Unglück zum Teil schwer verletzt worden, schildert Hubertus Andrä von der bayrischen Polizei: „Natürlich stehen überlebende Opfer tief unter Schock und werden entsprechend behandelt – vor allem auch die Angehörigen, die noch warten müssen. Sie wurden von Notfallpsychologen und Ärzten betreut.
Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei haben auf jeden Fall die Ermittlungen begonnen: „Das ist ein ganz normaler Vorgang nach Todesfällen“, sagt Andrä: „Dann muss entschieden werden, wie diese Ermittlungsergebnisse bewertet werden und welche Konsequenzen daraus gezogen werden.“ Warum das über 30 Jahre alte Hallendach am Montag um 16.00 Uhr plötzlich eingestürzt ist – darüber wird immer noch spekuliert.
Der Reichenhaller Bürgermeister Wolfgang Heitmeier (CSU) hat alle bisherigen Vorwürfe zurückgewiesen, wonach es Hinweise auf eine mögliche Einsturzgefahr gegeben hat. Das Hallendach war in Ordnung, sagt Heitmeier.
Sanierungspläne habe es für die Schwimmhalle gegeben, nicht für die Eishalle: „Es gab hier auch nach Überprüfungen durch den Statiker keine Veranlassung, hier am Gebäude irgendwelche Problemstellungen zu erkennen.“
Info-Telefon für Angehörige: Die Behörden in Bayern haben für Angehörige von vermissten Personen ein Info-Telefon eingerichtet. Ansprechpartner sind unter den Rufnummern +49 (0) 86 51 / 97 02 38 sowie unter + 49 (0) 86 51 / 97 02 60 zu erreichen.
