Schweiz: Kleinflugzeug stürzt in Basel auf Wohnhaus ab
Basel (Schweiz): Beim Absturz eines Kleinflugzeugs auf ein Wohnhaus in Basel ist am 23. Juli 2007 der Pilot ums Leben gekommen. Das Flugzeug durchschlug den Dachstock eines Mehrfamilienhauses und setzte diesen in Brand.
Der Pilot war Inhaber zahlreicher aviatischer Rekorde und plante für den Herbst einen neuen Weltrekordversuch mit einem Flug über Nord- und Südpol.
Das auf dem EuroAirport in Basel-Mühlhouse gestartete Kleinflugzeug stürzte gegen 11 Uhr 25 über dem Basler Bachgraben-Quartier auf ein 150 Meter langes Mehrfamilienhaus mit 30 Wohnungen ab, wie der Sprecher der Kantonspolizei sagte. Die Maschine rasierte den Dachstock des Hauses weg, setzte diesen in Brand und stürzte auf einen Robinson-Spielplatz. Die Leiche des Piloten wurde auf dem Spielplatz geborgen. Laut Kantonspolizei gab es keine weiteren Todesopfer. Sechs Personen wurden aber leicht verletzt. Vier Rettungsleute und zwei Anwohner, darunter eine ältere Frau, die einen Schock erlitt.
Obere Stockwerke zerstört: Grosses Glück hatten 19 Kinder, die sich zur Absturzzeit mit ihrer Betreuerin auf dem Spielplatz aufhielten. Die Betreuerin konnte die Kinder in Sicherheit bringen. «Es gab einen lauten Knall», sagte eine Betreuerin. Ein Klettergerüst auf dem Spielplatz sei in Flammen aufgegangen. Auf dem Spielplatz blieben Trümmerteile und das Wrack liegen. Beim Absturz und dem dadurch verursachten Brand wurden die oberen Stockwerke vollständig zerstört. Sämtliche Bewohner des Wohnhauses an der Roggenburgstrasse wurden evakuiert. Die Wohnungen sind bis auf weiteres unbewohnbar, da Gas, Strom und Wasser abgestellt werden mussten.
Man habe sehr viel Glück gehabt, dass nicht mehr Menschen zu Schaden gekommen seien, sagte Einsatzleiter Rolf Meyer. Für die Löscharbeiten standen rund 100 Feuerwehrleute im Einsatz.
Ehemaliger Pilot der Swissair: Beim Piloten handelte es sich um den ehemaligen Swissair-Piloten Hans Georg Schmid. Der knapp 59-Jährige war vor sechs Jahren Opfer des Swissair-Groundings geworden. Er hielt mehrere aviatische Weltrekorde. Nun war er unterwegs zu einem der weltweit grössten Flugmeeting. Schmid wollte die rund 8000 Kilometer von Basel bis nach Oshkosh im amerikanischen Bundesstaat Wisconsin in 30 Stunden allein zurücklegen. Für den Herbst dieses Jahres war ausserdem ein neuer Rekordflug geplant, der im einmotorigen Kleinflugzeug erstmals über Nord- und Südpol führen sollte. Im Jahre 2000 hatte Schmid ebenfalls in einem Eigenbau-Flugzeug im Rahmen eines «Millenium Flight» die Erde einmal in östlicher und einmal in westlicher Richtung umrundet. Dabei hatte er die bisherigen entsprechenden Weltrekord-Zeiten unterboten und wurde neuer Rekordhalter.
Das am Montag abgestürzte Flugzeug vom Typ «Express 2000 ER» war laut der Sprecherin des Basler Flughafens mit 1700 Liter Benzin betankt. Laut dem stellvertretendem Direktor des Flughafens EuroAirport, Vincent Devauchelle, hatte die Maschine Startprobleme. Das Büro für Flugunfalluntersuchungen leitete Ermittlungen ein. Berichte, wonach Schmid den Start wegen technischer Probleme vom Samstag auf den Montag verschoben habe, wurden auf dem EuroAirport nicht bestätigt. Der Flug hätte auch an den 80. Jahrestags der ersten Atlantik-Überquerung durch Charles Lindbergh erinnern sollen.
«Ich glaube wir müssen offen zugeben: das war Glück im Unglück», sagte der Basler Regierungsrat Carlo Conti in der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens. Die Bewohner der vier Liegenschaften nahe der Grenze zu Frankreich wurden vorübergehend in einer Zivilschutzanlage untergebracht. Nach dem Brandausbruch mussten Gas, Strom und Wasser abgestellt werden. Über 100 Einsatzkräfte kümmerten sich um Brandbekämpfung, Betreuung und Absperrungen. Die Behörden des Kantons Basel-Stadt erklärten, das Katastrophendispositiv habe sich bewährt. Es sei zu keinem Zeitpunkt zu einer Panik gekommen.
