Deutschland: Umgekippte Kerze verursacht Großeinsatz – 44 Pers. evakuiert

Rendsburg (Deutschland): Vermutlich eine auf einem Fernseher umgekippte Kerze verursachte am Samstagabend, 15. Dezember 2007, in einer betreuten Wohnanlage für Senioren in der Rendsburger Hindenburgstrasse einen Wohnungsbrand und in der Folge einen Großeinsatz von Feuerwehr und Rettungsdienst.
Sechs Bewohner der Anlage wurden verletzt und mit dem Verdacht auf eine Rauchgasinhalation ins Kreiskrankenhaus Rendsburg eingeliefert. 44 Personen wurden evakuiert. Es war der personell größte Rettungsdiensteinsatz im Kreis Rendsburg-Eckernförde in den vergangenen Jahren.
Um 18:52 Uhr geht bei der Integrierten Regionalleitstelle Mitte in Kiel der Notruf ein. „Wohnungsbrand in der betreuten Wohnanlage Hindenburgstrasse“ lautet die Alarmierung für die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Rendsburg. Auch Feuerwehrmann Hans-Herbert Reis wird über seinen Funkalarmempfänger alarmiert. Er wohnt gleich um die Ecke und spurtet los. Auf dem Weg zum Feuerwehrhaus führt sein Weg an der Einsatzstelle vorbei. „Da loderten die Flammen schon aus dem Balkonfenster im 2. Obergeschoß und schlugen gegen den darüber liegenden Balkon“, erzählte er später. Die unmittelbare Gefahr der Brandausbreitung besteht. Viele Menschen befinden sich in dem Haus, das insgesamt über 44 Wohneinheiten besteht.
Der erfahrene freiwillige Feuerwehrmann erkennt die Gefahr und zögert nicht: Anstatt erst zum Feuerwehrhaus zu fahren, läuft er ins Treppenhaus des Brandobjektes und trifft dort auf viele aufgeregte Hausbewohner – durchweg älteren Semesters. Beruhigend wirkt er auf sie ein und geleitet sie sicher ins Freie. Der Weg zur brennenden Wohnung führt durch einen Flur, der durch eine Rauchabschlusstür vom Treppenhaus getrennt ist. An diesen Flur grenzen fünf Wohnungen an – alle bewohnt. Die Menschen befinden sich in einer unmittelbaren Gefahr. Doch der Flur ist bereits vollständig mit schwarzem giftigem Qualm gefüllt. Reis: „Man konnte die Hand vor Augen nicht sehen.“ Ohne Atemschutz war ein Vordringen in diesen Bereich nicht möglich. „Bleiben Sie in ihren Wohnungen und öffnen Sie nicht die Türen. Die Feuerwehr holt sie gleich raus“, ruft Herbert Reis in den Qualm.
Wenig später sind seine Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Rendsburg vor Ort, auch die Freiwillige Feuerwehr Büdelsdorf ist auf dem Weg. Trupps unter schweren Atemschutz dringen in den brennenden Bereich vor und retten vier ältere Menschen mit so genannten Fluchthauben aus unmittelbarer Gefahr.
Hans-Herbert Reis, der soeben verhindert hat, dass vielleicht in Panik geratene Menschen in ihr Verderben laufen, ist routinierter freiwilliger Feuerwehrmann: Da seine Einsatzschutzkleidung noch in der Feuerwache am Haken hängt, macht er sich anderweitig nützlich, setzt sich in den Einsatzleitwagen und koordiniert den Funkverkehr. Auf seine Tat angesprochen, winkt er ab: „Das ist doch nichts. Hätte doch jeder so gemacht.“ Rendsburgs Wehrführer und Einsatzleiter Sönke Brandstaedter sieht das anders: „Hätte Herbert das nicht gemacht, wäre es sicher schlimmer ausgegangen.“
Seine Kameraden bekämpfen indes das Feuer und melden nach wenigen Minuten „Feuer aus“. Die Wohnung ist komplett ausgebrannt. Die erste Rückmeldung eines Atemschutztrupps, man hätte eine Leiche gefunden, ist schnell korrigiert: Ein Stück Schaumstoff auf dem ausgebrannten Sofa nahm eine auf den ersten Blick skurille Form an.
Draußen läuft zeitgleich der größte Rettungsdiensteinsatz ab, den es im Kreis Rendsburg-Eckernförde zumindest in den letzten Jahren gab. Erstmals überhaupt wurde das Stichwort „Kreisalarm“ ausgelöst, d.h. alle ehrenamtlichen DRK-Bereitschaften wurden in Marsch gesetzt. Das betraf die Bereitschaften aus Rendsburg, Eckernförde, Gettorf, Flintbek und Bordesholm. Dazu kam ein Notarzteinsatzfahrzeug aus Kiel und Rettungswagen der Wachen aus Rendsburg, Eckernförde, Felde, Nortorf und Schleswig.

Die komplette Wohnanlage wird evakuiert. Insgesamt 44 ältere Menschen werden ins Freie geleitet – sechs davon gleich ins Kreiskrankenhaus Rendsburg eingeliefert, das daraufhin einen Aufnahmestopp verhängt. D.h. andere zeitgleich auflaufende Notfälle im Kreisgebiet müssen auf andere Krankenhäuser umgeleitet werden. Insgesamt sind ca. 55 Rettungsassistenten und Notärzte im Einsatz. Dazu kommen rund 40 Einsatzkräfte mit acht Fahrzeugen der FF Rendsburg und 30 Einsatzkräfte und 6 Fahrzeuge der FF Büdelsdorf.
38 evakuierte Personen werden von den Rettungsdienstmitarbeitern in das benachbarte Hotel „Conventgarten“ gebracht, registriert, versorgt und betreut. Auch die 69jährige Mieterin der Brandwohnung ist dabei. Sie konnte sich gleich nach Brandausbruch unverletzt retten.
Rendsburgs Bürgervorsteher Eberhard Goll und Landrat Wolfgang von Ancken eilen zur Einsatzstelle, informieren sich, loben die Arbeit der Einsatzkräfte und vermitteln Hilfe. Denn die Bewohner der fünf Wohnungen der vom Brand betroffenen Etage können vorerst nicht in ihre Wohnungen zurück. Die restlichen Bewohner können am späten Abend in ihre Wohnungen zurückkehren. Die Kripo hat die Brandursachenermittlung aufgenommen. Die Schadenshöhe steht noch nicht fest. Um 23 Uhr ist der Einsatz für alle Kräfte beendet.
