Brand

Nö: Flammenmeer bei Großbrand in der Glanzstofffabrik in St. Pölten

St. Pölten (Nö): In der Glanzstofffabrik in Sankt Pölten ist in der Nacht auf den 11. Jänner 2008 ein Großbrand ausgebrochen. Verletzt wurde dabei niemand, der Sachschaden ist aber beträchtlich. Zerstört wurden Teile der Abluftanlage.

Ein Turm in der Glanzstofffabrik drohte einzustürzen, in unmittelbarer Nähe des Brandherdes waren auch brennbare Chemikalien gelagert.

Die Flammen konnten aber rechtzeitig eingedämmt werden, die Feuerwehr hatte den Brand nach einigen Stunden unter Kontrolle. Man sei an einer Katastrophe nur knapp vorbeigegangen hieß es von der Feuerwehr. Noch unklar ist die Höhe des entstandenen Schadens. Eine Brandermittlungskommission wird am Vormittag des 11. Jänner 2008 eingesetzt. Durch den Brand musste die Produktion im Werk stillgelegt werden. Wann sie wieder aufgenommen werden kann ist unklar. Am Standort sind 350 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Glanzstoffgruppe: Die GLANZSTOFF-Gruppe, ein Unternehmen der CAG Holding GmbH, ist führend in der Herstellung und Konvertierung von Viskosegarnen für technische und textile Einsatzbereiche. Etwa bei Autoreifen. Jährlich werden in der gesamten Glanzstoff-Gruppe rund 23.000 Tonnen Viskose Filamentgarne, mit 1.100 Mitarbeitern und einem Umsatz von ca. 200 Mio € produziert und weiterverarbeitet.
Glanzstoff Austria

Bericht der FF St. Pölten:
Gegen 22.00 Uhr schrillten in der Bereichsalarmzentrale St. Pölten am 10. Jänner 2008 die Alarmglocken – in der Firma Glanzstoff Austria AG (einem der größten Industriebetriebe der Landeshauptstadt) geriet aus unbekannter Ursache eine große Abluftanlage in Brand. Durch die vor Ort installierte Betriebsfeuerwehr wurde umgehend Großalarm ausgelöst.

Den ersten eintreffenden Feuerwehrkräften bot sich ein wahres Horrorszenario – eine große Abluftanlage samt deren Anbauten sowie dem integrierten Rohrsystem stand in Vollbrand. Die Flammen loderten in den Nachthimmel, ein Brandübergriff auf den angebauten Kamin (Höhe 80 Meter) sowie angrenzenden Produktionshallen drohte sich zu entwickeln.

Das Hauptaugenmerk lag auf dem Kamin. Durch die immense Brandbeaufschlagung drohte der Brand komplett überzugreifen und somit die Stabilität des Kamins zu schwächen, dass ein Umstürzen des Kamins zur Folge haben könnte. Durch die Einsatzleitung (Bezirksfeuerwehrkommandant LFR Dietmar Fahrafellner, OBI Friedrich Band [BTF Glanzstoff] sowie weitere Bereichseinsatzleiter) wurde nach einer kurzen Situationsbesprechung wie folgt vorgegangen:

• Bildung von 4 Einsatzabschnitten samt Abschnittsleitern
• Umfassender Löschangriff mit drei Drehleitern sowie einer Teleskopmastbühne
• Einsatz von 6 Wasserwerfern sowie 6.000 Liter alkoholbeständigen Schaummittel
• Bis zu 30.000 Liter Wasser pro Minute in der „heißen“ Phase
• Kühlung des Kamins wegen Umsturzgefahr
• Innenangriff zum Schützen der Produktions- und Lagerhallen
• Festlegung eines eventuellen Gefahrenradius sollte der Kamin umstürzen
• Punktuelle Löschangriffe innerhalb der Industrieanlage
• Massiver Löschangriff über eine Länge von ca. 200 Meter am Dach
• Aufbau einer Wasserversorgung aus dem vorbeifließenden Mühlbach
• Warnungen aufgrund des Brandes über Radio aufgrund der massiven Rauchentwicklung, Konzentrationen von gefährlichen Dämpfen waren nicht festzustellen.

Durch den umfassenden Feuerwehreinsatz wurde eine eigene Einsatzleitung eingerichtet, von der aus die Koordination aller eingesetzten Kräfte im Betriebsgelände erfolgte. Aufgrund des umfangreichen Atemschutzeinsatzes wurde ein Atemschutzsammelplatz an der Ostseite des Betriebes eingerichtet, ausgestattet war dieser mit zwei Atemluftkompressoren.

Der umfassende Löschangriff zeigte Wirkung, der Brand konnte vorerst niedergeschlagen werden. Gegen 03.00 Uhr früh war der Brand unter Kontrolle, „Brand Aus“ konnte um 05.00 Uhr gemeldet werden.

Nachdem die Flammen niedergeschlagen waren, ging die Kühlung des Kamins sowie der Abluftanlage weiter um eventuelle Rückzündungen zu vermeiden. Während der Löscharbeiten wurde der Kamin durch Beobachtungsposten im Auge behalten um jegliche Veränderungen sofort zu erkennen.

Gegen 05.00 Uhr wurde „Brand Aus“ gegeben, durch die Betriebsfeuerwehr Glanzstoff und weitere Feuerwehren aus der Stadt wurde eine Brandwache eingerichtet.

Statistik:
Eingesetzt waren 22 Feuerwehren aus 3 Feuerwehrabschnitten mit 60 Fahrzeugen und 360 Einsatzkräften. An Sondergeräten kamen unter anderem drei Drehleitern, eine Teleskopmastbühne, ein Großtanklösch- sowie zwei Atemluftfahrzeuge zum Einsatz.

Freiw. Feuerwehr St. Pölten
Freiw. Feuerwehr Unterradlberg
ORF Niederösterreich

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