Deutschland: TV: Dramatischer Autobrand – Pkws explodieren nicht (17.2.08)

Deutschland: „Wir hatten alle Schutzengel dieser Welt“. Auch wenige Wochen nach einem schweren Verkehrsunfall bei Sauensiek im Landkreis Stade kann es Sabine Krohn (47) noch immer nicht fassen, wie viel Glück sie selbst, ihre Mutter Hilde und ihre beiden Töchter Janine und Svenja gehabt haben.
Zur Erinnerung: Die Autofahrerin war am 22. Oktober 2007 gegen 17.00 Uhr mit ihrem Opel Astra gegen einen Baum geprallt, der Pkw geriet in Flammen. Erst in letzter Sekunde befreiten mutige Ersthelfer die Familie aus dem brennenden Auto. In seiner Beitragsreihe „Die Unfallakte“ berichtet das VOX-Magazin „auto mobil“ am Sonntag, 17. Februar 2008 (17.00 Uhr bis 18.15 Uhr), über diesen Unfall und klärt Autofahrer darüber auf, dass Fahrzeuge selbst bei Vollbrand nicht explodieren.
„Wenn die Ersthelfer nicht so schnell gehandelt hätten, wären mit Sicherheit Personen im Fahrzeug verbrannt“, schildert Fred Nielson von der Freiwilligen Feuerwehr Sauensiek. „Wir waren schnell. Aber als wir eintrafen, wäre es eindeutig zu spät gewesen“. Ausdrückliche Anerkennung gibt es für die couragierte Arbeit der beherzten Ersthelfer deshalb auch von Polizeioberkommissar Rainer Bohmbach von der Polizei in Stade: „Mehrere Helfer haben sich gegenseitig Mut gemacht, zuzugreifen. Und wenn sie nicht so schnell und mutig geholfen hätten, dann wäre mit Sicherheit eine eingeklemmte Frau in dem Auto verbrannt“. Worte, die verdeutlichen, wie viel Glück die Krohns an diesem Tag gehabt haben.
Sabine Krohn erinnert sich bei VOX: „Ich war relativ schnell aus dem Auto. Hinten saßen noch meine Töchter. Und die Beifahrertür meiner Mutter war verklemmt. Ich wollte helfen, konnte nichts tun und hatte panische Angst davor, dass ich zugucken muss, wie sie vor meinen eigenen Augen im Auto verbrennt“. Inzwischen hatten auch die ersten Autos gestoppt. Außendienstler Martin Höger entscheidet sich, zu handeln. „Ich hab erst gar nicht überlegt, für mich war das völlig selbstverständlich. Nicht nur die Beifahrertür war verklemmt, sondern auch der Fuß der alten Dame saß fest. Ich habe nie darüber nachgedacht, was gewesen wäre, wenn wir es nicht geschafft hätten, sie rechtzeitig zu befreien“, berichtet er in der „Unfallakte: Sauensiek“ bei „auto mobil“ auf VOX.

Vergeblich hatten die Ersthelfer bei anderen Autofahrern nach Feuerlöschern gefragt. Und dann gab es an der Unfallstelle sogar noch eine Diskussion darüber, ob es nicht zu gefährlich ist, sich dem brennenden Auto zu nähern. Martin Höger: „Einige Verkehrsteilnehmer haben gesagt: Geht da weg! Das Auto fliegt gleich in die Luft! Viele haben auch einfach umgedreht und sind weggefahren. Die scheint nicht einmal interessiert zu haben, dass wir hier um das Leben von Menschen gekämpft haben“. Auch Martin Höger und den anderen Ersthelfern gelingt es trotz Dreifuß und dem Einschlagen der Fensterscheibe nicht, die Beifahrertür zu öffnen. Sie entschließen sich, die Verletzte über das Heck des Kombis zu befreien. „Über die rechte Beifahrertür haben wir den Sitz nach unten gedreht und die Frau dann über den Kofferraum nach draußen gezogen. Wenige Sekunden, nachdem wir sie heraus hatten, stand der Fahrgastraum des Opel dann lichterloh in Flammen“.
Inzwischen war auch Willy Krohn an der nur wenige Kilometer vom Wohnort entfernten Unfallstelle eingetroffen. Fassungslos muss er mit ansehen, wie seine Frau, seine beiden Töchter und seine Schwiegermutter mit zum Teil schwersten Frakturen zum Abtransport in Krankenwagen und Rettungshubschrauber vorbereitet werden. „Meine Tochter musste am Rücken operiert werden, meine Schwiegermutter am Hals. Beide standen also kurz vor einer Querschnittslähmung. Es ist in jeder Hinsicht geradezu unvorstellbar, wie viel Glück im Unglück alle an diesem Tag gehabt haben“, sagt der selbständige Kfz-Meister. Seine Frau Sabine stimmt zu: „Wir können jetzt jedes Jahr am 22. Oktober gemeinsam unseren 2. Geburtstag feiern“.

In dem siebenminütigen TV-Bericht dokumentiert VOX nicht nur die Details der dramatischen „Rettung in letzter Sekunde“, sondern versucht auch, Autofahrern die Angst vor brennenden Fahrzeugen zu nehmen. „Leider ist es so, dass viele glauben, brennende Autos könnten explodieren. Und dadurch haben viele Menschen Angst davor, sich ihnen zu nähern. Das führt immer wieder dazu, dass Menschen nach Verkehrsunfällen nicht gerettet werden“, erläutert Dipl.-Ing. Thomas Lange, Brand-Experte der Sachverständigen-Organisation DEKRA. Thomas Lange: „Die Angst davor ist völlig unbegründet, denn Explosionen finden aus Gründen der Effekthascherei nur in Filmen statt. Man hat also wirklich genügend Zeit, Insassen zu retten und zu evakuieren. Das Einzige, worauf man achten muss, ist, dass man die Rauchgase nicht einatmet!“
Für Willy Krohn und die engagierten Ersthelfer ist es inzwischen völlig selbstverständlich, immer einen Feuerlöscher an Bord zu haben. „Diese Momente vergisst man sein ganzes Leben nicht“, beschreibt Martin Höger, „Denn das war wirklich sehr knapp“. Und obwohl der Außendienstler ein echter Lebensretter ist, mag er es nicht, als Held bezeichnet zu werden: „Das was ich gemacht habe, war doch überhaupt nicht gefährlich. Ich habe nur geholfen. So, wie ich es in diesem Moment von anderen Menschen auch erwartet hätte“. Warum der Pkw nach dem Unfall in Brand geraten ist, darauf hat Kfz-Meister Krohn inzwischen übrigens eine Antwort gefunden: „Die Benzinleitung ist durch den Unfall zerrissen. Entweder gab es dann einen Kurzschluss, der die Flammen ausgelöst hat. Oder aber eine Berührung mit dem heißen Katalysator bzw. dem Auspuff“.
