Deutschland: Brandserie bedrohte Menschenleben und hohe Sachwerte in Ratingen

Ratingen (Deutschland): In der Nacht vom Samstag, dem 16.02., zum Sonntagmorgen des 17.02.2008 kam es in der Ratinger Innenstadt zu einer Serie offensichtlicher Brandlegungen, bei denen Unbekannte aus bislang unbekannter Motivation Feuer an mindestens vier Altpapiertonnen bzw. -containern legten.
In einem Fall nahm die Brandlegung an einer Altpapiertonne einen dramatischen Verlauf, weil das Feuer von der Tonne, über einen unmittelbar angrenzend stehenden Carport / Garage, auf die Fassade eines dazu gehörenden, freistehenden Einfamilienhauses übergriff und dabei Menschenleben gefährdete und bedeutende Sachwerte zerstörte.

Den Anfang nahm die Brandserie am frühen Sonntagmorgen gegen 03.00 Uhr, als Feuerwehr und Polizei erstmalig in dieser Nacht zum Brand einer blauen Altpapiertonne gerufen wurden, die zwischen Anger- und Turmstraße stand. Die Feuerwehr Ratingen konnte den Brand löschen, bevor er sich weiter ausbreitete, jedoch nicht verhindern, dass das Feuer die bis zum Rand mit Papier gefüllte Tonne komplett zerstörte. Bei den polizeilichen Ermittlungen zu diesem Brand gab es schnell erste Zeugenhinweise auf zwei verdächtige Jugendliche, die unmittelbar vor dem Feuer an der Ecke Grütstraße / Turmstraße eine Dixi-Toilette umgeworfen haben sollen und die dann später auch beim Verlassen des Brandortes gesehen wurden.

Während die polizeilichen Fahndungsmaßnahmen nach den beiden beschriebenen Tatverdächtigen gerade anliefen, gab es schon um 03.10 Uhr, von der nahegelegenen Kirchgasse, eine weitere Brandmeldung. Auch hier brannte eine Papiertonne, die bis zum schnellen Löscheinsatz der Feuerwehr dennoch ebenfalls komplett zerstört wurde. Obwohl hier keine Zeugenhinweise zu verdächtigen Personen vorlagen, war ein Tatzusammenhang zum ersten Brand mehr als wahrscheinlich.
Die daraufhin weiter intensivierten Fahndungsmaßnahmen wurden gegen 03.40 Uhr von einer neuen Brandmeldung eingeholt, welche Polizei und Feuerwehr in den weiteren Bereich Phillippstraße rief. Hier stellten die Einsatzkräfte dann den Brand an der Friedrich-Mohn-Straße fest, der bereits von einer bzw. mehreren Papiertonnen auf den Carport und die Fassade des Hauses Nr. 12 übergegriffen hatte. Der Polizei gelang es gerade noch rechtzeitig eine 86-jährige Bewohnerin des Hauses zu wecken und unverletzt zu evakuieren, die in der Einliegerwohnung im Untergeschoss des Hauses geschlafen und den Brand selbst nicht bemerkt hatte. Die schwer geschockte Seniorin konnte nach notärztlicher Erstversorgung an Angehörige übergeben werden, die sich um die alte Dame kümmerten und sie auch für die kommende weitere Zeit aufnehmen werden. An dem in Brand geratenen Haus konnte die Feuerwehr trotz ihres schnellen und professionellen Einsatzes nicht verhindern, dass der Dachstuhl komplett ausbrannte und auch das Erd- und Untergeschoss des Hauses von Feuer, Rauch, Russ und Löschwasser so schwer beschädigt wurden, dass das gesamte Gebäude heute unbewohnbar ist. Im Carport brannte zudem ein Pkw aus.

Trotz dieser dramatischen Entwicklung der Brandserie, war selbige zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht zu Ende. Gegen 04.30 Uhr wurde ein erneuter Containerbrand auf dem Wilhelmring in Höhe Graf-Adolf-Straße gemeldet. Diesen konnte die Feuerwehr schnell löschen und auch die Fahndungsmaßnahmen der Polizei zeigten endlich einen konkreten Erfolg, als noch in unmittelbarer Nähe des Brandortes, auf dem Freiligrathring zwei 16- und 17-jährige Ratinger angetroffen wurden, auf welche die Täterbeschreibungen vom ersten Brand an der Angerstraße sowie der umgeworfenen Dixi-Toilette zutrafen. Bei ihrer Überprüfung wurden in der Kleidung nicht nur gleich mehrere Feuerzeuge, sondern auch diverse Zeitungen gefunden, welche die Jungen unter der Oberbekleidung versteckt im Hosenbund verborgen hatten. Außerdem verwickelten sich die beiden Jungen schon bei ihren ersten Aussagen in deutliche Widersprüche.
Wegen des dringenden Tatverdachtes der mehrfachen Brandlegung sowie schweren Brandstiftung, wurden die beiden nicht alkoholisierten Ratinger Gymnasiasten vorläufig festgenommen und an die Kriminalwache übergeben. Im Zuge der dort bisher bereits erfolgten Erstvernehmungen, räumte der 17-jährige Beschuldigte die Tatbegehungen inzwischen ein, sein 16-jähriger Mittäter konnte sich bisher noch nicht zu einem Geständnis aufraffen. Ein Strafverfahren gegen beide Beschuldigten wurde eingeleitet. Nach Rücksprache mit der zuständigen Staatsanwaltschaft verbleiben die beiden bisher nicht polizeilich in Erscheinung getretenen Jugendlichen weiter in polizeilichem Gewahrsam. Sie sollen am Montag einem zuständigen Haftrichter vorgeführt werden. Die jeweiligen Eltern der beiden Beschuldigten wurden über den Stand der polizeilichen Ermittlungen und den Verbleib ihrer Kinder informiert.
Der bislang bekannte Schaden der nächtlichen Brandserie, die nur mit sehr viel Glück und ohne zutun der beiden Straftäter keine Menschenleben forderte, wird zur Zeit auf mindesten 260.000,- Euro geschätzt.
