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China/Tibet: Feuerwehrleute Opfer von Übergriffen

China/Tibet: Fünf Monate vor den Olympischen Spielen in Peking sind am 14. März 2008 die Protestaktionen gegen die chinesische Herrschaft in Tibet am Freitag eskaliert.

Wütende Tibeter verwüsteten in der Hauptstadt Lhasa die Geschäfte von chinesischen Besitzern und setzten sie in Brand. Auf dem Platz vor dem Jokhang-Tempel in der Altstadt seien Polizisten und Feuerwehrleute attackiert, ihre Fahrzeuge umgestürzt und angesteckt worden.
„Die Polizei hat in die Menge geschossen“, berichteten Augenzeugen dem US-amerikanischen Sender Radio Free Asia (RFA). „Es gab Schüsse und Tote“, sagte eine andere Quelle.

Ein Augenzeuge habe zwei Leichen am Barkor genannten Pilgerweg um den Jokhang-Tempel in der Altstadt gesehen. Ein Großaufgebot von Soldaten setzte am Abend eine Ausgangssperre durch. In anderen Berichten wurden noch höhere Opferzahlen genannt. „Die Polizei hatte Anweisung, keine Gewalt anzuwenden, sah sich aber zum Einsatz von Tränengas sowie zu Warnschüssen gezwungen, um die aufgebrachte Menge auseinanderzutreiben“, zitierte die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag (Ortszeit) anonyme Quellen.

Nach ihren Angaben wurden bei den Straßenschlachten zahlreiche Polizisten schwer verwundet. Mehrere Gebäude, darunter eine Moschee, seien in Brand gesetzt worden.
Das Oberhaupt der Tibeter im Exil, der Dalai Lama, bezeichnete die Zusammenstöße als Zeichen einer „tief verwurzelten Abneigung gegen das tibetische Volk“ durch China. Er sei über die Situation zutiefst besorgt, „die sich in Tibet aus friedlichen Demonstrationen entwickelt hat“, sagte er in seinem indischen Exil in Dharamsala.

Der Dalai Lama rief die chinesische Führung auf, die Gewaltanwendung gegen das tibetische Volk zu beenden. „Ich appelliere auch an meine tibetischen Landsleute, nicht zur Gewalt zu greifen“, fügte er hinzu. Die Proteste gegen die seit mehr als einem halben Jahrhundert währende chinesische Herrschaft sind die schwersten seit fast 20 Jahren.

Ein Bewohner von Lhasa, der seinen Namen nicht genannt wissen wollte, sagte, über Lhasa sei eine Ausgangssperre verhängt worden. Militärpolizisten hätten alle Straßen in die Innenstadt gesperrt, fast alle Geschäfte seien geschlossen. Eine Touristin, die ebenfalls nicht genannt werden wollte, sagte, Soldaten seien in der Innenstadt. Alle großen Klöster seien geschlossen, überall seien Polizisten. Ein Mitarbeiter eines Reisebüros in Lhasa sagte, Ausländern seien Reisen nach Tibet inzwischen verboten.

Buddhistische Mönche traten in den Hungerstreik, meldete RFA. Dem Sender zufolge befanden sich zwei Mönche des Klosters Drepung bei Lhasa nach einem Selbstmordversuch in kritischem Zustand. „Es gibt viele Mönche, die sich aus Verzweiflung Gewalt antun“, zitierte der Sender einen Gewährsmann. Eine Augenzeugin berichtete RFA von Hunderten Demonstranten, darunter Mönche und Zivilpersonen.
Peking ersuchte unterdessen die nepalesische Regierung, Touren auf den Mount Everest bis zum 10. Mai zu verbieten. Von der chinesischen Seite sind Besteigungen des höchsten Berges der Erde bereits bis dahin verboten – offiziell aus Umweltschutzgründen.
Als wahrer Grund wird aber die Absicht Pekings vermutet, die Fackel mit dem Olympischen Feuer auch auf den Mount Everest tragen zu lassen – und tibetische Proteste bei diesem Ereignis von vornherein zu verhindern. In Nepal leben viele Exil-Tibeter.
Die EU-Staats- und -Regierungschefs riefen China zur Zurückhaltung auf. Der EU-Gipfel habe einen entsprechenden Text der slowenischen Ratspräsidentschaft gebilligt, sagte der französische Außenminister Bernard Kouchner zum Abschluss des Treffens am Freitag. „Wir haben sehr deutlich gefordert, dass die Respektierung der Menschenrechte gewährleistet sein muss. Die Verurteilung ist deutlich und kommt vom gesamten Europäischen Rat und den 27 Mitgliedsstaaten“, fügte Kouchner hinzu.

US-Präsident George W. Bush setzt sich für einen Dialog zwischen der chinesischen Führung und dem Dalai Lama ein. Darauf verwies der stellvertretende Sprecher des Weißen Hauses, Tony Fratto, am Freitag in Washington.

ORF-News

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