Oö: Sprengweiterbildung im bayrischen Grafenwöhr
Hub (Oö): Am 8. und 9. April veranstalteten unsere Kameraden aus dem Landkreis Deggendorf wieder eine Sprengweiterbildung am Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Oberpfalz.
Kreisbrandrat Leopold Schmid und Kreisbrandmeister Erwin Wurzer waren massgeblich für die Planung und Durchführung dieser hervorragenden Weiterbildung verantwortlich. Neben diesen beiden Kameraden waren auch dieses Jahr wieder zahlreiche Helfer am Werk: Max Hupfloher, Josef Griesberger und Stefan Harass von der FF Osterhofen, sowie KBM Josef Fritsch (FF Wallerfing), Oberstabsfeldwebel Josef Schmid, Erwin Kaupa und ein Kollege vom bayrischen roten Kreuz, sowie Soldaten der Panzerpioniere Bogen.
Am 8. April um 11 Uhr trafen sich alle Teilnehmer am Autobahnrasthof „Bayerischer Wald“ um anschließend gemeinsam nach Grafenwöhr zu fahren. Dort sollten nochmals 3 Teilnehmer zu uns stossen, die von Berlin, bzw. Heidelberg anreisten.

Für den ersten Tag war der Aufbau und die Beschaffung der Absperrposten geplant, um am 2. Tag bereits früh beginnen zu können. Die Schiesserlaubnis, die uns die Platzverwaltung erteilt hatte, ging von 08:00 bis 16:00. Zu beachten ist, das wir am Truppenübungsplatz einen Sicherheitsradius von einem Kilometer zugeteilt bekamen. Während der angeführten Zeit mussten alle Zufahrten von den Absperrposten kontrolliert werden. Ebenso war kein Überflug über das Gebiet des Sprengplatzes „DEMO 1“ gestattet. Am Truppenübungsplatz gibt es „areas“, die für ‚artillery‘ und Luftangriffe reserviert sind.
Nachdem auch die 3 Sprengbefugten aus Heidelberg und Berlin zu uns aufgeschlossen waren, passierten wir zum ersten Mal „Gate 3“ – das Haupttor der Übungsplatzs. Die Sicherheitsposten bei den Zugängen zum Übungsplatz führten – wie jedes Jahr – strenge Kontrollen durch und wir konnten nach einer halben Stunde zu unserer Unterkunft „Normandie“ weiterfahren. Diese Kontrollen wiederholten sich noch mehrmals.
Im Anschluss ging es auf den Sprengplatz „DEMO 1“ im Süden des Übungsplatzes. Dieses Jahr war die Fahrt auf den Bundes- und Panzerstraßen mit 60 bzw. 70 km/h gestattet. Nicht unerheblich, bei 20 Kilometern Strecke, die für eine einfache Fahrt zurückzulegen sind. Der Aufbau war bereits im Gange als wir eintrafen, da der „10 Tonner“ direkt zu „DEMO 1“ fuhr. Im österreichischen Heer ist dieser „10 Tonner“ auch als „S-LKW“ bekannt.
Nach dem Aufbau bewegte sich der Tross zur Kaserne Weiden, wo man das Abendessen einnahm. Nach der Nächtigung in der „Normandie“ ging es wieder zur Kaserne Weiden zum Frühstück. Wie bereits berichtet war es uns gestattet am Tag 2 der Weiterbildung von 08:00 bis 16:00 auf dem Sprengplatz zu ‚arbeiten‘. Die Sprengungen wurden aufgeteilt, sodass der 1. Teil vormittags und der 2. Teil nachmittags gezündet wurden. Im Anschluss ein paar interessante Objekte und die daraus gewonnenen Erfahrungen:
Hohlladung
Eine Hohlladung ist ein Sprengmittel um zB Löcher durch Metall zu sprengen. Aus diesem Grund sind in einer Hohlladung neben dem Sprengstoff auch Kupfer enthalten. Das Kupfer wird bei der Zündung des Sprengstoffs verflüssigt und durch das Metall ‚geschossen‘. Für diesen Zweck gibt es bereits vorgefertigte Lösungen, man kann jedoch auch selbst mit einfachen Mitteln eine Hohlladung erzeugen.

Schneidladung
Eine Schneidladung arbeitet nach dem gleichen Prinzip wie eine Hohlladung. Anstelle einer Öffnung soll eine solche Ladung jedoch einen Metallträger durchschneiden. Solche Schneidladungen wurden beispielsweise bei der Sprengung der beiden Hochhäuser am Harter Plateau verwendet um die I-Träger zu abzuschneiden. Beim Einsatz dieser Ladungen kann man zwei Methoden verwenden: a) Einsatz der Scherwirkung b) parallele Anbringung und Einsatz der gegenseitigen Vernichtung der Ladungen.

Beide Methoden haben ihre Berechtigung. Unsere Objekte waren allesamt nicht unter „Spannung“. Bei Metallträgern die direkt in Gebäuden eingebunden sind, ist der Wirkungsgrad von Schneidladungen ungleich höher.
Baumsprengen
Baumsprengen wurden bei unseren Beispielen ausschließlich mit Detonex durchgeführt. Bei Detonex handelt es sich um Sprengschnüre. Diese Schnüre enthalten 12, 20, 40 oder 100 Gramm Nitropenta pro Laufmeter. Nitropenta ist ein sogenannter Intitialsprengstoff, der auch Sprengkapseln vorkommt und mit einer Detonationsgeschwindigkeit von 7000 m/s ‚umsetzt‘. Bei den Bäumen wurde großteils Detonex 100 verwendet. Laut Berechnungsformeln ist eine Wicklung pro Zentimeter Holzdurchmesser notwendig um einen Stamm zu durchschlagen. Diese Formel stützt sich auf 12-grammiges Detonex.
Auto
Erwin Wurzer organisierte für die diesjährige Weiterbildung einen Pkw, um die Gefährlichkeit von bereits relativ kleiner Mengen Sprengmittel in diesem Bereich zu demostrieren. Einige der Soldaten, die an der Sprengweiterbildung teilnahmen, waren bereits in Afghanistan oder auf ähnlichen Einsätzen. Am Fahrzeug wurden im ersten Durchgang, jeweils Sprengladungen im Kofferraum und an der Fahrerseite montiert. Unmittelbar nach der Zündung ging das Fahrzeug in Flammen auf. Für die Sprengung am Nachmittag wurden „Sprengfallen“ an Leitplanken angebracht. Diese Fallen waren mit Nägel und anderen Metallteilen gefüllt. Ziel dieser Übung war die Demostration der Durchschlagskraft dieser Falle. Die Teile durchschlugen das Fahrzeug und liesen auch den aufgestellten „Pappkameraden“ keine Chance.

Diese 4 Objekte stellen einen Teil der Sprengweiterbildung dar und brachten den teilnehmenden Sprengtrupps aus Schärding und Ried sowie den Kameraden aus Deggendorf wertvolle Erfahrungen in diesem Bereich.
