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USA: Waldbrände um Los Angeles außer Kontrolle (+Videos)

Los Angeles (USA): Trotz verzweifelter Bemühungen Tausender von Feuerwehrleuten haben sich die Waldbrände in der Umgebung von Los Angeles weiter ausgebreitet. Die Millionenstadt war am 16. November 2008 von drei Seiten eingeschlossen.

Tausende Menschen waren auf der Flucht vor den wütenden Flammen. Diese machen keinen Unterschied zwischen Arm und Reich. So brannten mehr als 800 Mobile Homes genauso nieder wie Luxusvillen und Mehrfamilienhäuser. Insgesamt verbrannte eine Fläche von 75 Quadratkilometern. Ein Mann wurde mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht, vier Feuerwehrleute wurden leicht verletzt. Knapp 20 Helikopter und Löschflugzeuge standen für Einsätze am Sonntag, dem 16. November 2008, bereit. Der starke Wind hatte ihren Einsatz in der Nacht unmöglich gemacht.

Der Santa-Ana-Wind, der in der Region auch «Teufelswind» genannt wird, ist ein heißer, trockener Wind, der im Herbst und Winter im Süden Kaliforniens auftritt. Mit Geschwindigkeiten bis 120 Kilometern in der Stunde facht er die Brände immer wieder an und lässt die Funken über weite Strecken fliegen. So übersprangen die Buschbrände auch leicht mehrere Autobahnen im südöstlich von Los Angeles gelegenen Anaheim – siehe auch Video –, wo große Anwesen zu Asche verbrannten. Wegen der Brände wurden zwei Autobahnen geschlossen, ein Spital musste evakuiert werden.

Prominenten-Villen in Gefahr: Rund 800 Feuerwehrleute bekämpften das Buschfeuer im Bezirk Santa Barbara. In Montecito bangten zahlreiche Prominente um ihre Villen. Rund 5400 Häuser wurden dort evakuiert, mindestens 13 Menschen erlitten Verletzungen. Die Behörden erklärten, 183 Häuser seien bereits niedergebrannt. Die Flammen zerstörten zumindest in Teilen das Anwesen des Schauspielers Christopher Lloyd, wie die «Los Angeles Times» berichtete. Sorgen machte sich auch die Fernsehmoderatorin Oprah Winfrey. Sie sagte bei einer Aufzeichnung ihrer Show am Freitag, die Flammen seien noch etwa drei Kilometer von ihrem Haus entfernt. Die Häuser von Freunden und Nachbarn seien zerstört worden.

Neue Züricher Zeitung

ORF-Bericht:

Verheerendste Brände seit 47 Jahren
In Südkalifornien nehmen die Waldbrände immer verheerendere Ausmaße an: Am Sonntag haben die Löschmannschaften bereits gegen zumindest vier riesige Brandherde angekämpft. Mittlerweile wurden laut einem Bericht der „Los Angeles Times“ in den Bezirken Los Angeles, Santa Barbara und Orange County mindestens 30.000 Menschen aufgefordert, ihre Häuser zu räumen. Die Brände wüteten am Sonntag, 16. November 2008, auf Tausenden Hektar Fläche. Hunderte Gebäude seien bereits ein Raub der Flammen geworden, meldete die Zeitung. Aufgrund der Flächenbrände, die sich durch große Trockenheit und teils orkanartigen Wind rasant ausbreiteten, sowie dichter Rauchwolken mussten in der Region mehrere Highways – darunter wichtige Hauptverkehrsadern – für den Verkehr gesperrt werden.

Wohnpark völlig niedergebrannt: Nördlich der Stadt Los Angeles wurden bis zum Sonntag rund 10.000 Menschen evakuiert. Im dicht besiedelten Vorort Sylmar, rund 20 Kilometer nördlich der Metropole, brannte eine Siedlung mit mehr als 500 Wohncontainern, der Oakridge Mobile Home Park, vollständig nieder.

„Keine Zeit zu verlieren“: Die Brände in Los Angeles sind die schlimmsten seit fast einem halben Jahrhundert. „Dieses Feuer bewegt sich so schnell, so dass wir keine Zeit zu verlieren haben“, so der stellvertretende Polizeichef der Stadt, Michael Moore, gegenüber der „L. A. Times“. Moore rief die Menschen in den betroffenen Regionen auf, ihre Häuser so schnell wie möglich zu verlassen.

Probleme mit Stromversorgung: Nachdem zwei von fünf Hauptleitungen wegen Schäden an einer Trafostation vom Netz genommen werden mussten, kam es in der südkalifornischen Metropole immer wieder zu Stromausfällen. Eine dritte wurde von der Hitze direkt beschädigt, wodurch 115.000 Menschen am Wochenende zwischenzeitlich ohne Stromversorgung waren.

Verstärkung für Löschmannschaften: Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger rief für die Region den Notstand aus. Die Feuerwehren des Bezirks Los Angeles County sollten noch am Sonntag Verstärkung von Löschhubschraubern, Flächenflugzeugen und Bulldozern erhalten, erklärte Einsatzleiter John Tripp gegenüber CNN.

Sturm mit bis zu 130 km/h: Der Bürgermeister von L. A., Antonio Villaraigosa machte die „absolut grauenhaften“ Winde mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern dafür verantwortlich, dass die Brände nördlich der Stadt immer wieder angefacht wurden. In so rascher Zeit sei seit Jahren nicht mehr so viel zerstört worden, sagte er vor der Presse. Laut Stadtverwaltung liegt das letzte, ähnlich zerstörerische Feuer in der Metropole 47 Jahre zurück.

Wasser ist knapp: Villaraigosa appellierte an die rund vier Millionen Bewohner der Stadt, wegen möglicher Engpässe Wasserreserven zu halten und möglichst Strom zu sparen, um einem totalen Zusammenbruch der Versorgungsnetze vorzubeugen. Verletzt wurden bisher vier Feuerwehrmänner. Insgesamt waren 1.100 Brandbekämpfer im Einsatz. Fortschritte machte der Kampf gegen die Flammen inzwischen in Montecito, einem Nobel- und Promiwohnort 160 Kilometer nordwestlich von Los Angeles.

Stars zittern um Luxusvillen: In dem Nobelort wurden seit Freitag Anwesen im Wert von mehreren Millionen Dollar durch den Brand zu Asche. In Montecito besitzen unter anderem die Hollywood-Schauspieler Michael Douglas, Rob Lowe und Jeff Bridges sowie die TV-Königin Oprah Winfrey Luxusvillen.

Immer wieder riesige Buschfeuer
Im US-Bundesstaat Kalifornien verwüsten Jahr für Jahr mehrere tausend Brände riesige Flächen.

2008: Wochenlang wüten im Sommer in dem Westküstenstaat schwere Feuer und vernichten eine Fläche von mehr als 3.400 Quadratkilometer. Unter anderem verwandelt ein gefährlicher Waldbrand den Küstenort Big Sur zeitweise in eine Geisterstadt, weil die meisten der 1.500 Einwohner vor den Flammen flüchten. Etwa 20.000 Feuerwehrleute kämpfen gegen mehr als 1.700 Brände. Auch vor den Toren des Yosemite-Nationalparks toben im Sommer Buschbrände, knapp 50 Gebäude werden vernichtet, eine Fläche von 135 Quadratmeter wird ein Raub der Flammen.

2007: Die spektakulärsten Brände des Jahres wüten im Oktober in Südkalifornien. Zeitweise sind etwa eine Million Menschen auf der Flucht. Bis Ende des Monats zerstören die Flammen mindestens 1.500 Häuser und legen etwa 172.000 Hektar Wald- und Buschwald in Schutt und Asche. Fünf Menschen kommen in den Flammen ums Leben, sieben sterben bei den Evakuierungen – die meisten davon waren Bewohner eines Altersheims.

2003: Am 25. Oktober löst ein Jäger mit seiner Signalpistole den bis dahin größten einzelnen Wald- und Buschbrand in der Geschichte Kaliforniens aus. Im „Cedar“-Feuer östlich von San Diego sterben 14 Menschen. Die Flammen zerstören 2.232 Häuser und 113.800 Hektar Land. Erst am 3. November ist das Feuer weitgehend eingedämmt.

1993: Wüstenwinde entfachen nahe Los Angeles 26 große Buschbrände. Die „Laguna Hills“-Feuer legen 1.200 Häuser in Schutt und Asche, darunter zwei Dutzend Luxusvillen im Prominentenvorort Malibu. Mindestens drei Menschen sterben, 130 werden verletzt. Der Gesamtschaden beläuft sich auf eine Mrd. Dollar.

1991: Ein kleines Buschfeuer in den Hügeln bei San Francisco weitet sich bei Wind und hohen Temperaturen aus. Es wird zu einem Desaster für die Städte Oakland und Berkeley. Ein Gebiet von mehr als 600 Hektar wird eingeäschert, 2.700 Gebäude brennen nieder. 25 Menschen kommen ums Leben. Der Sachschaden des „Oakland Hills“-Feuers wird auf zwei Mrd. Dollar beziffert.

1970: Ein Feuersturm zwischen Santa Monica und der Pazifikküste hinterlässt 71.000 Hektar verbrannte Erde. Der Brand zerstört 380 Gebäude, darunter die Ranch des damaligen Gouverneurs und späteren Präsidenten Ronald Reagan. Dem „Laguna“-Brand fallen mindestens zehn Menschen zum Opfer.

ORF-News

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