USA: 9 Tote und über 70 Verletzte bei U-Bahn-Unglück in Washington
Washington (USA): Ein Zusammenstoß zweier U-Bahn-Züge in Washington hat am 22. Juni 2009 neun Menschen das Leben gekostet. Das teilte die Feuerwehr auf ihrer Website mit. Mehr als 70 Personen wurden verletzt. Das Unglück ist das schwerste in der 33-jährigen Geschichte der Metro in der amerikanischen Hauptstadt.
Ein U-Bahn-Zug der «Roten Linie» fuhr am Montag gegen 17.00 Uhr Ortszeit (23.00 Uhr MESZ), mitten im Berufsverkehr, auf einen haltenden Zug auf. Jeder der beiden Züge in Richtung Innenstadt hatte sechs Wagen mit Platz für insgesamt jeweils 1.200 Fahrgäste. Ein Teil der Wagen wurde von der Wucht der Kollision aufgerissen, Sitze wurden auf die Gleise geschleudert. Zwischen den Bahnhöfen Fort Totten und Takoma Park im Nordosten der Stadt bot sich den Rettungskräften ein Bild der Verwüstung.
Um eingeschlossene Fahrgäste zu bergen, mussten Leitern und Schneidbrenner eingesetzt werden, wie Feuerwehrsprecher Alan Etter mitteilte. Die Arbeiten zogen sich weit in die Nacht zum Dienstag hinein. Mehr als 200 Feuerwehrleute aus Washington, Maryland und Virginia waren im Einsatz. Unter den Todesopfern ist auch die Zugführerin der U-Bahn, die auf den stehenden Zug auffuhr.
Die Krankenschwester Jodie Wickett sagte dem Fernsehsender CNN, sie habe zum Zeitpunkt des Unglücks gerade eine SMS geschrieben. «Es geschah so schnell, ich flog aus dem Sitz und schlug mir den Kopf an.» Dann sei sie vor Ort geblieben und habe versucht zu helfen. Viele Fahrgäste seien in sehr schlechter Verfassung. «Viele Leute waren aufgeregt und weinten.» US-Präsident Barack Obama sprach den Betroffenen sein Mitgefühl aus und dankte den Einsatzkräften. Mitarbeiter des Weißen Hauses seien in Verbindung mit dem Büro von Bürgermeister Adrian Fenty, um sich über die Situation zu unterrichten, erklärte die Regierung.
Die Verkehrssicherheitsbehörde NTSB leitete Ermittlungen zur Ursache des Unglücks ein. Metro-Chef John Catoe sagte, der erste Zug habe auf den Gleisen darauf gewartet, dass ein vor ihm eingesetzter Zug den Bahnhof verlasse. Dann fuhr plötzlich der zweite Zug von hinten auf. Dabei handelt es sich um einen der ältesten Züge der Washingtoner Metro.
Bisher gab es nur einmal ein Unglück mit Todesfolge in der 33-jährigen Geschichte der U-Bahn von Washington. Dabei kamen am 13. Januar 1982 drei Menschen ums Leben, als eine U-Bahn in einer Tunnelröhre entgleiste.
ORF-Bericht von 07.30 Uhr
Aus noch ungeklärte Ursache war mitten im Berufsverkehr am Montagnachmittag, 22. Juni 2009, eine voll besetzte U-Bahn in einen anderen, vor einem U-Bahnhof wartenden Zug gerast. Mehr als ein Dutzend der in die Krankenhäuser eingelieferten Menschen seien schwer verletzt, berichtete Feuerwehrchef Dennis Rubin am Montagabend im US-Sender ABC.
System von Computer gesteuert: Die Züge kollidierten den Angaben zufolge kurz nach 17.00 Uhr Ortszeit an der Grenze der US-Hauptstadt zum Bundesstaat Maryland nahe des Vororts Takoma. Die Bahnen fahren hier oberirdisch. Das von einem zentralen Computer kontrollierte Metro-System schließe die Möglichkeit eines solchen Unfalls eigentlich aus, berichtete der Nachrichtensender CNN unter Berufung auf Verkehrsexperten der Stadt.
Rettungsmannschaften mussten nach dem Unfall mit Schneidbrennern Passagiere befreien, die in den ineinander verkeilten und aufgeschlitzten U-Bahnwagen eingeschlossen waren. Einer der Toten ist einem Bericht des Senders Fox zufolge der Fahrer des Zuges, der auf den anderen aufgefahren war. „Die Menschen in dem letzten Wagen schlugen gegen die Fenster und konnten erst nicht heraus“, schilderte der Augenzeuge Jervis Byrant dem Sender Fox das Geschehen kurz nach dem Unfall.
„Großer Knall“: Andere Zeugen berichteten von einem „großen Knall“, den man bei dem Zusammenstoß noch viele Straßenzüge weiter habe hören können. Passagiere berichteten von vielen weinenden Menschen, die sich allerdings aus eigener Kraft aus der Bahn befreien konnten.
Rund 200 Rettungskräfte waren nach Angaben des Senders ABC im Einsatz. Der Pendlerverkehr in die US-Hauptstadt, in die täglich Hunderttausende zur Arbeit fahren, war nach dem Unfall für Stunden schwer gestört.
