D: Feuerwehrleute retten auch Tiere -> Sonderdienst Tierrettung in Frankfurt
Frankfurt am Main (Deutschland): So ganz kann Feuerwehrmann Carsten Wind sein Privatleben nicht vom Beruf trennen: Ab und zu bringt er nach der Arbeit…
… ausgezehrte Igel oder erschöpfte Vögel mit nach Hause, sehr zur Freude seiner beiden Kinder. «Das ist immer ein Mordsspektakel», berichtet der 34-Jährige. Carsten Wind ist einer von 15 Mitarbeitern des «Sonderdiensts Tierrettung» der Frankfurter Feuerwehr im Stadtteil Nied, die pro Jahr zwischen 400 und 500 mal ausrücken.
Auch ein kleines Wildschwein hat er schon daheim aufgepäppelt. Der Frischling hatte sich an einem Zaun in einem Kleingarten verletzt, von den Elterntieren war weit und breit keine Spur. «Alle bringen das Interesse aus der Freizeit mit», sagt der Feuerwehrmann. Er hat sich für die Aufgabe freiwillig gemeldet, als Hobbyimker fürchtet er sich beispielsweise nicht vor Insektenstichen, die in seinem Beruf gerade im Sommer «an der Tagesordnung» sind: Die Sondertruppe wird immer wieder alarmiert, wenn Bewohner Wespen- oder Hornissennester an ihren Häusern entdecken. Die Einsatzkräfte gäben Tipps, wie die Menschen den schon mal gereizten Schwärmen möglichst aus dem Weg gingen, berichtet Wind.
Am besten ist es für die betroffenen Haushalte, wenn die Einsatzkräfte unverrichteter Dinge wieder abziehen könnten. Wenn die Lage es gar nicht ander zuließe, würden die Feuerwehrleute die Nester aber auch in den Wald umsiedeln. Und obwohl sie einen Schutzanzug trügen, würden die Wespen immer eine Ritze finden und zustechen: «Das gehört dazu», sagt Wind lapidar.
Auch Ekel vor Insekten ist ihm fremd. «Wir unterscheiden nicht zwischen besonders schönen oder schädlichen Tieren, wir retten alles», betont der Feuerwehrmann. Er sperrt Straßen ab, um eine Entenfamilie sicher über die Kreuzung zu geleiten, und kümmert sich mit dem gleichen Eifer um Spinnen und Schlangen. Wenn die Bewohner Blindschleichen oder Ringelnattern im Gartenteich entdeckten, reagierten sie oft panisch. Dabei seien die Tiere in der Regel völlig harmlos. Der 34-Jährige hat keine Scheu, die Schlangen mit der bloßen Hand einzufangen. Wenn ein Nachbar mit der Schippe daneben steht, packt er die Reptilien in einen Jutebeutel und setzt sie ein paar Meter weiter wieder aus: «Sie gehören hierher.»
In Frankfurt sind seinen Angaben zahlreiche Wildtiere heimisch. Immer wird der Sondertrupp gerufen, weil Greifvögel wie Bussarde oder Falken an Hausfassaden geprallt sind. Auch Rehböcke, Wildschweine, Füchse und Waschbären gehören zum Alltag des Teams. Angst habe er noch nie gehabt, sagt Wind: «Wir haben hier schließlich keine Tiger.» Nur ein Mal sei er bei einem Einsatz verletzt worden. Eine Wasserratte war in einen Lichtschacht gefallen und biss dem Feuerwehrmann bei ihrer Rettung kräftig in die Hand.
Die Mitarbeiter des «Sonderdienst Tierrettung» werden von Tiertrainern ausgebildet, um die Tiere mit entsprechender Expertise zu betreuen. Waren Katzen in schräg gestellte Fenster eingeklemmt, Pferde in eine Schlammgrube gestürzt oder Mauersegler zwischen Regenrinne und Hauswand eingeklemmt, müssen die Tiere in der Regel zum Tierarzt gebracht werden. Wird das Herrchen oder Frauchen beispielsweise bei einem Unfall selbst verletzt, kümmern sich die Spezialisten darum, dass die Tiere versorgt werden.
Hauptbrandmeister Bernhard Heislitz berichtet, dass neben den einheimischen Tieren immer wieder auch exotische Tiere die Feuerwehrleute auf Trab halten. Erst vor mehreren Monaten hätten sie etwa in Zeilsheim eine nordamerikanische Kornnatter mitten auf einem Gehsteig einfangen müssen. «Wo die herkam, ist uns schleierhaft», sagt Heislitz. Ein anderes Mal fanden die Einsatzkräfte nach einem schweren Verkehrsunfall einen Koffer, in dem ein kleiner Waran sowie zwei Boas, zwei Pfeilgiftfrösche und mehrere Wasserschildkröten eingezwängt waren. In solchen Fällen benötige auch der «Sonderdienst Tierrettung» Hilfe, sagt Heislitz. In einen speziellen Wärmeraum der Feuerwehr musste ein Schlangenexperte die Tiere begutachten, die schließlich zur weiteren Pflege an einen Fachmann übergeben wurden.
Nach einer Befreiung wilder Tiere sei es naturgemäß nicht möglich, irgendjemandem eine Rechnung zu stellen, sagt der Hauptbrandmeister. Doch wenn der Besitzer eines in Not geratenen Tieres ausfindig gemacht werde, müsse der für die Kosten aufkommen. «Anders als bei einem Brand, bei dem ja Menschen in Gefahr sind, kostet die Tierrettung Geld.» Das akzeptierten die meisten Tierbesitzer. Sie seien froh, wen sie ihre Lieblinge wohlbehalten zurückbekämen. So wie neulich, als die Feuerwehr einen Terrier aus einem Dachsbau befreit hatte, nachdem dieser sich nicht mehr aus eigener Kraft aus dem Bau befreien konnte.
