Deutschland: Mitgliederzahlen -> Die Feuerwehr muss sich selbst helfen
Stuttgart (Deutschland): Eigentlich haben die Feuerwehren im Land nichts zu beklagen. Die Mitgliederzahlen liegen auf stabilem Niveau, in der Nachwuchsarbeit sieht es gut aus. Doch wie lange noch?
Aufgrund der zurückgehenden Bevölkerungszahl könnte auch die Personalstärke bei den Feuerwehren drastisch sinken.
Wenn’s brenzlig wird, sind sie da. 110.000 Frauen und Männer schieben Dienst im Namen der Feuerwehr, jederzeit, die meisten als Ehrenamtliche. Sie wissen, was zu tun ist bei Bränden, Unfällen und vielen anderen kritischen Situationen. Doch eines der größten Probleme der Zukunft lässt selbst die Feuerwehrleute ratlos zurück: der Rückgang der Bevölkerungszahl. Statistiker befürchten, dass Baden-Württemberg bis zum Jahr 2060 rund 1,6 Millionen Einwohner verlieren könnte.
An ihrer Mitgliederzahl hatten die Feuerwehren im Südwesten in den vergangenen Jahren wenig zu bemängeln. Die 110.000 vom vergangenen Jahr bedeuteten einen Anstieg von knapp einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erfreulich ist auch die Entwicklung bei den Jugendfeuerwehren. 28.000 Kinder und Jugendliche gehören mittlerweile dazu, organisiert in 998 Gruppen. Doch all das könnte sich ändern. „In den nächsten Jahren kann ein signifikanter Rückgang der Personalstärke nicht ausgeschlossen werden“, schreibt das Innenministerium auf eine Anfrage der SPD. Denn mit der sinkenden Bevölkerungszahl gebe es künftig immer weniger Menschen, „die aufgrund der körperlichen Anforderungen für den Feuerwehrdienst geeignet sind“. Gleichzeitig dürfte den Feuerwehrleuten die Arbeit nicht ausgehen. Rund 17.000-mal mussten sie im vergangenen Jahr zu Bränden ausrücken. Das ist zwar ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. „Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die Einsätze mit weniger Gefahren verbunden sind und die Zahl der Unfälle ebenfalls abnimmt“, sagt Innenminister Heribert Rech (CDU).
„Die Feuerwehrwelt wird nicht untergehen“
Doch wie können sich die Feuerwehren auch in Zukunft auf die Schlagkraft von genügend Einsatzkräften verlassen? Das Ministerium empfiehlt, „das hohe Ansehen der Feuerwehren in der Bevölkerung zu erhalten“. Der Frauenanteil müsse erhöht werden. Außerdem sollte die Feuerwehr verstärkt um Menschen mit Migrationshintergrund werben. Seine Vorschläge lässt das Ministerium in einen Katalog einfließen, der in nächster Zeit an alle Gemeinden im Südwesten verteilt werden soll. Inhalt des Schriebs: „Hinweise und Empfehlungen für mögliche Maßnahmen der Gemeinden.“ Insbesondere der Frauenanteil in den Feuerwehren scheint dem Ministerium am Herzen zu liegen.
Der sei mit rund vier Prozent im vergangenen Jahr immer noch zu niedrig. Das Problem: „Bei Frauen, die eine ehrenamtliche Tätigkeit suchen, rückt der Feuerwehrdienst nicht per se in den Blickpunkt.“ Frauen für die Feuerwehr: Unter diesem Motto sollen die Feuerwehren ihr Bild in der Öffentlichkeit „anpassen“. In Broschüren und Werbeschriften, so der Vorschlag des Innenministeriums, könnten Feuerwehrfrauen und -männer gleichermaßen abgebildet werden.
In der Landesregierung ist man jedenfalls überzeugt, genügend für eine positive Zukunft der Feuerwehren getan zu haben. So änderte sie das Feuerwehrgesetz im vergangenen September. Danach dürfen junge Leute heute früher zur Feuerwehr kommen als früher – ein Wechsel in den aktiven Dienst ist bereits mit 17 statt mit 18 Jahren möglich.
Ein hilfreiches Konzept? „Diese Änderung wird sich erst in einigen Jahren auswirken“, sagt Willi Dongus, der Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbands. Und bis dahin? Gehe die Zahl der ehrenamtlichen Feuerwehrleute drastisch zurück, gebe es nur zwei Möglichkeiten, sagt Dongus. „Entweder die Qualität der Feuerwehrarbeit lässt nach, oder es müssen verstärkt hauptamtliche Feuerwehrleute eingestellt werden.“ Doch das wäre nicht ganz billig für die Gemeinden. Eine hauptamtliche Feuerwehrstelle koste 200000 bis 250000 Euro jedes Jahr, sagt Dongus. Die Hoffnung will er trotzdem nicht aufgeben. „Die Feuerwehrwelt wird nicht untergehen. Wir haben schon einen Kaiser und zwei Weltkriege überstanden.“
