Technisch

Oö/Stmk: Schwere Juli-Unwetter fordern die Feuerwehr

Oberösterreich/Steiermark: Rund 100 bis 150 Männer der Feuerwehr sind am Sonntagabend, 4. Juli 2010, nach schweren Regenfällen in Oberösterreich im Einsatz gewesen, um Keller auszupumpen und Straßen, besonders im Gebiet rund um den Traunsee, freizuräumen. Verschärft hat sich die Situation jedoch wieder am 5. Juli.

Update: 6.7.2010, 07.48 Uhr (FF Puchheim, Info Bezirk Wels-Land)

Alleine in den Bezirken Gmunden, Vöcklabruck und Ried kam es zu mehr als 200 Feuerwehreinsätzen, nachdem Bäche über die Ufer getreten und Straßen und Keller überflutet worden waren.

65 Liter Wasser pro Quadratmeter: Stark betroffen war auch der Bezirk Ried. Zwischen 23.00 und 1.00 Uhr fielen dort innerhalb von 45 Minuten bis zu 65 Liter pro Quadratmeter. Unzählige Straßen wurden überflutet. Die Einsatzkräfte kämpften dazu noch mit verlegten Kanälen. Auch eine Fabrikshalle der Firma Fischer soll überflutet worden sein.

Autobahntunnel unter Wasser: In Wels war der Autobahntunnel Wels-Noitzmühle in Fahrtrichtung Graz vollständig gesperrt, da Wasser eingetreten war. Einige Unterführungen in der Stadt waren wegen Überflutung ebenfalls gesperrt.

27 Einsätze in Wels: Die Feuerwehr musste vollgelaufene Keller auspumpen, zwei umgestürzte Bäume blockierten Fahrbahnen, parkende Autos wurden beschädigt. Außerdem war ein Ölfilm auf der Traun zu beseitigen. Insgesamt gab es 27 Unwettereinsätze.

Durch die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Wels und durch die Betriebsfeuerwehr Fritsch wurden heute am Montag, den 05.07.2010 in der Zeit von 13.00 bis 16.30 Uhr 36 Einsätze im Zusammenhang mit den kurzen, aber dafür umso intensiveren Niederschlägen geleistet. Dabei handelte es sich vornehmlich um Wassereintritt in Keller etc., die mittels Tauchpumpen sowie Wassersaugern wieder behoben wurden. Die Einsätze im Stadtgebiet konnten abgeschlossen werden. Durch die Bezirkswarnstelle Wels wurden in 35 Fällen Feuerwehren des Bezirkes Wels-Land alarmiert.

Freiw. Feuerwehr der Stadt Wels

Blitz traf Biogasanlage: In Wallern an der Trattnach im Bezirk Grieskirchen traf ein Blitz den Silo einer Biogasanlage. Eine 20 Meter hohe Flamme schoss aus dem Behälter. Verletzt wurde niemand.

Murenabgänge im Bezirk Gmunden: Im Bezirk Gmunden mussten nach Murenabgängen mehrere Straßen gesperrt werden. Auf dem Koppenpass wurden mehrere Fahrzeuge von Muren eingeschlossen. Das Wahrzeichen von Gmunden, der über 200 Jahre alte Mammutbaum auf dem Franz-Josef-Platz, wurde von einem Blitzeinschlag regelrecht gespalten. Die Feuerwehr musste die schweren Äste zurückschneiden.

Zahlreiche Straßensperren: Zwischen Bad Ischl und Ebensee ist die Salzkammergutstraße nach einem Murenabgang gesperrt. In der Stadt Gmunden können Autofahrer derzeit auf der Scharnsteiner Straße nicht durch Gmunden fahren. Sie ist ab dem Zentrum wegen Überflutungen gesperrt.

Von der Außenwelt abgeschnitten: Auch in Bad Ischl waren etliche Menschen nach einem Murenabgang auf der Rettenbachalm von der Außenwelt abgeschnitten. Sie konnten von der Feuerwehr befreit werden. In Bad Ischl sind innerhalb der letzten 24 Stunden 79 Liter pro Quadratmeter gefallen.

Oben Bilder zur überfluteten B 145, der Salzkammergut Straße, in der Ortschaft Mitterweißenbach der Gemeinde Bad Ischl. Trotz Fahrverbot wagen es immer wieder, den überfluteten Bereich zu passieren und machen so wiederum einen Feuerwehreinsatz notwendig.

UPDATE: 05.07.2010, 16:45 Uhr der Freiw. Feuerwehr Bad Ischl
Der Bereich Salzburger Straße musste heute Nachmittag gesperrt werden. Welche aufgrund der Regenfälle stark in Mitleidenschaft gezogen wurde und hier entsprechende Sicherungsmaßnahmen notwendig sind.

Räumung in Steyr: In Steyr rief die Polizei die Autobesitzer dazu auf, den Orts- und Ennskai zu räumen. Beide Abschnitte mussten wegen Hochwassergefahr gesperrt werden.

Bericht der Oö Wasserrettung:

Auf Grund der anhaltenden Regenfälle und Vermurungen wurde die Salzkammergutbundesstraße (Höhe Weissenbachkreuzung) ca. einen halben Meter überflutet.

Ein Pkw wurde beim Versuch diesen überfluteten Straßenabschnitt zu überqueren, technisch so stark beschädigt, dass er ohne fremde Hilfe das Wasser nicht mehr verlassen konnte. Auf Grund des stark angeschwollenen Wassersstandes und der unklaren Strömungsverhältnisse des Traunflusses wurde über die Landeswarnzentrale neben der im
Einsatzgebiet zuständigen Ortsstelle Ebensee die Wildwassergruppe der Wasserrettung alarmiert. Der Fahrzeuglenker konnte glücklicherweise sehr schnell, durch bereits im Einsatz befindliche Feuerwehrkräfte aus dem Fahrzeugwrack geborgen werden. Weiters konnte auch das Fahrzeug gesichert und abtransportiert werden.

Die Oberösterreichische Wasserrettung weist darauf hin, dass hochwasserführende Gewässer, speziell durch die schwer einzuschätzenden Strömungen nicht zu unterschätzen sind.
Aus kleinen Bächen werden sehr rasch mitreisende und nicht kontrollierbare Wassermassen, die Mensch und Eigentum gefährden. Achten Sie durch darauf nicht in eine solche Situation zu kommen!

Eingesetzte Kräfte der Wasserrettung:
Ortsstelle Ebensee
Wildwassergruppe OÖ

Bericht der FF Gunskirchen:
Am 04. Juli 2010 um 17:41 Uhr wurde die FF Gunskirchen zum Einsatz „Überflutung Unterführung Moostal“ alarmiert.

Beim Eintreffen der Einsatzkräfte stellte man fest, dass in der Unterführung ca. Knietief das Wasser steht. Hierbei handelte es sich rein um Regenwasser. Durch den starken Regenfall konnten die Abflüsse der Unterführung die Wassermassen nicht schnell genug wegbefördern. Die Feuerwehr musste einen Pkw bergen, der in die überflutete Unterführung eingefahren ist. Dieser wurde auf eine Anhöhung geschleppt, der ÖAMTC wurde verständigt. Weiters wurden die Abflüsse gereinigt und abgewartet, bis das Wasser abfloss. Währenddessen wurde die Unterführung für den Verkehr komplett gesperrt und eine Kontrollfahrt zu den anderen Unterführungen durchgeführt.

Am 05. Juli 2010 um 13:39 Uhr wurde die FF Gunskirchen aufgrund des starken Regenfalls zu einem Wasserschaden in der Stiftersiedlung alarmiert. Dort war ein Keller teilweise unter Wasser und wurde mit einer Tauchpumpe ausgepumpt.
Durch den anhaltenden Regen wurde die FF Gunskirchen zu weiteren Einsätzen im Ortsteil Grünbach alarmiert. Einige Häuser mussten mit Sandsäcken versorgt werden. Einige Barrieren zum Schutz vor dem Wasser konnten hier errichtet werden. Somit konnte der Schaden in den Haushalten möglichst gering gehalten werden. Ebenfalls mussten einige Keller und Garagen mit den Tauchpumpen sowie mit Wassersaugern vom Regenwasser befreit werden. Der Containerparkplatz der Fa. BRP Powertrain musste ebenfalls vom Wasser befreit werden. Einige Kontrollfahrten durch das gefährdete Gebiet wurden vorgenommen. Insgesamt war die FF Gunskirchen mit 8 Einsätzen beschäftigt. Die FF Fernreith wurde zu 2 Einsätzen alarmiert.
Um 17:43 Uhr konnten 19 Mann der FF Gunskirchen wieder einsatzbereit ins Feuerwehrhaus einrücken.

Aurolzmünster:
Aufgrund der schweren Niederschläge im Stadgebiet Ried wurde die Marktfeuerwehr Aurolzmünster zur Unterstützung der FF Ried alarmiert. In der Nacht wurden mit den kleineren Tauchpumpen und Naß-Trocken-Saugern diverse Keller von den Wassermassen befreit. Mit 3 schweren B-Tauchpumpen, sowie mit der Tragkraftspritze Fox3 wurde zeitgleich begonnen, die enormen Wassermassen vor und in der Produktionshalle der Firma FACC mit ca. 6000l/min bis ca. 07.00 Uhr abzupumpen. Im Laufe des Tages wurden dann noch diverse Keller in Ried leergepumpt. Dies dauerte noch bis ca. 14:00 Uhr.

Eingesetzte Kräfte: 27 Mann mit 4 Fahrzeugen und einem Anhänger für die Dauer von über 14 Stunden unter Einsatzleiter HBI Gerhard Strasser

FF Bad Goisern:
Erst vor einem Monat hielten die Wassermassen die Einsatzkräfte auf Trab, am 5. Juli war es dann abermals soweit. Heftige Regenfälle ließen auch diesmal wieder kleine Rinnsale zu reißenden Bächen anschwellen, die oftmals über die Ufer traten und Gebäude gefährdeten.

Größtes Sorgenkind war auch diesmal wieder der Krößenbach, wo zahlreiche Sandsäcke zum Schutz vor weiterer Ausuferung verbaut wurden. Binnen kürzester Zeit trat der Bach stellenweise über die Ufer und überschwemmte Brücken und Straßen. Bei einer Wohnsiedlung war es zu einer Hangrutschung gekommen, Geröll verstopfte einen Durchfluss und so kam es zu einer Überflutung des dortigen Parkplatzes und der Garagen. Mit einem Bagger und einem Greifer des Gemeindebauhofes konnte Schlimmeres verhindert werden. Gleichzeitig waren mehrere Trupps der FF Bad Goisern seit den Vormittagsstunden unterwegs, um die insgesamt 13 Einsätze abzuarbeiten.

Erst in den Nachmittagsstunden zeichnete sich mit dem Nachlassen der Niederschläge eine leichte Entspannung der Lage ab.

FF Puchheim:
Erneut gab es für die Feuerwehr Puchheim(Bezirk Vöcklabruck) einen intensiven Feuerwehrarbeitstag. So musste in Zusammenarbeit mit dem städtischen Bauhof am 05.07.2010 in den Vormittagsstunden die Zufahrt zur Zeislau in Puchheim komplett gesperrt werden. Die Wassermassen machten ein passieren der Straße mit einem PKW unmöglich. Mit dem Feuerwehr – LKW wurden ca. 50 Bewohner des Siedlungsgebietes transportiert.

Nach dem sich die Lage etwas verbesserte, wurde das Wasser mit Tauchpumpen abgepumpt. Weiters mussten wiederum zahlreiche überflutete Keller leer gepumpt werden. Ein Ölaustritt aus einem KFZ im Flösserweg wurde ebenfalls abgearbeitet. Nach einem heftigen Regenguss gegen 16.45 Uhr gab es die nächsten Einsätze für die Feuerwehr Puchheim. Und wieder wurden Keller ausgepumpt, Sandsäcke transportiert und Sicherungseinsätze durchgeführt. An diesem Tag arbeiteten die Helfer aus Puchheim 15 Einsätze ab. Die Wehr stand mit 21 Mann und 5 Fahrzeugen in der Zeit von 10.58 bis 19.05 Uhr im Arbeitseinsatz.

Bezirk Wels-Land:
Die kurzen heftigen Regenfälle forderten am Montag die Feuerwehren in Wels-Land.
Insgesamt standen annähernd 200 Mann bei weit über 50 Einsätzen im gesamten Bezirk im Einsatz. Als Schwerpunkte wurden die Gemeinden Thalheim und Steinhaus bei Wels sowie Marchtrenk verzeichnet. Vorwiegend waren die 15 Feuerwehren bei Pumparbeiten und Überflutungen gefordert.
Der Starkregen überforderte viele Kanal- und Versickerungsanlagen wonach vor allem Industrie- und Gewerbebetriebe Wassereintritte zu beklagen hatten. Meistens konnte mittels Tauch- und Kreiselpumpen sowie Wassersaugern Schlimmeres verhindert werden.
Sämtliche Arbeiten sind jedoch sehr zeitintensiv, weshalb am Abend immer noch unzählige Florianijünger im Einsatz standen.

STEIERMARK:

Hochwasser im Ausseer-Land
Im Ausseerland haben in der Nacht auf Montag starke Regenfälle für Überschwemmungen und Murenabgänge gesorgt. Das Stadtgebiet von Altaussee wurde überschwemmt. Der Sachschaden dürfte mehrere 100.000 Euro betragen.

145 Liter Regen pro Quadratmeter: Rund 145 Liter Regen pro Quadratmeter fielen in den vergangenen 24 Stunden im Salzkammergut. So etwas komme in dieser Region nur etwa alle 50 Jahre vor, sagen die Wetterexperten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

Wasser stand bis zu einem halben Meter hoch: Die Feuerwehren waren die Nacht über mit 150 Mann im Einsatz. Zahlreiche Bäche traten über die Ufer, Hauseinfahrten wurden von den Wassermassen weggeschwemmt und Keller überflutet. In den Straßen von Altausssee stand das Wasser bis zu einem halben Meter hoch, sagt Feuerwehrkommandant Werner Fischer: „Wir haben teilweise Straßen und Bäche nicht mehr trennen können, das war ein einziger Strom, was auch für uns gefährlich war.“

Vier Autos von Muren eingeschlossen: Die heftigen Unwetter führten auch zu zahlreichen Murenabgängen. Auf der Koppentalstraße zwischen Bad Aussee und Obertraun wurden vier Autos von Muren eingeschlossen. „Es gab innerhalb kürzerster Zeit kein vor und zurück mehr. Die Leute waren aufgeregt aber unverletzt. Es hat ungefähr zwei Stunden gedauert, bis wir die Autos freigeräumt haben“. sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Christian Moser.

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