Oö: Die neue Bezirkswarnstelle Ried im Innkreis

Ried im Innkreis (Oö): „Notruf 122“ – so der Leitsatz seit dem 22-jährigen Bestehen der Feuerwehr Bezirkswarnstelle Ried. Doch hinter den Kulissen…
… Kulissen läuft heutzutage ohne entsprechende Technik von der Notrufaufnahme bis zum Aufheulen einer Sirene nicht mehr viel. Die nicht mehr zeitgemäße technische Ausstattung und die steigenden Anforderungen an die Disponenten einer ständig besetzten Alarmierungsstelle, machten einen dringenden Umbau erforderlich. Ein großer Meilenstein dazu erfolgte im Juni 2009. Durch die Aufwertung seitens des Landes-Feuerwehrkommandos Oberösterreich zu einer 24-Stunden besetzten Bezirkswarnstelle können somit Notrufe angenommen und Einsätze direkt am oberösterreichweitem Einsatzleitsystem bearbeitet und disponiert werden. Die neue Einsatzzentrale für das Innviertel mit Schwerpunkt im Bezirk Ried im Innkreis wurde nun feierlich am Dienstag, 31. August 2010, unter zahlreichen Ehrengästen – darunter Landesbranddirektorstellvertreter Dr. Wolfgang Kronsteiner, Bürgermeister Albert Ortig, Bezirksfeuerwehrkommandant Fritz Prenninger sowie Stadtpfarrer Mosignore Mag. Hermann Demmelbauer – in den Dienst gestellt.
Unzählige freiwillige Stunden
In unzähligen freiwilligen Stunden verbrachten die Disponenten aus den Feuerwehren des Bezirkes Ried und Mitglieder der Feuerwehr der Stadt Ried viele Tage und auch Nächte in der Alarmierungszentrale. Ein Großteil der Arbeiten wurde bis auf einige technische Kleinigkeiten in Eigenregie umgesetzt und entlastet somit zu einem erheblichen Teil das Budget für die Umbaumaßnahmen. Die Schwerpunkte der Renovierung lagen neben einer erhöhten Ausfallsicherheit der IT-Infrastruktur in der Errichtung eines eigenen klimatisierten Serverraumes, der Neugestaltung und Vergrößerung des Arbeitsplatzes des Disponenten, die Errichtung von Notarbeitsplätzen – speziell für Großschadensereignisse, die sich bei mehr als 150 eingelangten Notrufen binnen weniger Stunden Anfang Juli 2010 erstmals im Vollausbau bei den Unwettereinsätzen bewiesen hat, sowie in der Adaptierung und technischen Aufrüstung der gesamten Haus- und Alarmierungstechnik.
Zukunftsweisend
„Mit diesen zukunftsweisenden Umbaumaßnahmen erfüllen wir nun die nötigen technischen Voraussetzungen einer ständig besetzten Bezirkswarnstelle“ so Mathis Gruber, der Leiter der TÜV zertifizierten Bezirkswarnstelle Ried. Um diesen technischen Anforderungen gerecht zu werden, bedarf es aber auch einem speziell geschulten Personal, das im Einsatzfall rasch und zuverlässig reagieren kann. Im Gegensatz zu anderen Bezirkswarnstellen in Oberösterreich verfügt die Bezirkswarnstelle Ried im Innkreis eine nach der Stadt Wels von zwei rund-um-die-Uhr besetzten Alarmierungsstelle, was sich in der Vergangenheit als markantes Merkmal und Stärke in der raschen Schlagkraft der Einsatzkräfte ausgezeichnet hat. Dazu finden ständig Disponentenschulungen zu aktuellen Themen intern und in der Landes-Feuerwehrschule in Linz statt. Zurzeit verfügt die Bezirkswarnstelle Ried über ein 23-köpfiges Team an professionell ausbildeten Disponenten, die im Einsatzfall die 76 Feuerwehren des Bezirkes und darüber hinaus – binnen Sekunden per Mausklick alarmieren können. In dieser bisher reinen Männerdomäne beweist sich seit kurzen auch die erste weibliche Disponentin Oberösterreichs, Tina Jagereder von der FF Ried, die in der neuen Einsatzzentrale ihren „Mann“ steht.
8.050 Tage im Dienst für die Sicherheit der Bevölkerung
„Seit der Gründung der Bezirkswarnstelle Ried am 16. August 1988 durch den damaligen Kommandanten der FF Ried, Ehrenabschnittsbrandinspektor Walter Beham, sorgen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Bezirkswarnstelle für ein Stück an mehr Sicherheit für die Bewohner in der Stadt und im Bezirk Ried.“ so Mario Stangel, der Kommandant der Feuerwehr der Stadt Ried im Innkreis. Alleine im Jahr 2009 wurden eine beachtliche Anzahl von 4600 Dispositionen, Alarmierungen und Ausfahrten zu Brandeinsätzen, technischen Einsätzen und Übungen im elektronischen Funktagebuch verzeichnet.
Kurze Alarmierungszeiten
Derzeit sind 93 Brandmeldeanlagen und Lifte an die Bezirkswarnstelle angeschlossen, von wo aus binnen kürzester Zeit die Einsatzkräfte alarmiert werden können. Gerade dieser kurze Weg zur Alarmierung und die lokale Ortskundigkeit des Disponenten, insbesondere bei großen Industriebetrieben und Großschadensereignissen, erwies sich in der Vergangenheit vielmals als wesentlicher Vorteil. Da im Gegensatz zu Callcentern, die womöglich nicht einmal im deutschsprachigen Raum liegen, eine große Zeitdifferenz in der Alarmierungskette entsteht. „Oftmals wissen die Unternehmen gar nicht, dass sie ihre Brandmeldeanlage oder Lifte bei uns anschalten können.“ so Mathias Gruber.
Internationale Alarmierungszentrale aus dem Herzen Innviertels.
Auch auf internationaler Ebene bewies sich nach der intensiven Umbauphase die neue Einsatzzentrale erstmals in der Feuertaufe. Bei der „Libya Ralley Raide 2010“ in Tunesien, fungierte die Feuerwehr Bezirkswarnstelle Ried als internationale Alarmierungsstelle bei Unfällen der Ralley Teilnehmer. Mittels GPS-Empfänger wurden die einzelnen Fahrer via Internet überwacht und im Falle eines Notfalles nach Österreich in die „Medical Emergency Office Austria“ verbunden. Von hier aus wurden unter anderem die Notärzte, unter ihnen der Gemeindearzt aus St. Martin im Innkreis, und Notarzt der Höhenrettungsgruppe der Feuerwehr der Stadt Ried, Dr. Clemens Novak, mitten in der Wüste Afrikas verständigt. Somit erfolgen aus dem Herzen Innviertels die Alarmierungen und die Koordination sämtlicher Einsätze während der gesamten Ralley. „Zum Glück kam es zu keinen gröberen Zwischenfällen, aber mit der Bezirkswarnstelle Ried fanden wir eine zuverlässige und kompetente Einsatzleitstelle mit viel Erfahrung.“ so Notarzt Clemens Novak.

Finanzierung mit hohen Eigenleistungen
Um die dringend erforderlichen Umbauarbeiten überhaupt durchführen zu können, bedarf es auch finanzieller Mittel, um ein solches Projekt mit Gesamtkosten von rund 44.000 Euro zu realisieren. „Man darf keinesfalls bei der Sicherheit der Bürger Vorort einsparen, da eine Bezirkswarnstelle mit den lokalen Ortskenntnissen der Disponenten, hier einen wesentlichen Vorteil in der Alarmierungsphase bildet.“ so Fritz Prenninger, Bezirksfeuerwehrkommandant des Bezirkes Ried.
Mit je 5000 Euro an Finanzmitteln beteiligt sich das Bezirks-Feuerwehrkommando Ried sowie der Katastrophenhilfsdienst der Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis.
Der Rest und somit ein Großteil der Kosten kommt aus Eigenmitteln von der Feuerwehr der Stadt Ried, da die Bezirkswarnstelle zugleich die Einsatzzentrale der Stadt Ried ist. Wünschenswert wäre auch eine finanzielle Unterstützung seitens des Landes-Feuerwehrkommandos Oberösterreich sowie der Stadtgemeinde Ried – zu der monatlich auch die gewinnbringenden Einnahmen aus den angeschlossen Objekten durch die Brandmeldeanlagen und Lifte fließen. Somit bleibt von Seiten der ehrenamtlichen Disponenten der Bezirkswarnstelle Ried sowie der Feuerwehr der Stadt Ried zu hoffen, dass man hier noch auf offene Ohren und eine unterstützende Geldbörse stößt.
Offene Türen zur Besichtigung
Um sich selbst ein Bild von der neuen Bezirkswarnstelle zum machen und mehr über die technischen Details im Hintergrund – von der Notrufaufnahme bis hin zum Aufheulen einer Sirene zu machen – stehen die Türen beim „Tag der offenen Tür“ der Feuerwehr der Stadt Ried, am Sonntag, 12. September 2010, ganztags alle Möglichkeiten zur Besichtigung offen.
Zahlen, Daten & Fakten
Leiter: BI Mathias Gruber
Stv.-Leiter: HBM Markus Grösslhuber
Gründungsdatum: 16. August 1988
Betreiber:
• Feuerwehr der Stadt Ried im Innkreis
• Bezirksfeuerwehrkommando Ried im Innkreis
• Stadtgemeinde Ried im Innkreis
Anzahl der Disponenten: 23, davon alle ehrenamtlich
Angeschlossene Objekte: Gesamt 93, davon 71 Brandmeldeanlagen und 22 Lifte
Arten der Objekte: Industriebetriebe, Bürogebäude, Einkaufszentren, Öffentliche Einrichtungen, Lift- und Lastenaufzüge,
Alarmierungsgebiet: Schwerpunkt im Bezirk Ried und in den angrenzenden Bezirken
Gesamtumbaukosten: ca. 44.000 Euro
Finanzierung: je 5000 Euro Bezirksfeuerwehrkommando Ried und Katastrophenfond der Bezirkshauptmannschaft Ried. Den Rest mit ca. 34.000 Euro als Eigenfinanzierung durch die Feuerwehr der Stadt Ried.
Unterstützung von Stadtgemeinde Ried und dem Landesfeuerwehrkommando noch offen.
Zertifizierung: seit 2008 vom TÜV Österreich als zertifizierte Annahmestelle zur Annahme und Bearbeitung von Notrufen, Brandmeldeanlagen und Lifte
Elektronisches Funktagebuch über laufende Einsätze jederzeit Online im Internet unter
http://www.ff-ried.at sowie unter http://ri.ooelfv.at verfügbar.
