Deutschland: Vorgeschriebene Heimrauchmelder halten Feuerwehr in Atem
Greifswald (Deutschland): Die Berufsfeuerwehr muss immer häufiger ausrücken, weil die seit 2010 vorgeschriebenen Heimrauchmelder Fehlalarm auslösen. Auch in den Kliniken gab es bereits Probleme mit den Geräten.
Ralf Hering, Wachleiter und Brandschutz-Experte bei der Berufsfeuerwehr der Hansestadt, schlägt Alarm: Immer öfter muss die Feuerwehr wegen eines Fehlalarms ausrücken.
Grund sind falsch funktionierende Rauchmelder in Einfamilienhäusern oder Mietwohnungen, die seit Januar 2010 vorgeschrieben sind. Seitdem fallen pro Monat mindestens zwei dieser Einsätze an. Ein kostspieliges Unterfangen: Das Ausrücken der Brandschützer schlägt jedes Mal mit 1.650 Euro zu Buche. Allerdings müssen Mieter oder Wohnungs-Eigentümer nicht gleich zahlen. „Wir stellen die Gebühren nur in Rechnung, wenn nachweislich fahrlässig gehandelt wurde“, betont Hering.
Die großen Wohnungsgesellschaften WVG und WGG haben ihre Immobilien längst mit den Warnmeldern ausgestattet. Allerdings mache sich kaum ein Mieter die Mühe, auch die Gebrauchsanweisung dieses technischen Gerätes durchzulesen, sagt Hering. „Es genügt nicht, das Teil nur an der Decke anzubringen“, mahnt er. So müsse alle drei Monate die Funktion des Rauchmelders überprüft werden. „Das lässt sich mit einem Besenstiel bewerkstelligen“. Einmal monatlich sollte eine Säuberung erfolgen, „indem Hausfrau oder -mann mit dem Staubsauerrohr einmal um den Brandmelder saugt“, erklärt der Feuerwehrmann. „Die Sensoren der Rauchwarnmelder arbeiten nach dem optischen Prinzip. Wenn sich größere Staubpartikel festsetzen, wird der Fehlalarm ausgelöst.“ Und natürlich dürfe der Batteriewechsel nicht vergessen werden. „Wenn die Batterie ausgetauscht werden muss, ertönt einen Monat lang regelmäßig ein langgezogenes Signal“, erläutert Hering. Einige Fehlalarmierungen der Feuerwehr seien auf diesen Ton zurückzuführen, weil ein Nachbar meinte, dass der Heimrauchmelder Alarm ausgelöst habe. Auch lästige Fliegen, die in die Brandmelder krabbeln, können Ursache für einen Fehlalarm sein. „Das gab es bereits mehrfach in Greifswalder Kliniken“, erinnert sich der Fachmann.
Dennoch bricht er zugleich eine Lanze für die kleinen Deckengeräte, die bei einem Brand Menschenleben retten können. So seien dank der Rauchmelder im Stadtgebiet mehrere Brände verhindert worden. „In der Gaußstraße war ein Bewohner schlafen gegangen und hatte seine Pizza im Backofen vergessen. Diese verkohlte, die Rauchmelder im Flur und im Schlafzimmer lösten aber aus. Wir konnten den Mann noch rechtzeitig aus der Wohnung holen“, schildert Hering.
Erst unlängst sei in einer anderen Wohnung in Schönwalde auf einem angeschalteten Herd ein Topf vergessen worden. Auch dieser Mieter schlief derweil. „Im Schlaf ist unser Geruchssinn ausgeschaltet, der hochgiftige Brandrauch hätte sich ungehindert ausbreiten können. Der installierte Rauchmelder verhinderte zum Glück Schlimmes“, betont Hering.
Die Warnmelder: Jährlich sterben 700 Menschen in Deutschland durch Brände. Dabei verunglücken fünf Mal mehr Menschen zu Hause als in der Industrie, wo Brandmelder weit verbreitet sind. Seit 1. Januar 2010 müssen Rauchwarnmelder nun auch in Schlafräumen, Kinderzimmern und Fluren, über die Rettungswege führen, installiert werden (gilt nicht für Österreich). Die Geräte müssen so angebracht werden, dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet werden kann.
