Deutschland: Neue Übungshalle der Brandenburger Feuerwehrschule
Brandenburg (Deutschland): Wer hier trainiert, muss schwindelfrei sein: Die neue Übungshalle der Brandenburger Landesschule und technischen Einrichtung für Brand- und Katastrophenschutz (LSTE) in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) besticht…
… durch eine realistisch wirkende, mehrstöckige Häuserfront inklusive Balkon, Fensteröffnungen, Treppenhäusern und Dachkonstruktion. Behände klettern Feuerwehrleute bis zu zwölf Meter hohe Leitern empor, seilen sich an der hellblauen Fassade entlang, um sich dann in die nächstgelegene Öffnung zu schwingen oder begleiten eine Trage mit einer verletzten Person eine Art schräge Seilbahn hinab.
Schon vom Zuschauen bekommt der Laie angesichts der rasanten Manöver weiche Knie. „So etwas muss trainiert werden, damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt“, erklärt LSTE-Leiter Norbert Zoschke den Ministern Rainer Speer (SPD) und Helmuth Markov (Linke), die zur offiziellen Einweihung der neuen Trainingsstätte angereist sind. Das könnten die Feuerwehrleute nun auch ganzjährig und witterungsunabhängig tun. „Erfahrungsgemäß gibt es im Winter ja die wenigsten Brand- oder Katastropheneinsätze“, so Zoschke.
Die für 2,1 Millionen Euro errichtete, 840 Quadratmeter große Übungshalle ist das neue Highlight im Trainingsparcours der LSTE, der früheren Landesfeuerwehrschule. Neben der Übungswand gibt es eine Schachtanlage und einen Brunnen sowie drei Kellerräume, die abgedunkelt und „verraucht“ werden, um das Bergen verletzter Personen bei schlechter Sicht zu simulieren. Zudem wurden für Löschübungen vier Hydranten installiert. Insgesamt wurden in den vergangenen zehn Jahren mehr als zwölf Millionen Euro in die Modernisierung des Standortes investiert. So gibt es auf dem Gelände ein 30 Meter langes Stück Autobahn inklusive Leitpfosten, Markierungen, wahlweise Betonplatten oder Asphalt. Hier wird vor allem das Zusammenspiel unterschiedlicher Einsatzkräfte geprobt.
Neben zwei modernen Lehrgebäuden gehören zur Übungslogistik ein sogenannter Führungsturm für die Höhenrettung und ein Atemschutzzentrum zum Trainieren von Einsätzen mit Atemschutzmasken. Eine attraktive Ausbildung ist nach Ansicht von Innenminister Speer ein entscheidender Punkt bei der Gewinnung von Nachwuchs-Feuerwehrleuten. „Angesichts des demografischen Wandels stehen wir da vor gewaltigen Herausforderungen, aber wir brauchen landesweit ein Netz funktionierender Feuerwehren, die im Ernstfall rund um die Uhr einsatzbereit sind“, sagte Speer.
Gearbeitet wird in Eisenhüttenstadt inzwischen an einem weiteren neuen Trainingsgelände. Gestern war Grundsteinlegung für ein sogenanntes Brandübungshaus, in dem ab Herbst 2011 nicht nur deutsche, sondern auch polnische Feuerwehrleute mit Atemschutzgeräten ihre „Heißausbildung“ absolvieren. 2,6 Millionen Euro werden dafür investiert, 85 Prozent davon stammen aus EU-Interreg-Töpfen. „Der höchstmögliche Fördersatz hier in der deutsch-polnischen Grenzregion“, betont der LSTE-Leiter. Allerdings habe man bis zur Bewilligung der Finanzierung zwei Jahre gebraucht. „Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei der Katastrophenabwehr macht Sinn“, sagte Innenminister Speer und verwies auf die Bekämpfung des Oderhochwassers.
Das Brandübungshaus wird einem großen dreigeschossigen Einfamilienhaus nachempfunden. Vom Keller bis zum Dach gibt es neun propangasbetriebene Brandstellen, die der Ausbilder per Fernbedienung oder im Kontrollstand ebenso bedienen kann wie Rauchgasgeneratoren in jedem Raum, die dafür sorgen, dass extrem geringe Sichtweiten von nur 50 Zentimetern entstehen. „Alle Szenarien, die bei Haus- oder Wohnungsbränden auftreten sowie die entsprechenden Such- und Rettungsstrategien können wir hier realitätsnah üben“, erklärte Norbert Zoschke.
Feuerwehrausbildung in Brandenburg
•In Brandenburg gibt es 1.500 hauptberufliche sowie 48.000 freiwillige Feuerwehrleute. Sie werden regelmäßig in Eisenhüttenstadt geschult.
•Seit Beginn des Ausbaus im Jahr 2001 wurde die Zahl der Lehrgangsteilnehmer an der LSTE um 37 Prozent auf gut 3.800 Teilnehmer jährlich erhöht. Die Zahl der Lehrgangsarten erhöhte sich von 48 auf 62.
•Das Trainingszentrum gehört nach Einschätzung seines Leiters mit den beiden jüngsten Investitionen zu den modernsten Einrichtungen dieser Art in Deutschland.
•Bundesweit werden 19 Landesfeuerwehrschulen betrieben.
