Oö: 12 Verletzte bei Wohnhausbrand mit schwieriger Anfahrt in Schärding
Schärding (Oö): Am 3. Oktober 2010 um 08:19 Uhr wurde die FF Schärding zu einem Brandverdacht in den Kainzbauernweg im Ortsteil Allerheiligen alarmiert. Unverzüglich rückten laut Ausrückeordnung zwei Tanklöschfahrzeuge und die Drehleiter aus, bereits drei Minuten nach der Alarmierung verließ das erste Einsatzfahrzeug das Feuerwehrhaus.
Schon während der Anfahrt wurde eine starke Rauchentwicklung im Bereich Kainzbauernweg festgestellt. Einsatzleiter ABI Michael Hutterer erhöhte das Einsatzstichwort von „Brandverdacht“ auf „Wohnungsbrand“, was bedeutet, dass zu den drei bereits ausgefahrenen Fahrzeugen ein Kommandofahrzeug, das Kleinlöschfahrzeug, das Atemschutzfahrzeug und das Schwere Rüstfahrzeug ausrückten. Gesamt waren 30 Männer der FF Schärding im Einsatz.
Probleme bei der Anfahrt
Ca. 600 Meter vor der Einsatzstelle – es war bereits pulsierender schwarzer Rauch sichtbar, welcher auf einen fortgeschrittenen Brand hinwies – stellte sich ein Fahrradfahrer dem erstausrückenden Tanklöschfahrzeug auf der engen Zufahrtsstraße in den Weg. Er warf das Fahrrad gegen das Tanklöschfahrzeug und schrie: „Denen hab ich’s gezeigt, von denen lebt keiner mehr“, was die Einsatzkräfte aber noch nicht direkt mit dem Brand in Verbindung brachten. Mit Gewalt von zwei Einsatzkräften wurde die Straße frei gemacht, sodass das Tanklöschfahzeug mit ca. 2 Minuten Verzögerung die Fahrt fortsetzen konnte. Die Person warf das Fahrrad dann noch gegen die Heckklappe des Einsatzfahrzeugs. Auch die anrückende Drehleiter wurde durch das noch auf der Straße liegende Fahrrad behindert.

Lageerkundung
Am Einsatzort angekommen wurde vom Einsatzleiter ABI Hutterer folgende Lage festgestellt: Starke Flammenbildung aus zwei Fenstern einer Wohnung im 3. des gesamt viergeschossigen und mit 16 Wohnungen ausgestatteten Mehrparteienwohnhauses. Zahlreiche Personen machten sich an den Fenstern bemerkbar. Weiters wurde eine Flammenbildung im Stiegenhausbereich bemerkt. Anwesende geflüchtete Personen brachten dann die Person an der Zufahrt mit der brennenden Wohnung in Verbindung, sodass erstmals der Hinweis auf Brandstiftung aufkam. Auch die rasche Brandausbreitung ließ diesen Rückschluss zu. In dieser Phase wurde auch sofort das Rote Kreuz alarmiert. Gerade bei der Lageerkundung trat das Problem auf, dass die Kommunikation mit den im Bau teilweise nicht deutsch sprechenden Personen äußerst schwierig ist. Viele Personen mussten dazu gebracht werden, die Fenster zu schließen und in den Wohnungen auf Hilfe zu warten, was nicht immer ganz leicht übermittelt werden konnte.
Personenrettung und Brandbekämpfung
Anfänglich begaben sich zwei Atemschutztrupps in Stiegenhaus und ein Atemschutztrupp an der Rückseite des Gebäudes über die Drehleiter zur Personenrettung und Brandbekämpfung. Auf Grund der Aussagen der Bewohner wurden auch die Atemschutzgeräteträger auf äußerste Aufmerksamkeit hingewiesen, es war nicht klar, ob die Person nicht auch noch für die Einsatzkräfte Fallen wie z.B. Gasflaschen, … gestellt hatte. Dies war jedoch Gott sei Dank nicht der Fall. Die Personenrettung aus den unteren Stockwerken konnte unter Einsatz von Fluchthauben rasch durchgeführt werden. In der Erstphase war es jedoch nicht möglich zu den eingeschlossenen Personen über der Brandwohnung vorzudringen. Im Stiegenhaus versperrten die Flammen den Einsatzkräften den Weg und über die Drehleiter war eine Rettung auch nicht möglich, weil die Flammen und der Rauch aus der Brandwohnung auch hier alle Möglichkeiten zur sicheren Personenrettung nahmen. Nachdem die Brandbekämpfung im Innenangriff und Außenangriff über die Drehleiter Wirkung zeigte, konnten auch die Personen aus dem Obergeschoß mittels Fluchthauben in Sicherheit gebracht werden. Gesamt 14 Atemschutzträger waren im Einsatz, bis um 08:52 Uhr Brand unter Kontrolle und um 10:10 Uhr „Brand aus“ gegeben werden konnte. Die rasche Brandausbreitung war auch dadurch gegeben, dass die Fenster in der Brandwohnung geöffnet waren und auch die Türe in das Stiegenhaus geöffnet und mit einer zweiten am Boden liegenden Türe verkeilt war. So wurde einerseits der Brand mit ausreichend Frischluft versorgt, andererseits konnte er sich ungehindert ins Stiegenhaus ausbreiten. Die Löschwasserversorgung wurde durch einen Hydranten sichergestellt. Der Atemschutzeinsatz wurde von einem beim Zugang zum Wohnhaus eingerichteten Atemschutzsammelplatz koordiniert.

Rettungseinsatz
13 Einsatzkräfte des Roten Kreuzes darunter das Team des Notarzteinsatzfahrzeugs mit Notärztin und drei Sanitätseinsatzwagen kümmerten sich um die Personen. Beim Einsatz mussten gesamt 12 Personen ins LKH Schärding – teilweise mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung – eingeliefert werden. Weitere 15 Personen wurden vom Roten Kreuz vor Ort betreut.
Weitere Tätigkeiten
Im Lauf des Einsatzes wurde auch die Gas- und Stromzufuhr getrennt. Bgm. Ing. Franz Angerer und Bezirksfeuerwehrkommandant Max Helm machten sich ein Bild von der Lage am Einsatzort. In weiterer Folge wurde – nachdem erste Brandursachenermittlungs-maßnahmen der Polizei vorgenommen waren – die Brandwohnung ausgeräumt. Mittels eines Wassersaugers wurde Löschwasser abgesaugt, um Wohnungen unterhalb so gut wie möglich verschont zu halten. Außerdem wurden die Wohnungen im Anschluss wieder verschlossen. Die Brandwohnung selbst ist zur Gänze vernichtet worden, weitere Wohnungen sind ohne Sanierungsmaßnahmen nicht mehr bewohnbar.
