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Deutschland: Rauchmelder-Pflicht: Der Norden muss nachrüsten

Lübeck (Deutschland): Zum Jahreswechsel 2010/2011 tritt im Norden die gesetzliche Rauchmelderpflicht in Kraft – in jeder dritten Wohnung in Schleswig-Holstein sind die Warngeräte aber noch nicht installiert, kritisieren Feuerwehr und Versicherungen.

Und der Handel ist für einen Ansturm von Hausbesitzern und Wohnungsbaugesellschaften kaum gewappnet. Die Hersteller der Rauchmelder warnen schon vor Engpässen.

Pro Jahr sterben bundesweit 600 Menschen durch Wohnungsbrände. Unvergessen ist die Feuertragödie in der Lübecker Altstadt, bei der im Februar vergangenen Jahres eine 33-jährige Mutter und zwei sechs- und siebenjährige Jungen auf grauenvolle Weise ums Leben gekommen waren. Damals gab einen Ansturm auf Feuermelder in und um Lübeck. „Zum Jahresanfang lag Schleswig- Holstein im Länderranking bei der Ausstattung mit Rauchmeldern noch weit über dem Bundesdurchschnitt“, sagt Christian Rudolph, Vorsitzender der Kampagne „Rauchmelder retten Leben“. Doch dieser positive Trend sei jäh gestoppt. Schlimmer noch: „30 Prozent der Haushalte sind noch nicht mit den Geräten ausgestattet“, so Rudolph.

Seit Jahren werben Versicherungen und Feuerwehren für den Einbau von Brandmeldern, die es schon ab fünf Euro im Baumarkt gibt. Mecklenburg-Vorpommern hat die Geräte bereits zum 1. Januar 2010 per Gesetz vorgeschrieben. In Schleswig-Holstein läuft zum 31. Dezember eine zweijährige Übergangsfrist aus. Ab 2011 sind die technischen Geräte in Schlafräumen, Kinderzimmern und Fluren, die im Fall der Fälle als Fluchtweg genutzt werden, laut Landesbauordnung Pflicht.

„Wir hätten mit einem größeren Ansturm gerechnet, zumal wir selbst viele Vermieter auf die neue Rechtslage angesprochen haben“, sagt Jörg Hüner, Geschäftsführer vom Messdienst Kalorimeta in Lübeck. Warum speziell private Vermieter bei der Bestellung der Geräte plötzlich zögern würden, wissen die Experten nicht. „Problematisch ist nur, dass weniger als drei Monate Zeit bleiben und die Hersteller vor Engpässen und langen Vorlaufzeiten für die Installation warnen“, sagt Rudolph von der Rauchmelder- Kampagne.

Gelingt die Ausstattung von Wohnungen mit Rauchmeldern bis Jahresende nicht mehr, kann es im Fall eines Brandes für den Vermieter richtig teuer werden. Die Gebäudeversicherungen übernehmen ab Januar 2011 all die Schäden nicht mehr, die durch einen Rauchmelder verhindert worden wären. Dies könnte speziell bei Personenschäden schnell fünf- und sechsstellige Kosten verursachen.

Die Wohnungsbaugesellschaft Prelios (vormals Pirelli RE) räumt ein, die Geräte bislang in etwa 65 Prozent ihrer Wohnungen in Lübeck installiert zu haben. „Der Rest wird aber noch bis Jahresende mit Warnmeldern versehen“, versichert Unternehmenssprecherin Helene Herich. Wie wichtig die Rauchmelder sein können, weiß Volker Skroblies, technischer Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft „Neue Lübecker“ (NL). „Wir haben schon mehrere Dankesschreiben von Mietern bekommen, bei denen es zu Hause gebrannt hat und bei denen sich die Geräte bereits bewährt haben“, sagt er. Entsprechend habe die NL die Ausstattung mit Nachdruck vorangetrieben. „Von unseren 15.500 Wohnungen fehlen schätzungsweise nur noch 300“, so Skroblies.

Lübecker Nachrichten

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