Deutschland: Feuerwehr in Behrenhoff geht die Puste aus
Behrenhoff (Deutschland): Notstand in der Gemeinde Behrenhoff: Die Kommune kann den Brandschutz nicht mehr gewährleisten. Ihre Feuerwehr ist an Werktagen nicht einsatzbereit. Kein Einzelfall, belegt eine Studie.
Hätte es da nicht diesen Bauantrag gegeben — der Notstand wäre kaum publik geworden. Im Zuge des Genehmigungsverfahrens für eine Biogasanlage in Behrenhoff stellten Prüfer fest, dass die Feuerwehr dieser Gemeinde nicht mehr einsatzfähig ist. Im Falle einer Alarmierung an Werktagen kämen gerade mal zwei, drei Kameraden zusammen, heißt es nun. Ein handfestes Problem.
Laut Brandschutzgesetz des Landes sind Gemeinden dazu verpflichtet, den abwehrenden Brandschutz und die Technische Hilfeleistung in ihrem Gebiet sicherzustellen. Dazu haben sie eine entsprechende leistungsfähige öffentliche Feuerwehr aufzustellen und zu unterhalten. Sollten sie das nicht können, räumt das Gesetz ihnen ein, sich hilfesuchend an andere Gemeinden zu wenden.
Genau darum bemüht sich Behrenhoff gerade. Denn aus eigener Kraft kann die Gemeinde ihre Wehr so schnell nicht wieder auf die Beine stellen. Selbst wenn die dünne Personaldecke bald durch zusätzliche Freiwillige verstärkt würde — um eingesetzt zu werden, müssten die neuen Kameraden erst mehrere Lehrgänge absolvieren. Das aber kann Monate dauern, verdeutlicht der Wehrführer des Amtes Landhagen, Heiko Burgas. Behrenhoff, vermutet er stark, ist kein Einzelfall. Auch andere Gemeindewehren würden im Falle einer Alarmierung an Werktagen wohl nicht ausrücken können, weil sie unterbesetzt sind oder ein Großteil der Kameraden andernorts arbeitet und nicht schnell genug in den Heimatort eilen kann. Um die Brandbekämpfung dennoch abzusichern, gestaltete das Amt die Ausrückeordnung für Wehren so, dass im Ernstfall mehrere Wehren gleichzeitig zum Einsatz kommen.
Bereits 2002 hat der Landtag das Brandschutzgesetz den Bedingungen auf dem Land angepasst: Ab sofort sollte es Gemeinden möglich sein, neue Wege in der Sicherstellung der Brandbekämpfung zu gehen. So können sie vereinbaren, den Brandschutz gemeinsam mit anderen Gemeinden sicherzustellen oder sich die Aufgaben zu teilen.
Dass der vorbeugende Brandschutz im ländlichen Raum vielerorts einer Neuausrichtung bedarf, verdeutlicht eine 2008/2009 erstellte Studie zur Lage der Feuerwehren in Ostvorpommern und Uecker-Randow.
Eine Arbeitsgruppe beider Landkreise hatte Fragebögen an die Freiwilligen Wehren ausgeteilt und um eine Einschätzung der Einsatzbereitschaft gebeten. Ergebnis: Schon heute ist die Tageseinsatzbereitschaft vieler Wehren nicht mehr gegeben. Im Notfall werden unter der Woche in Ostvorpommern gerademal sechs Prozent der Bevölkerung innerhalb von 13 Minuten von einer Wehr erreicht.
Der Studie zufolge sinkt die Anzahl aktiver Feuerwehrmänner im künftigen Großkreis Südvorpommern (ausgenommen Greifswald) bis zum Jahr 2020 um etwa 1400 und damit um ein Drittel.
