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Deutschland: Der Norden versinkt im Dauerregen

Lübeck (Deutschland): Wasser, Wasser und noch mehr Wasser: Nach drei Tagen Dauerregen sind Keller vollgelaufen, Straßen überflutet, Äcker stehen knöcheltief unter Wasser. Feuerwehren sind im Dauereinsatz.

Besonders in der Nacht zum 5. November 2010 schüttete es im gesamten Schleswig-Holstein wie aus Kübeln. In Lübeck fielen nach Angaben von Meteomedia innerhalb von 24 Stunden knapp 40 Liter pro Quadratmeter, in Timmendorfer Strand (Kreis Ostholstein) 50 Liter. Die Rekordniederschlagsmenge von sogar 64 Liter verzeichnete Wittenborn (Kreis Segeberg). Üblicherweise fallen in Schleswig-Holstein im gesamten November 60 Liter je Quadratmeter. Die Feuerwehren mussten nach den schwersten Regenfällen der vergangenen Tage zu mehr als 150 Unwettereinsätzen ausrücken. Gestern dauerten die Einsätze an. Zahlreiche Hausbesitzer hatten ihre vollgelaufenen Keller erst in den frühen Morgenstunden entdeckt. Verletzte gab es nach Angaben des Landesfeuerwehrverbandes nicht.

In Bornhöved (Kreis Segeberg) drohte ein See über die Ufer zu treten und einen Campingplatz zu fluten. Die Anlage wurde evakuiert, das Wasser wurde durch eine Schleuse abgelassen. Viele Äcker verwandelten sich über Nacht in kleine Seenplatten. Die wassergesättigten Felder konnten die Niederschlagsmengen einfach nicht mehr aufnehmen. „Das Wasser flutete daraufhin auf die Fahrbahnen, konnte dort aber wegen mit Herbstlaub verstopfter Gullys nicht ablaufen“, sagte ein Polizeisprecher.

Nicht besser sah es in weiten Teilen von Ostholstein aus: In der Ortschaft Lensahnerhof ließ das Wasser aus dem höhergelegenen Bungsberggebiet den Herrenteich über die Ufer treten. Zwei Grundstücke neben dem Teich standen unter Wasser. Die Feuerwehr pumpte, was das Zeug hielt. In Obernwohlde bei Stockelsdorf stand das gesamte Dorf zeitweise knöcheltief unter Wasser. In Eutin-Sibbersdorf musste eine unbefestigte Straße wegen Überflutung gesperrt werden. In Warnsdorf hielt ein Baum dem Sturm nicht stand und stürzte auf die Fahrbahn.

Auch andernorts mussten Helfer abgebrochene Äste beseitigen. In Lübeck-Brodten rückt das Haus Seeblick des Kreisjugendrings immer dichter an die Abbruchkante des Steilufers. Die Regenfälle haben ein weiteres Stück der Steilküste gefressen. In Heilshoop (Stormarn) dürfen die Karpfen im Moorteich wegen des Dauerregens eine Woche länger leben: Die Wassermassen haben den abgelassenen Teich wieder vollgespült. In Glückstadt (Kreis Steinburg) lief das Becken des städtischen Klärwerks über. Ein Ausgleichsbecken reichte nicht aus. THW-Kräfte pumpten ab drei Uhr nachts vergeblich. Gestern legte die Hamburger Berufsfeuerwehr eine Schlauchleitung bis in die Elbe. Im mecklenburgischen Schönberg mussten Helfer das Sportlerheim der heimischen Fußballer mit 300 Sandsäcken vor den Wassermassen schützen. In dem dazu gehörigen Biergarten entstand ein Sachschaden von mehreren Tausend Euro. Ein Bach war über die Ufer getreten.

Norddeutschlandweit liefen Zehntausende Keller voll Wasser. Werner Stöwer, Sprecher des Landesfeuerwehrverbandes, bittet um Verständnis, wenn angesichts der Frequenz von Einsätzen nicht überall geholfen wurde. „Wenn das Wasser ein paar Zentimeter hoch steht, darf ein Hauseigentümer gern selbst zu Eimer und Feudel greifen.“

Nach dem Sturmtief bittet die Feuerwehr die Bevölkerung, sich fürs nächste Unwetter zu wappnen: Fahrzeuge sollten vorausschauend und sicher abgestellt werden, um nicht von abgebrochen Ästen oder umgestürzten Bäumen beschädigt zu werden. Gegenstände auf Terrassen, Balkonen und in Gärten sollten gesichert oder ins Haus gebracht werden. Dachrinnen und Wasserabläufe sollten von Laub gereinigt werden. Die Wetterfrösche sehen immerhin einen Lichtblick am Horizont. Die sonnigen Abschnitte sollen zunehmen, Schauer ab heute Mittag die Ausnahme bleiben. „Für Sonntag können wir sogar schönes Herbstwetter versprechen. Es bleibt auf jeden Fall trocken“, sagt Juliane Pestel von Meteomedia. Nach dem Schmuddelwetter der vergangenen Tage auch ein Lichtblick für die Seele.

Lübecker Nachrichten

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