Deutschland: Die Feuerwehr der Zukunft fliegt -> Drohnen messen Schadstoffe
Dortmund (Deutschland): Die Feuerwehr der Zukunft war am Nachmittag des 13. Dezember 2010 für eine dreiviertel Stunde im Dortmunder Süden zu besichtigen. Sie ist klein, höchst wendig und hochmobil:
Unbemannte Flugroboter sollen die Löschtruppen am Boden schon bald aus der Luft unterstützen und Schadstoffe vielfältiger Art erschnüffeln. Dortmunds Feuerwehrchef Dirk Aschenbrenner verspricht sich davon einen bessern Schutz der Bevölkerung.
Wie überdimensionale Käfer hingen die drei feuerroten Drohnen in der Luft und die milde Wintersonne versah ihren Auftritt mit einem Hauch von Science fiction: Da schien etwas aus dem Weltall zur Erde hinabzusteigen. Die Flugroboter der Siegener Firma Microdrones sind jedoch höchst weltlich und Teil des Forschungsprojektes Air-Shield. Das Institut für Rettungstechnologie und die TU Dortmund hatten Feuerwehrexperten zu Gast, die sich das Schwarm-Konzept aus der Nähe ansehen wollten. „Wir stehen kurz vor der Beschaffung“, sagt Matthias Schneider, Berufsfeuerwehrmann aus Frankfurt.
Was kann die Drohne? „Sie kann etwa bei Großbränden mit enormer Rauchentwicklung verschiedene Schadstoffe in der Luft und deren Ausbreitung feststellen“, sagt Dirk Aschenbrenner. Bislang konnten die Wehrmänner nur am Boden messen. Rauchgas- und Schadstoffwolken haben jedoch die Unart, durch die Thermik nach oben abzuziehen.
Blausäure, Stickoxide, Kohlenmonoxid
Die Drohnen folgen der Wolke und bilden sie dreidimensional ab. Bessere, weil schnellere Übersicht über die Gefahrenlage und schnellere Entscheidungen der Einsatzleiter, zählt Aschenbrenner die Vorteile der Flugroboter auf. Dadurch kann auch die Bevölkerung schneller gewarnt werden („Bitte halten Sie Türen und Fenster geschlossen. . .“). Eine Modulbox am Unterleib der Drohne wird mit sechs Sensoren bestückt, die vom Dortmunder Sensorik-Spezialisten GfG entwickelt wurden. Sie erschnüffeln das tödlich giftige Kohlenmonoxid, messen Blausäure, Stickoxide (lösen Verätzungen der Schleimhaut aus) oder Salzsäure, die bei der Verbrennung von Kunststoffen entsteht.
Dass Drohnen bei der Brandbekämpfung eingesetzt werden, ist nicht neu; in Hagen tüftelt die Fern-Uni parallel an dem Konzept, einen Löschpanzer durch Flugroboter zum Brandherd zu lenken. Prof. Dr.-Ing. Christian Wietfeld und seine Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kommunikationsnetze der TU Dortmund haben eine neuartige „Vermaschung“ der Kommunikationsplattform auf der Basis eines WLAN-Netzes (drahtloses lokales Funknetz) entwickelt. Auf gut Deutsch: „Die Drohnen können sich unterhalten, ihre Position abstimmen und der Wolke folgen“, sagt Wietfeld.
„Nicht jede Ortsfeuerwehr bekommt eine Drohne“
So war auf der grünen Wiese in Dortmund eine – wie Mister Spock anmerken würde – „faszinierende“ Vorführung zu sehen. Mit einem föhnartigen Gesurre stiegen die Robots auf und vollführten am Himmel einen synchronen Formationsflug. „Der Schwarm kann programmierte Routen abfliegen oder selbstständig Schadstoffe in der Luft finden und ihnen folgen“, sagt Björn Dusza vom Lehrstuhl Kommunikationsnetze.
Der Preis der Roboter liegt bei 20.000 Euro für das reine Fluggerät. Für Großstadtfeuerwehren kein Betrag, aber: „Es wird nicht jede Ortsfeuerwehr mit Drohnen ausgestattet werden können“, sagt Dirk Aschenbrenner. Mit den Flugrobotern sieht der Dortmunder Feuerwehrchef eine neue politische Diskussion heraufziehen: „Wieviel Sicherheit für die Bevölkerung will ich in meiner Stadt? Das muss öffentlich diskutiert werden.“
