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Deutschland: Schneedruckeinsätze -> „Wehrleiter sitzt oft zwischen zwei Stühlen“

Deutschland: In den Feuerwehren des Erzgebirgskreises gibt es unterschiedliche Auffassungen zu den kostenpflichtigen Aufträgen, Dächer privater Eigentümer von Schnee zu beräumen.

Einige lehnen dies rigoros ab. Gudrun Müller sprach dazu mit Lutz Lorenz. Er ist seit 1. Januar 2011 hauptamtlicher Kreisbrandmeister.

Freie Presse: Wehrleiter meinten, sie wollen nicht als billige Arbeitskräfte für private Eigentümer Schnee von Dächern abschippen. Können Sie verstehen, dass Feuerwehrleute von diesen Einsätzen die Nase voll haben?
Lutz Lorenz: Ich verstehe das. Es gibt eine zunehmende Tendenz, dass häufiger das rote Auto gerufen wird, auch wenn keine akute Gefahr droht. Der Einsatz der Kameraden, die das in ihrer Freizeit leisten oder dafür von Arbeit geholt werden müssen, wird oft überstrapaziert.

Freie Presse: Das sind aber doch kostenpflichtige Einsätze, für die der Auftraggeber Geld zahlen muss?
Lutz Lorenz: Stimmt, aber deshalb könnten private Auftraggeber ebenso Fachfirmen wie Dachdecker beauftragen. Der Einsatz der Feuerwehr ist auch nicht billig, aber vor allem steht die Wehr nicht für ihre eigentlichen Aufgaben zur Verfügung.

Freie Presse: Sie als Kreisbrandmeister halten also Einsätze der Wehren, um Schnee auf Dächern abzuschaufeln, nicht für sinnvoll?
Lutz Lorenz: Richtig, weil es sich in der Regel nicht um eine akute Gefahr handelt. Jeder Eigentümer ist selbst für sein Gebäude zuständig. Die Schneehöhe ist in den letzten Wochen gewachsen. Da war abzusehen, dass die Belastungen für einige Dächer nicht mehr tragbar sind.

Freie Presse: Gibt es dafür gesetzliche Regelungen?
Lutz Lorenz: Es gibt neben den Feuerwehr- und Ortssatzungen der Kommunen ein Hilfeleistungsgesetz des Landes Sachsen. Darin ist festgeschrieben, dass Feuerwehr eingesetzt wird, wenn unmittelbare Gefahr droht.

Freie Presse: Die Firmen, die Hilfe für die Schneeberäumung benötigen und anfordern, unterstützen mitunter die Feuerwehr bei der Ausgestaltung von Festen oder verstärken die Wehr mit Mitarbeitern. Da kann doch ein Wehrleiter schlecht Nein sagen.
Lutz Lorenz: Sicher ist das sehr schwierig. Oft sitzt da ein Wehrleiter zwischen zwei Stühlen. Wichtig ist, dass man im Einzelfall prüft, ob ein Einsatz zwingend erforderlich ist, gegebenenfalls muss man auch Nein sagen und auf andere verweisen.

Freie Presse: Etwas anders ist sicher die Situation bei kommunalen Gebäuden, bei denen der Ortschef „seine“ Feuerwehr einsetzt?
Lutz Lorenz: In der Tat kann der Bürgermeister die Feuerwehr im Ort zu bestimmten Aufgaben heranziehen. Aber auch da ist er gut beraten, mit dem Wehrleiter zu überlegen, was sinnvoll ist und was nicht. Viele Kameraden stehen in Lohn und Brot.

Freie Presse: Am Wochenende ist in Lengefeld ein Mitglied der Feuerwehr beim Beräumen von Schnee von einem Firmendach verunglückt. Was sollte bei Arbeiten auf Dächern generell beachtet werden?
Lutz Lorenz: Zu dem konkreten Fall kann ich mich nicht äußern. Aber ob Feuerwehr, Bauhofmitarbeiter, Beschäftigte einer Firma oder der Privatmann, der das Dach säubert – alle sollten vor Beginn an die Sicherheit denken. Auf ein Dach, bei dem sich die Balken biegen, mit der Schneefräse zu steigen, kann lebensgefährlich werden. Oftmals wird nicht beachtet, dass an Dächern für Belichtung und den Brandschutz Flächen aus Glas oder Plaste eingebracht wurden. Sie sind unter der Schneelast nicht sichtbar. Ebenso schnell kann der Schnee als Lawine ins Rutschen kommen. Deshalb sollten alle Beteiligten gut gesichert werden.

Freie Presse: Schnee bereitet nicht nur auf Dächern Probleme. Die Krumhermersdorfer Wehr fordert Einwohner auf, Hydranten frei zu halten. Ein richtiges Vorgehen?
Lutz Lorenz: Es stimmt, die Feuerwehr kann nicht alle Hydranten frei halten. In den Satzungen der Kommunen ist geregelt, wer dafür zuständig ist. Natürlich ist es sinnvoll, wenn Anwohner die Fläche um einen Hydranten von Schnee säubern. Denn wenn erst noch ein vereister Hydrant freigehackt werden muss, vergehen bei einem Brand wertvolle Minuten.

Freie Presse

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