D: Wehrfahrzeugaufbauten: Kühlewindt nennt Absprachen „Riesenschweinerei“
Lutter (Deutschland): Der Feuerschutzausschuss der Samtgemeinde Lutter am Barenberge kam am Dienstag, 22.2.2011, unter dem Vorsitz von Willi Reupke zu einer öffentlichen Sitzung im Rathaussaal zusammen. Die Personalangelegenheiten, die auf der Tagesordnung standen, wurden ohne Aussprache abgehandelt.
So empfahl das Fachgremium, Axel Eike, Ortsbrandmeister in Oslutter, wunschgemäß zum 31. März zu entlassen, und den Hauptfeuerwehrmann Marcus Golis mit Wirkung zum 1. April kommissarisch für zwei Jahre zum Ortsbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Ostlutter zu bestellen. Schließlich soll der stellvertretende Ortsbrandmeister Nauens, Björn Düerkop, für weitere sechs Jahres ins Ehrenbeamtenverhältnis der SG Lutter berufen werden. Man kann davon ausgehen, dass sowohl der Samtgemeindeausschuss als auch der Samtgemeinderat – beide Beschlussgremien tagen am 10. beziehungsweise 24. März – den Empfehlungen des Ausschusses folgen.
Samtgemeindebürgermeister Peter Kühlewindt informierte über eine Zusammenkunft mit dem Wasserverband Peine in Sachen Hochwasserschutz. Bei diesem Treffen, an dem auch die SG Baddeckenstedt vertreten war, sei über die Zuständigkeiten im Krisenfall gesprochen worden. Dieses Thema sollte im Rahmen der nächsten SG-Kommandositzung der Feuerwehr vertieft werden. Wie Kühlewindt in diesem Zusammenhang weiter anmerkte, gehe es vornehmlich um die Aufstellung einer Alarmierungs- respektive Meldekette.
Die geplante Anschaffung einer Abgasabsauganlage für das Feuerwehrgerätehaus in Nauen soll nach Angaben Kühlewindts bis Mitte des Jahres 2011 erfolgen. Neben dem Kauf der Anlage seien auch noch Elektroarbeiten auszuführen, so dass die Gesamtmaßnahme zwischen 5000 und 10000 Euro kosten werde.
Kühlewindt befasste sich anschließend mit dem Thema „Alarmierungsverbesserung“. Mit Blick auf geplante Einführung der digitalen Alarmierung sollte in der Übergangszeit „nicht zu viel Geld verbrannt werden“. Eine Verbesserung sei in Ostlutter erforderlich, da die Sirene im Siedlungsbereich – hier wohnt übrigens der neue Ortsbrandmeister Marcus Golis – nicht zu hören sei. Eine Telefonalarmierung soll diesbezüglich Abhilfe schaffen.
„Mit großer Verärgerung“ hat der Feuerwehrverband Deutschland die Absprachen der Industrie zu Lasten der Kommunen und anderer Beschaffer von Feuerwehr-Fahrzeugen zur Kenntnis genommen. Angesichts des hohen Investitionsstaus bei den Feuerwehren seien die Auswirkungen doppelt schlimm. Die beteiligten Unternehmen hätten sich selbst geschadet und ihr innovatives, qualitätsorientiertes Image beschädigt.
Die Absprachen, die den Firmen Schlingmann, Ziegler und Rosenbauer angelastet werden, griff auch SG-Bürgermeister Peter Kühlewindt auf. Er bezeichnet die Absprachen – dabei handelt es sich ausschließlich um die Fahrzeugaufbauten – als „Riesenschweinerei“. Um die Preise „hochzujubeln“, sei eine erhebliche kriminelle Energie freigesetzt worden. Die Samtgemeinde habe bereits mit dem Städte- und Gemeindebund Kontakt aufgenommen, um möglicherweise Schadensersatz geltend zu machen. Im Fokus steht dabei die Anschaffung des TLF 16 für die Ortswehr Lutter. Die SG habe dafür insgesamt 160000 Euro – allein 116000 Euro für die Aufbauten – hingeblättert. Die seinerzeit mit viel Aufwand betriebenen Ausschreibungsverfahren hätten sich nun nach Aufdeckung des Skandals als Farce entpuppt.
Gemeindebrandmeister Hans-Hermann Beltau resümierte zunächst die jüngsten Einsätze der Wehren, ging auf Probleme bei der Benachrichtigung der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Goslar ein und nahm sich dann des Themas„Hochwasserschutz“ an. Es sei wichtig –und deshalb habe er, Beltau, die Initiative ergriffen – dass verlässliche Zahlen und Fakten auf den Tisch kämen. Hilfreich sei zweifelsohne auch die in Neuwallmoden installierte Messlatte, die den Pegelstand der Neile aufzeige; ein weiterer Pegelmesser werde demnächst unweit des Buswartehäuschens am Dorfgemeinschaftshaus installiert. Im Vorfeld eines Hochwasserereignisses könnten die Wehren vorbereitend tätig werden, beispielsweise durch das Füllen von Sandsäcken.
Mit ein wenig Verwunderung, so Beltau, habe er die Mitteilung der Freiwilligen Feuerwehr Hahausen aufgenommen, dass 20000 Euro für den geplanten Gerätehaus-Anbau (wir berichteten, die Red.) nicht ausreichen würden. Diesen Kostenrahmen hätten die Hahäuser „Blauröcke“ selbst errechnen lassen. Beltau: „Da müssen wir uns noch mal an einen Tisch setzen“.
