Deutschland: Juister Feuerwehrleute ignorierten Sirene
Juist (Deutschland): Nur wenige Helfer löschten den Brand in einer Wohnung. Der Gemeindebrandmeister ist sehr verärgert. Kreisbrandmeister Ernst Hemmen sagt: „Eine solche ,Null-Bock-Stimmung? geht nicht. Das kenne ich nicht von anderen Wehren.“
Ende Januar 2011 war das Problem bei einer Übung deutlich geworden – am Dienstag, 2.3.2011, nun bei einem echten Brand: Die Feuerwehrleute auf Juist kommen nur sehr zögerlich zu Einsätzen. Zwei Alarmierungen mit dem Funkmeldeempfänger und schließlich sogar eine Alarmierung per Sirene waren am Dienstag nötig, damit wenigstens 22 von ihnen zum Einsatzort in die Karl-Wagner-Straße kamen. Viele ignorierten die Alarmierung jedoch völlig. Die Wehr hat insgesamt 50 Mitglieder.
Gemeindebrandmeister Thomas Breeden zeigte sich sehr verärgert. Eine erste Nachalarmierung per Funkmeldeempfänger habe kaum Wirkung gezeigt. Es sei dringend nötig, dass die Wehr neue Mitglieder bekomme. „Über die Inselpost haben wir deshalb schon einen Aufruf in deutscher und auch polnischer Sprache gestartet.“ Viele Polen hätten auf der Insel ihren ersten Wohnsitz. „Und sie geht das Thema genauso an.“ Bis Ende März müssten sich neue Aktive melden. Wenn sich jedoch keine fänden, „dann muss ich die Verantwortung für die Inselfeuerwehr Juist abgeben“, sagt Breeden. Der Gemeindebürgermeister müsste dann eine Pflichtfeuerwehr bestellen.
„Alles andere ist Pflicht“
Doch dies sei die „schlechteste aller Lösungen“ findet Kreisbrandmeister Ernst Hemmen. Denn bei Mitgliedern einer Pflichtfeuerwehr sei die Motivation noch schlechter. Auch wenn die derzeitige Feuerwehr von Freiwilligen gebildet werde, so Hemmen, „ist nur der Ein- und Austritt freiwillig. Alles andere ist Pflicht.“ Jeder Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau müsse an Lehrgängen teilnehmen und „vor allem an Einsätzen“. Solch ein Verhalten wie auf Juist – Hemmen bezeichnet es als „Null-Bock-Stimmung“ – kenne er von keiner anderen Wehr im Landkreis.
Natürlich hätten auch andere Wehren das Problem, genügend Mitglieder zu finden. Deshalb gebe es, zumindest auf dem Festland, die Möglichkeit der überörtlichen Zusammenarbeit. „Aber das ist natürlich keine Lösung in den ersten Minuten.“ Und es helfe auch nicht den Juistern. Nur in Ausnahmefällen, wenn ein großes Hotel brenne, könne man Einsatzkräfte vom Festland herbeischaffen. Er, so Hemmen, werden sich in den nächsten Wochen mit Gemeindebrandmeister Breeden und einem Vertreter des Landkreises zusammensetzen und über das Thema sprechen. Auf Nachfrage der OZ erklärt der Juister Gemeindebrandmeister Breeden, dass trotz der laxen Einstellung einiger Feuerwehrleute „die Sicherheit auf der Insel nicht gefährdet ist“.
