Neues Burgenländ., ungarisches Branddienstausbildungszentrum „BrandHÁZ“ eröffnet

Burgenland: Am 8. April 2011 wurde auf dem Gelände der Burgenländischen Landesfeuerwehrschule in Eisenstadt ein aus Mitteln der Europäischen Union gefördertes Branddienstausbildungszentrum gesegnet und feierlich seiner Bestimmung übergeben.
Bereits mit der kombinierten österreichischen/ungarischen Bezeichnung „BrandHÁZ“ wird auf die intensive grenzüberschreitende Zusammenarbeit der burgenländischen Feuerwehren mit ungarischen Feuerwehren, besonders mit der Berufsfeuerwehr der Stadt Sopron hingewiesen. Ein Kernstück der gemeinsamen Ausbildung bildet das neue, gasbefeuerte Branddienstausbildungszentrum, bestehend aus Brandübungshaus und Servicegebäude.
Für das gegenständliche Projekt haben das Landesfeuerwehrkommando Burgenland und die Berufsfeuerwehr der Stadt Sopron im Rahmen des Eu-Programms „creating the future“ einen Partnerschaftsvertrag abgeschlossen und bei der Europäischen Union um Förderung angesucht. Die Katastrophenschutzdirektion des Komitats Györ-Moson-Sopron ist Kooperations-Partner.
Das „BrandHÁZ“ besteht aus zwei Objekten: dem eigentlichen „Brandhaus“ und dem „Servicegebäude“ und wird entsprechende Übungen gemäß den aktuellen Entwicklungen der Branddienstausbildung ermöglichen. In Brand-Simulationsanlagen werden auszubildende Feuerwehrmitglieder das erste Mal mit realistischen Brandszenarien und Brandtemperaturen bis zu 600° C in Berührung kommen. Ebenfalls sollen sie dem Training erfahrener Atemschutzkräfte dienen.
Das Brandhaus wurde als Stahlbetongebäude mit Keller, Erdgeschoss, 1. und 2. Stockwerk und halbseitig ausgebautem Dachgeschoss errichtet. Moderne Wärmebildkameras in den verschiedenen Brandräumen zeigen die Situation in der Leitstelle und bei den Rettungstüren an und ermöglichen Ausbilderanweisungen zum richtigen Vorgehen sowie das Eingreifen im Notfall.

„Mit dem neuen Brandhaus, das sowohl bei verschiedensten Lehrgängen der Landesfeuerwehrschule (Branddienst- und Atemschutzlehrgänge, Personenrettung-/Drehleitermaschinisten-Ausbildung etc.) und bei Weiterbildungs-Workshops an Abenden und Wochenenden genutzt wird, steht den ungarischen und burgenländischen Feuerwehrmitgliedern eines der modernsten Brandhäuser für die Branddienstausbildung zu Verfügung“, so der Leiter der Landesfeuerwehrschule OBR Ing. Mag. Josef Bader.
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Neben der Ausbildung im Brandhaus stehen aber auch weitere Ziele der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Vordergrund:
– Ein gegenseitiges Kennenlernen von Ausbildungsmethoden und Austausch von taktischen Grundsätzen in der Branddienstausbildung
– Erstellung von mehrsprachigen Ausbildungsunterlagen und Schulungsvideos
– Ausbildung von ungarischen und burgenländischen Gastausbildern für die regionale Branddienstausbildung bei den Feuerwehren
– Verbesserung der Zusammenarbeit mit ungarischen Feuerwehrkameraden im unmittelbaren Grenzbereich
– Effizientere regionale Zusammenarbeit bei Bränden (Wald-, Flur- und Schilfbrände), bei technischen Hilfeleistungen (auf der Straße, im Gleisbereich, bei der Personensuche am Neusiedler See…) sowie bei Groß- und Katastropheneinsätzen (wie Hochwasser, Sturm und im Gefahrgutbereich).
Realistische Vorbereitung auf den Brandeinsatz
„Das heute gesegnete und seiner Bestimmung übergebene moderne, gasbefeuerte Brandhaus mit seinen zahlreichen Brandstellen auf hohem Sicherheitsniveau, bietet den Feuerwehrmitgliedern eine möglichst realistische Vorbereitung auf den Brandeinsatz. Die verbesserte Ausbildung hilft das Risiko der Ersthelfer im Einsatz zu minimieren, erforderlichen Lebensrettungen besser zu begegnen sowie das Schadensausmaß bei Brandeinsätzen möglichst gering zu halten. Diese Ausbildungsmöglichkeit trägt damit wesentlich zur Verbesserung des Sicherheitsstandards unserer Bevölkerung bei“, führte Landesfeuerwehrkommandant Ing. Alois Kögl aus.
Mit vorläufigen Gesamtkosten von 2,876 Mio. Euro wurde der Budgetrahmen zwar um knapp 5 Prozent überzogen. Die Mehrkosten erklären sich jedoch mit dem ca. zehn Monate verspäteten Baubeginn und können innerhalb des Projektes und durch eiserne Sparmaßnahmen im Budget 2011 finanziell abgedeckt werden. Das BrandHÁZ wurde mit 85 % der geplanten Errichtungskosten, d.s. 2,351 Mio. Euro gefördert.
Natürlich durfte sein Dank an alle hauptamtlichen Ausbilder, allen ungarischen und burgenländischen Gastausbildern für die monatelange Heißausbildung und bei der Mitgestaltung des zweisprachigen Schulungsvideos nicht fehlen. „Allen Feuerwehrmitgliedern, welche sich in diesem modernen Brandhaus einer Ausbildung unterziehen, danke ich für ihr Engagement und wünsche ihnen dabei viel Erfolg“, führte LBD Ing. Alois Kögl aus. Sein Dank galt aber auch allen, die zum Gelingen dieses Eu-Projektes beigetragen haben, angefangen beim Land Burgenland, über das Gemeinsame Technische Sekretariat in Sopron, den Verbindungsstellen in Budapest, dem RMB und der BELIG, verschiedensten Ämtern, Behörden und Institutionen bis hin zu den planenden, ausführenden und überwachenden Firmen.

In seiner Grußadresse erklärte Stadtfeuerwehrkommandant Obstlt. Csuka Zsolt von der BF Sopron als Vertreter des ungarischen Projektpartners die Vorgeschichte des gemeinsamen Projektes. Grundlage dazu bilden mehrere Abkommen und Vereinbarungen zwischen der Republik Österreich und der Republik Ungarn, dem Land Burgenland und dem Komitat Györ-Moson-Sopron über die Zusammenarbeit bei Bränden und Unglücksfällen zwischen der Katastrophenschutzdirektion Györ-Moson-Sopron und dem Landesfeuerwehrverband Burgenland und dem Katastrophenhilfeabkommen, abgeschlossen von der Freistadt Eisenstadt und der Stadt Sopron sowie mehrere reale Einsätze – wie z.B. der große Schilfbrand im Bereich Mörbisch – Fertörakos oder der Gefahrenguteinsatz im Jahr 2007 in Sopron, bei dessen Bewältigung uns der GSF-Zug-Nord des Landesfeuerwehrverbandes unterstützt hat.
„Im neuen Brandhaus können wir sehr realistisch lebensechte Einsatzszenarien üben. Da die Grenzen in Europa gefallen sind, können wir nun auch bei Einsätzen unbürokratisch gemeinsam vorgehen. Natürlich steht auch weiteren Kooperationen der Feuerwehren nichts mehr im Wege“, so Obstlt. Zsolt Csuka. Abschließend dankte er allen Förderern und Mitwirkenden bei der Realisierung dieses Projektes.
Der Leiter der Landesfeuerwehrschule Mag. Josef Bader zeigte in der folgenden Präsentation die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten des Brandhauses auf.
Feuerwehreferent LHStv. Mag. Franz Steindl gratulierte zur Inbetriebnahme des neuen Brandhauses. „Es kommt zum richtigen Zeitpunkt, wo das Land Burgenland des Jubiläum ‚90 Jahre Burgenland’ feiert. So wie sich das Burgenland in den vergangenen 90 Jahren entwickelt hat, so haben sich auch die burgenländischen Feuerwehren entwickelt. Eine wichtige Entwicklung haben vor allem der Sicherheitsbereich und der Katastrophenschutz in den letzten 20 Jahren genommen. Nach den Terroranschlägen in New York im Jahr 2001 haben sich die Sicherheitsarchitektur und die Vorkehrungen im Sicherheitsbereich weltweit geändert. Wir haben auf dem Gelände der Landesfeuerwehrschule ein modernes Kompetenzzentrum für den Katastrophenschutz geschaffen, die Katastrophenschutzpläne der Gemeinden wurden digitalisiert und die 326 burgenländischen Feuerwehren wurden mit modernsten Fahrzeugen und Geräten ausgestattet. Vor Kurzem wurde die gemeinsame Landessicherheitszentrale in Betrieb genommen. Mit der heutigen Eröffnung des neuen, grenzüberschreitenden Branddienstausbildungszentrum ist wieder ein weiteres Projekt im Sinne der Menschen in dieser Region geschaffen und umgesetzt worden. In diesem Sinne darf ich in meiner Eigenschaft als Landeshauptmannstellvertreter und als zuständiger Feuerwehrreferent allen die daran beteiligt waren meinen herzlichsten Dank aussprechen. Ich wünsche dem burgenländischen Feuerwehrwesen und unseren Freunden in Ungarn für die Zukunft eine gute Zusammenarbeit und alles Gute.“
„Durch gute Kontakt und Zusammenarbeit mit unseren Freunden aus Ungarn konnte heute dieses Branddienstausbildungszentrum eröffnet werden. Ich war vor drei Tagen mit dem Botschafter Ungarns, mit Abgeordneten und Bürgermeistern an der österreichisch-ungarischen Grenze, wo wir den Spatenstich für eine Brücke über den Einserkanal gemacht haben. Diese Brücke zwischen den Gemeinde Wallern und Kapuvar in Ungarn ist ein Zeichen der Zusammenarbeit, des Miteinanders. Es ist aber auch ein Symbol, dass wir diese Region gemeinsam weiterentwickeln wollen. Das neue Brandhaus ist in erster Linie eine Einrichtung im Bereich der Sicherheit, wo Feuerwehrmänner und Frauen ausgebildet werden um im Ernstfall effiziente Arbeit leisten zu können. Aber, es ist für mich auch ein Symbol. Ein Symbol für die Zusammenarbeit in dieser Region. Aufgabengebiete und Ausrüstung der Feuerwehren haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Es liegen Welten dazwischen, große Investition, aber vor allem auch Idealismus. Die öffentliche Hand stellt natürlich Gelder zur Verfügung, aber ohne der Menschen, die dort in ihrer Freizeit arbeiten und großartige Leistung erbringen, wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen. Der deutsche Altbundespräsident Johannes Rau hat gesagt: ‚Ohne Ehrenamt erfriert unsere Gesellschaft’. Dies ist auch der Schlüssel für den Aufstieg unseres Heimatlandes Burgenland. Der Aufstieg in den vergangenen 90 Jahren wäre ohne Ehrenamtliche, Freiwillige und unentgeltlich Tätige nicht möglich gewesen. Im Jubiläumsjahr ‚90 Jahre Burgenland’ und im ‚Europäischen Jahr der Freiwilligkeit“ werden im Burgenland vor allem die Freiwilligen im Vordergrund stehen. Die vielen Burgenländerinnen und Burgenländer, die für dieses Land gearbeitet haben. Dazu gehören im großen Umfang die Freiwilligen der Feuerwehren unseres Landes.
Ich sehe dieses Brandhaus – so wie die Brücke über den Einserkanal – als ein Symbol für eine völkerverbindende Maßnahme, ein Fundament, damit sich diese Region auch in Zukunft gut entwickeln kann. Ich darf mich heute bei allen bedanken, die sich dafür eingesetzt haben, dass dieses Projekt realisiert werden konnte“, so Landeshauptmann Hans Niessl. „Herzlichen Dank, Gratulation und alles Gute für die Zukunft!“
Nach der Segnung der Branddienstausbildungszentrums durch Dom- und Stadtpfarrer Mag. Josef Prikoszovits und Stadtpfarrer Senior Dr. Herbert Rampler endete mit dem Abspielen der Landeshymne der offizielle Festakt im Landesfeuerwehrkommando.
Anschließend wurde den Gästen die Möglichkeit geboten, das Brandhaus und das Servicegebäude zu besichtigen und sich im Rahmen einer praktischen Einsatzvorführung ein Bild über die vielfältigen Übungsmöglichkeiten im neuen Brandhaus zu machen.
