Technisch

Wien: Explosionsgefahr bei Tankwagenzwischenfall im 11. Bezirk

Wien: Am 16. Mai 2011 war gegen 11.20 Uhr von einer Entsorgungsfirma mit einem Tankfahrzeug mit Tankanhänger von der firmeneigenen Sammelstelle ein Lösungsmittelgemisch abgepumpt und zur Entsorgung zur Fernwärme WienWerk Simmeringer Haide gebracht worden. Bei der Einfahrt…

… in das dortige Betriebsareal fiel dem Fahrer eine Undichheit am hinteren Heckdomdeckel und ein zischendes Geräusch auf. Sofort wurde der LKW-Zug auf einen eigenen Abstellplatz gefahren und die Betriebsfeuerwehr verständigt.

Erwärmung des Tanks
Von dieser wurde mit der Wärmebildkamera festgestellt, dass sich die hintere Tankkammer (Volumen 8 m3) des Anhängers mitsamt seinem Inhalt rasch erwärmte und das zischende Geräusch durch den Druckanstieg und dem damit verbundenen undichten Domdeckel herrührte. Zu diesem Zeitpunkt trat der Tankinhalt stark tropfend im Heckbereich aus. Seitens der Betriebsfeuerwehr wurde zeitgleich mit der Verständigung der Berufsfeuerwehr Wien von zwei Löschfahrzeugen ein Wasserwerfer und zwei Schaumrohre für eine allenfalls
notwendige Brandbekämpfung aufgebaut.

Weitere Maßnahmen
Weiters wurden die Kanaleinläufe im Abstellbereich des Tankwagens durch einen Radlader mit Sand abgedeckt und der Werksalarm ausgelöst. Das angrenzende Betriebsgebäude wurde zudem durch das Personal der Betriebsfeuerwehr evakuiert. Nach dem Eintreffen der Kräfte der Berufsfeuerwehr wurde der Brandschutz um den Tankwagen hin um zwei Schaumwerfer der Großtankfahrzeug Favoriten und Hernals sowie um zwei Schaumrohre durch die Besatzungen der Rüstlöschfahrzeug Simmering und Landstrasse und um ein Pulverrohr vom Universallöschfahrzeug Favoriten erweitert.
Da die Schadstoffgefährdung durch die austretende Substanz anfänglich unbekannt war, wurden alle Rohre unter Atemschutz und entsprechender Deckung vorbereitet sowie auf dem Betriebsareal ein Körperschutzsammelplatz durch den Wechsellader Körperschutz Floridsdorf und ein Dekoplatz durch das Rüstlöschfahrzeug Liesing aufgebaut.

Explosionsgefahr
Da sich die Temperatur des Anhängers weiter erhöhte, wurde aufgrund der Explosionsgefahr Alarmstufe 2 ausgelöst. Vom Großtankfahrzeug Favoriten wurde zudem damit begonnen, den Tankanhänger mit dem Wasserwerfer zu kühlen. Zwischenzeitlich wurde vom Feuerwehrchemiker und der Besatzung des Umweltmessfahrzeug Donaustadt eine Flüssigkeitsprobe der austretenden Substanz genommen und mit der Analyse begonnen. Von den Kräften der zweiten Löschbereitschaft Donaustadt wurde der Brandschutz an der Rückseite des Abstellbereiches des Tankwagens ebenfalls erweitert.

Schaumeinsatz
Vorsorglich wurden die angrenzenden öffentlichen Straßenzüge von der SW gesperrt und seitens des Rettungsdienstes der K-Zug bereitgestellt. Nach dem Aufbau der umfangreichen Brandschutzmaßnahmen wurde der Tankanhänger mittels eines Kombischaumrohres eingeschäumt, anschließend an die Entlüftungsleitung ein Absperrventil des Wechsellader Schadstoffunfall Liesing montiert und danach die Tankentlüftung des Anhängers geöffnet. Dadurch konnte der enorme Druck in der Tankkammer abgelassen werden. Da sich augeblicklich eine Verbesserung des Temperaturund Druckszustandes des Anhängers einstellte und auch der Domdeckel nicht mehr undicht war, wurde auch die vordere Tankkammer des Anhängers vorsorglich entlüftet.
Seitens des Betriebschemikers der Fernwärme Wien wurden nach diesen Maßnahmen die Domdeckel am Anhänger nunmehr vollständig geöffnet und umfangreiche Proben gezogen. Die Erstanalyse ergab dabei primär Hauptbestandteile von Lösungsmitteln und sonstigen Kohlenwasserstoffen. Durch die offenbar stattgefundene chemische Reaktion hatte sich in der hinteren Tankkammer ein schwarzer Feststoff gebildet, der auch das Entlüftungsund die beiden Bodenventile verstopfte. Da aus der Tankkammer keinerlei Flüssigkeit mehr austrat und sich der Anhänger nach Kontrollen mit der Wärmebildkamera offenbar auch nicht weiter erwärmte, wurde der Einsatz an die BtF der Fernwärme übergeben. Diese wird nach entsprechenden weiteren Analysen die umgehende Entsorgung in den Brennöfen einleiten. Auf Ersuchen der SW (Abt. ADRKontrolle) wurde eine Probe übergeben.
Einsatzende für die Wiener Berufsfeuerwehr: 15.09 Uhr.

Berufsfeuerwehr Wien

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