Deutschland: Trocknungsturm -> Feuerwehr steht auf dem Schlauch
Köln (Deutschland): Mehrfach haben laut einer Verwaltungsvorlage in den vergangenen zweieinhalb Jahren der Feuerwehr bei Einsätzen nicht genügend Schläuche zur Verfügung gestanden. Grund dafür ist der Abriss des Schlauchtrockenturmes in Bickendorf.
Eine Feuerwehr ohne Schlauch steht – nun ja – mächtig auf demselben. An sich ein absurder Gedanke, aber fest steht, dass in den vergangenen zweieinhalb Jahren zumindest die Angst vor gehörigem Schlauchmangel ständiger Begleiter der hiesigen Brandwehr war. So „kam es mehrfach vor, dass die Einsatzbereitschaft der Kölner Feuerwehr eingeschränkt war, da nicht genügend Schläuche zur Verfügung standen“, wie es in einer Beschlussvorlage der Verwaltung heißt.
Der Grund: Bei der umfassenden Sanierung der Feuer- und Rettungswache 4 in Bickendorf, die mit 3,15 Millionen Euro veranschlagt war, stellten Statiker im März 2009 fest, dass der auf dem Gelände stehende Schlauchtrockenturm einsturzgefährdet war. So wurde das 25 Meter hohe Bauwerk aus dem Jahre 1957 aus Sicherheitsgründen umgehend abgerissen – und mit ihm der einzige Schlauchturm stadtweit, in dem die Schläuche bis dato nach Einsätzen getrocknet, kontrolliert und repariert wurden.
Dies sei „zur Erhaltung der Einsatzfähigkeit aus technischen Gründen zwingend erforderlich“, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Darin wird die Errichtung eines neuen Turms für rund 420 000 Euro beantragt, denn die Übergangslösungen erwiesen sich als heikel: Zwar waren die Brandwehren in Leverkusen, Wesseling, Frechen und Kerpen hilfsbereit eingesprungen und hatten ihre Trockenanlagen zur Verfügung gestellt. Doch auch deren Kapazitäten sind begrenzt, insbesondere nach größeren Einsätzen.
„Die Kölner Feuerwehr muss immerhin pro Jahr rund 4000 Mal Schläuche trocknen. Das dauert jeweils etwa einen Tag“, wie Branddirektor Frank Stobbe erläuterte. Zudem sei es bei Schadenslagen höchst misslich, wenn erst umständlich Schläuche aus den Umlandgemeinden herangeführt werden müssten. So griff die Kölner Berufsfeuerwehr wiederholt auf die Bestände in den Schlauchwagen der Freiwilligen Feuerwehr Worringen und der Feuerwache 5 in Weidenpesch zurück. Dabei handelt es sich um Spezialfahrzeuge, die eigentlich nur bei Großeinsätzen genutzt werden, wenn Wasser über weite Strecken transportiert werden muss. Deren Einsatzbereitschaft wurde dadurch natürlich erheblich geschwächt.
Deshalb wurde die Trocknung der Schläuche im vergangenen Jahr an ein privates Unternehmen vergeben, das für seine Dienste etwa 43 000 Euro pro Jahr kassiert. Da der neue Turm in Bickendorf rund 400 000 Euro kostet und man annimmt, dass er 50 Jahre lang standfest bleiben wird, ist der Neubau mit etwa 8000 Euro jährlich die deutlich billigere Lösung, wie die Verwaltung vorrechnet.
Für Stobbe bei weitem nicht der einzige positive Aspekt: „In Bickendorf sind auch die 40 Höhenretter der Kölner Feuerwehr stationiert. Sie werden im gesamten Regierungsbezirk eingesetzt, und der Schlauchturm war gleichzeitig ihr Übungsturm.“ Außerdem diente der Turm der Feuerwehr als Funkturm. Der sei unverzichtbar, weil sonst das linksrheinische nördliche Stadtgebiet über Funk nicht zu erreichen wäre. Derzeit erfüllt ein angemieteter Antennenmast auf dem Hof der Feuerwache 4 diesen Zweck. Nachdem die Bezirksvertretung den Neubauplänen bereits zugestimmt hatte, stimmte auch der Rat in seiner jüngsten Sitzung der Vorlage zu. Somit könnte der neue Schlauchturm möglicherweise schon Ende des Jahres 2011 stehen.
Auf die Frage, weshalb man den Neubau angesichts des Bedarfs nicht vorher in Angriff genommen habe, antwortet der Branddirektor: „Wir wollten damit schon im März 2009 beginnen, aber dann stürzte das Stadtarchiv ein, und unsere Fachleute hatten plötzlich ganz andere Probleme.“
