Deutschland: Acht NEW-Hallen brannten nieder
Ülpenich (Deutschland): Ein Großbrand zerstörte an Christi Himmelfahrt, 2. Juni 2011, die Produktions- und Lagerhallen der Nordeifel-Werkstätten in Ülpenich nahezu komplett. Der Sachschaden geht in die Millionen. Eine gewaltige Rauchsäule stieg hoch über dem Ort auf.
An normalen Werktagen sind 400 Mitarbeiter, davon 330 Menschen mit Behinderung, in den Nordeifel-Werkstätten tätig. Doch als am Donnerstag um 13.23 Uhr ein unbekannter Anrufer der Rettungsleitstelle des Kreises meldete, dass es in den Hallen brenne, arbeitete dort wegen des Feiertags niemand. Schon von weitem war für die alarmierten Feuerwehrleute die Dimension des Brands zu erkennen: Eine gewaltige Rauchsäule stieg hoch über dem Ort auf. Für die Zülpicher Wehren gabs Großalarm. Alle Löschzüge wurden in Marsch gesetzt.
Die ersten Löschangriffe leitete der stellvertretende Wehrführer Joachim Jordan ein, dann übernahm der Zülpicher Stadtbrandinspektor Richard Cremer die Einsatzleitung. Die Nordeifel-Werkstätten bestehen aus neun Hallen für Produktion und Lagerung sowie einem Bürotrakt. Das Feuer war in Halle 6 ausgebrochen, dehnte sich aber rasend schnell auf die übrigen Hallen aus. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte schlugen aus acht Hallen hohe Flammen. Böiger Wind, der das Feuer anfachte, und Wassermangel erschwerten die Löscharbeiten. Obwohl das Wasserwerk den Druck in den Leitungen erhöhte, reichte die Kapazität der Hydranten nicht aus, um die bis zu 7500 Liter Löschwasser pro Minute zu fördern, die benötigt wurden. Neben den eigenen konnten die Zülpicher Feuerwehrleute auch auf Euskirchener Tanklöschfahrzeuge zurückgreifen. Die Dürener Feuerwehr schickte ebenfalls zwei Tanklöschfahrzeuge mit jeweils 5000 Liter Wasser an Bord. Ein Euskirchener Landwirt kam den Wehren mit einem 18 000-Liter-Fass zur Hilfe. Ausreichend Löschwasser stand aber erst zur Verfügung, nachdem die Wehr eine fast zwei Kilometer lange Schlauchleitung zum Zülpicher Wassersportsee verlegt hatte.
Vom Brandschutzzentrum in Schleiden wurden der Atemschutzcontainer sowie 4000 Liter Löschschaum nach Ülpenich gebracht. Die Bundeswehr Mechernich und das Feuerschutzzentrum des Kreises Düren in Stockheim stellten jeweils einen Wasserwerfer zur Verfügung, mit denen große Mengen Schaum in die Hallen gepumpt wurden.
Um die lodernden Flammen auch von oben bekämpfen zu können, nutzten die Zülpicher eine Ersatz-Drehleiter. Die eigene befindet sich derzeit zur Inspektion in Karlsruhe. Außerdem waren die Euskirchener mit ihren Bronto Skylift (Teleskopleiter) vor Ort.
Reichlich Nahrung für die Flammen
Doch angefacht durch die Windböen, breiteten sich die Flammen rasend schnell weiter aus. Nahrung fanden sie in den Hallen genug. Dort werden unter anderem Holzpaletten, Hölzer für die Produktion, geschreddertes CD-Material sowie Katzennahrung und -streu gelagert, die von behinderten Mitarbeitern bearbeitet oder verpackt werden.
Trotz aller Bemühungen musste die Einsatzleitung schließlich erkennen, dass die Hallen im rückwärtigen Bereich nicht zu retten sind. Deshalb wurde entschieden, diese kontrolliert abbrennen zu lassen. Dadurch wurden Kräfte frei, die die im vorderen Bereich befindliche Halle 9 und den Bürotrakt schützen konnten.
Aus den Büros hatte zuvor Prokurist Wilfried Fiege mit einigen Mitarbeitern Aktenordner mit wichtigem Inhalt in Sicherheit bringen können. Fiege, der in Ülpenich wohnt, war als einer der Ersten vor Ort, nachdem er die starke Rauchentwicklung bemerkt hatte.
Die Löscharbeiten waren für die Wehrleute, die größtenteils unter schwerem Atemschutz gegen die Flammen vorgingen, sehr kräftezehrend. Zu schaffen machte ihnen vor allem die enorme Hitze. Ein Feuerwehrmann erlitt eine Rauchgasvergiftung, ein weiterer eine Knieverletzung. Bei einem Dritten versagte der Kreislauf. Und nicht nur den Menschen machte die Hitze zu schaffen. Die Euskirchener Teleskopleiter musste zeitweise zurückgenommen werden, weil sie infolge der hohen Temperaturen selbst in Gefahr geriet. Im Umfeld der Werkstätten „regnete“ verrußtes Dämmmaterial herunter. Dass der Rauch für die Anwohner nicht gesundheitsgefährdend war, stellte die Wehr durch Messungen fest.
Gegen 17.45 Uhr hatte die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle, doch „Feuer aus“ konnte sie erst gegen 23 Uhr melden. Das Technische Hilfswerk sorgte für die Beleuchtung, das Deutsche Rote Kreuz für die Verpflegung der insgesamt 220 Einsatzkräfte. Eine Brandwache blieb in der Nacht vor Ort. Gestern Morgen wurden die letzten Nachlöscharbeiten vorgenommen. Der Sachschaden wurde – vorläufig – auf 5,5 Millionen Euro geschätzt.
Vor Ort verfolgten auch Bürgermeister Albert Bergmann, Beigeordneter Ulf Hürtgen, der Vorsitzende des NEW-Fördervereins, Josef C. Rhiem, NEW-Geschäftsführer Walter Stein und Uwe Schneider vom NEW-Fachkreis Arbeitssicherheit die Löscharbeiten. Gestern Vormittag prüfte Dr. Olga Johnen vom Euskirchener Ingenieurbüro Spitz die Statik der geretteten Halle 9. Allerdings kann diese ebenso wie ein Teil des Bürotrakts wegen des großen Wasserschadens derzeit nicht genutzt werden.
Auch die acht zerstörten Hallen wurden begutachtet, um sie für Abbrucharbeiten freigeben zu können.
Unklar ist noch die Brandursache. Die Polizei ermittelt.
